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| 15:49 Uhr

Sammeln aus Leidenschaft
Elfriede ist die Liebste

Ursula Wolf hat vorrangig seit der Wende mehr als 400 Puppen gesammelt und erfreut sich jeden Tag an ihnen. Am meisten ans Herz gewachsen ist ihr Puppe Elfriede, so genannt nach ihrer schon mit zehn Jahren verstorbenen Schwester. Deren Puppe hält Ursula Wolf in Ehren.
Ursula Wolf hat vorrangig seit der Wende mehr als 400 Puppen gesammelt und erfreut sich jeden Tag an ihnen. Am meisten ans Herz gewachsen ist ihr Puppe Elfriede, so genannt nach ihrer schon mit zehn Jahren verstorbenen Schwester. Deren Puppe hält Ursula Wolf in Ehren. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Massen. Ursula Wolf (83) aus Massen sammelt seit der Wende mit Leidenschaft Puppen. Die liebste ist die mit den angeknabberten Fingern. Von Gabriela Böttcher

Nach mehreren Wochen aus dem Krankenhaus nach Hause zurückgekehrt führt Ursula Wolfs erster Gang durch die Zimmer ihres Hauses in der Dorfstraße. Sie muss nachschauen, wie es ihren Puppen geht, ob alle noch an ihrem Platz sitzen. Freilich tun sie das, denn selbst Tochter Sabine, die zwischendurch nach dem Rechten sieht, verändert nichts an der liebevoll aufgebauten Sammlung in nahezu jedem Zimmer des Hauses. Mehr als 400 Puppen sind es wohl, die von Ursula Wolf im Wesentlichen seit der Wende zusammengetragen wurden. Mit Puppen gespielt habe sie auch schon als Kind sehr gern. Vater Albert König hatte für ihre Schwestern und sie Puppenhäuser gebaut. Eine der Puppen ist der Massenerin besonders ans Herz gewachsen. Sie gehörte ihrer fünf Jahre älteren Schwester Elfriede, die schon im Alter von zehn Jahren verstorben war. „Unser Bruder hat der Puppe die Fingerspitzen abgeknabbert“, erzählt Ursula Wolf schmunzelnd und zeigt die Puppe, die mehr als 80 Jahre alt ist.

Ursula Wolf aus Massen hat seit der Wende mehr als 400 Puppen gesammelt und erfreut sich jeden Tag an ihnen.
Ursula Wolf aus Massen hat seit der Wende mehr als 400 Puppen gesammelt und erfreut sich jeden Tag an ihnen. FOTO: LR / Gabi Böttcher

Ihr inzwischen ebenfalls verstorbener Mann Otto, ein leidenschaftlicher Jäger, hatte ihr seinerzeit gut zugeredet, sich ein Hobby zu suchen, an dem sie ihre Freude habe, wenn er im Wald unterwegs ist. So habe dann alles angefangen mit dem Sammeln. Von allen Anschaffungen verfüge sie über Zertifikate. Die größten Puppen sind 1,16 Meter hoch. Einige von ihnen stehen im Raum, andere sitzen wie Kleinkinder auf Stühlen und Sofas. Die Materialien reichen von Silikon über Vinyl bis hin zu den Porzellanpuppen. Die Haare sind echt oder syntetisch, die Hautfarben verschieden, ebenso die Kleidung. Da ist von der Jeanshose bis zum Prinzessinnenkleid alles vertreten. Die Herkunft der Puppen reicht von Schildkröt – einer der ältesten Puppenmanufakturen der Welt – bis zu Werkstätten von Puppendesignern wie Inge Tenbusch und Susan Lippl.

„Als Kind hatte ich auch schon zwei Schildkröt-Puppen, aber nach der Wende fing ich erst mit dem Sammeln an“, erzählt die Seniorin. Gern habe sie sich auch Kleidung – wie zum Beispiel fünf Dirndlkleider – hinzubestellt. So konnten Puppen je nach Saison neu eingekleidet werden. Dabei kam auch Babykleidung der eigenen Kinder oder Enkel zum Einsatz.

Früher habe sie auch Kontakt zu anderen Sammlern gehabt und Puppenausstellungen besucht. Die Massener Kita-Kinder seien gern mal bei ihr vorbeigekommen, um sich ihre Schätze anzuschauen. Und auch der Weg des Landschleichers vom rbb-Fernsehen habe bei ihr vorbeigeführt.

Wer sich die Puppensammlung anschauen möchte, könne das auch heute noch tun, sagt die Seniorin. Aber ein paar Tage vorher müsse man sich schon anmelden. Was ihre Sammlung wert sein könnte, da hat Ursula Wolf keine Zahl parat. Dass sie für einige Puppen jeweils fast drei Hunderter bezahlt habe, das weiß sie wohl. Doch das Wichtigste für sie war und ist: „Man ist niemals allein.“