Von  Daniel Roßbach

Mit einer Reihe von Diskussionen und Mitmach-Angeboten gastiert am ersten August-Wochenende die Initiative „Offene Gesellschaft“ in Finsterwalde. Mehr als 20 Veranstaltungen sind dazu in der Sängerstadt und in der Folge in Elsterwerda geplant. Die Veranstaltungen sind Teil der Kampagne „Offene Gesellschaft in Bewegung“, die in diesem Jahr in zehn Städten Station macht. Nach den Veranstaltungen in Finsterwalde vom 3. bis 5. August ist die Initiative eine Woche später auch auf dem Artlake Festival an der F60 vertreten.

Ziel der Veranstaltungen soll den Organisatoren zu Folge sein, mit einer „interaktiven Ausstellung einen neuen Raum zu schaffen, um über die Zukunft der offenen Gesellschaft ins Gespräch zu kommen.“ Am Ende des Jahres sollen Ergebnisse der Diskussionen auf den Stationen gesammelt werden. Neben Finsterwalde sind unter anderem Görlitz, Aachen und Chemnitz Orte, an denen solche Veranstaltungen stattfinden.

Der Verein hinter der Initiative „Offene Gesellschaft“ bezieht seine Mittel vor allem aus Zuwendungen öffentlicher Stellen und gemeinnütziger Organisationen. Mit ihrem Namen beruft sich die Initiative auf den Philosophen Karl Popper. Der musste während der Nazi-Diktatur vor dem Regime aus seiner Heimat Wien nach Neuseeland fliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte Popper sein Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“, in dem er seine Vision einer liberalen Gesellschaft verteidigt. Für den Charakter einer Gesellschaft sind demnach die einzelnen Personen und ihr Handeln darin entscheidend – obwohl gesellschaftliche Folgen dieses Handelns oft unbeabsichtigt sind.

Entstehen kann eine solche offene Gesellschaft demnach nur, wenn Menschen das Handeln ihrer Regierung kritisch begleiten können. Und wenn Bürger- und Menschenrechte von Gesellschaft und Regierung aufrecht erhalten werden. Darin bestehe die Grundlage, vernünftige Politik zu machen, in der Entscheidungen, die sich als falsch erweisen, auf Grund schlüssiger Argumente aufgegeben werden.

Wie Poppers Gesellschaftsentwurf wurde aber auch die Initiative, die sich auf ihn beruft, dafür kritisiert, diejenigen, die in dieser Gesellschaft nicht genug Gehör finden, von der sozialen und politischen Debatte auszuschließen. Bei den Veranstaltungen in Finsterwalde könnte dem zum Beispiel entgegen wirken, dass in einer Diskussionsrunde auch über die Bedingungen gesprochen wird, unter denen geflüchtete Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung Doberlug-Kirchhain des Landes, betrieben vom DRK, leben. Diese findet am Sonntag, dem 4. August, auf dem Marktplatz in Finsterwalde statt.