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| 01:25 Uhr

Unterwegs zu den Tastenkünstlern

Orgeltour-Organisator Rudolf Bönisch bewies auch in der Oppelhainer Kirche Sachkenntnis. Foto: top
Orgeltour-Organisator Rudolf Bönisch bewies auch in der Oppelhainer Kirche Sachkenntnis. Foto: top FOTO: top
Gruhno/Friedersdorf/Oppelhain. Drei Orte, drei Kirchen, drei historische Orgeln – eine Tour. Rudolf Bönisch, Schöpfer der erfolgreichen Serie „Mixtur in Bass“, bei der Konzerte auf historischen Orgeln der Niederlausitz gespielt werden, hatte am vergangenen Wochenende zu einer kleinen „Extratour“ geladen. Torsten Pötzsch


In Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Doberlug ging es in die Zisterzienserdörfer Gruhno, Friedersdorf und Oppelhain. Krönender Abschluss war am Samstag das Konzert auf der großen Sauerorgel in der Klosterkirche St. Marien in Doberlug.

Dort spielte Marek Toporowski aus Kattowitz/Polen. Alles zusammen war der Auftakt in die Konzertwochenenden “Mixtur in Bass„, bei denen an 15 verschiedenen historischen Orgeln, im Gebiet zwischen Kloster Doberlug und Kloster Neuzelle und rund um den Spreewald, internationale Orgelkonzerte mit Künstlern aus Tschechien, Polen, Brasilien und Deutschland stattfinden werden.

Gute Zusammenarbeit

“Insgesamt„, so Bönisch, “war es unsere vierte kleine Orgelfahrt und unsere zweite durch das Zisterzienserland. Leider werden unsere Angebote von den Menschen aus der Region noch nicht so gut angenommen. Im Großen und Ganzen hat aber alles geklappt und das ist wichtig. Besonders die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden vor Ort funktioniert hervorragend und die Leute geben sich alle erdenkliche Mühe, um gute Gastgeber zu sein.„

Jubiläum in Oppelhain

Und das kam bei den Gästen an und wurde entsprechend honoriert. “Ich bin einfach nur begeistert und fasziniert„, so die Berlinerin Hanne Thiel-Draheim am Ende der kleinen Orgelfahrt. “Wer sich für solche Sachen interessiert und heute nicht von Anfang an dabei war, hat richtig was verpasst. Alles hat hier einen ganz besonderen Charme und die Organisation war sehr professionell.„

Solche Aussagen sind natürlich Musik in den Ohren der Veranstalter und motiviert sie, auf diesem Pfad weiter zu machen. Neben den Gästen zollte Kirchen- und Orgelspezialist Rudolf Bönisch vor allem dem Organisten Pavel Svoboda seinen höchsten Respekt. Svoboda gehört zu den erfolgreichsten tschechischen Organisten der neuen Generation. “Der junge Mann musste sich an drei verschiedenen Orgeln, die alle ihren eigenen Charakter haben, vorbereiten. Eine echte Meisterleistung, die er da erbracht hat.„ Svoboda spielte auf der Schröterorgel in Gruhno, der Voigtorgel in Friedersdorf und auf der Rühlmannorgel in Oppelhain. Wobei es in Oppelhain noch ein besonderes Jubiläum zu feiern galt. Die Rühlmannorgel erklingt dort seit genau 100 Jahren. “In diesem Jubiläum liegt auch der Grundgedanke für diese kleine Orgelfahrt„, so Bönisch.

Historische Anekdoten

In seinen Erläuterungen zur Kirche griff er dann auch gleich wieder korrigierend ein. “Eigentlich stammt die Orgel aus der Sonnewalder Orgelwerkstatt Schröther und wurde von Johann Christoph Schröther dem Älteren gebaut. Ein genaues Baujahr wissen wir nicht, aber ich schätze so um 1800. Um 1900 war Schröthers Arbeit nicht mehr zeitgemäß, die Romantik war in Mode, und so wurde Friedrich Wilhelm Rühlmann, aus dem anhaltinischen Zörbig, beauftragt, die Orgel zu überarbeiten. Dies geschah vor genau 100 Jahren. Es war übrigens die 320. Arbeit aus der Werkstatt Rühlmann.„

Bönisch zeigte Kennerwissen und war um keine Antwort verlegen. Die Geschichten und Anekdoten machten neben dem Musikgenuss den besonderen Charme der kleinen Orgelfahrt aus - und sie machten Appetit auf mehr.