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| 01:47 Uhr

Unfreiwillige Rutschpartie für einen Halbwüchsigen

39 Jahre betreuen Erna und Walter Rippich in Münchhausen den Storchenhorst. Am Wochenende halfen sie einem Jungstorch nach dessen unfreiwilliger Ruschpartie vom Dach. Foto: Adolf Weber/adw1
39 Jahre betreuen Erna und Walter Rippich in Münchhausen den Storchenhorst. Am Wochenende halfen sie einem Jungstorch nach dessen unfreiwilliger Ruschpartie vom Dach. Foto: Adolf Weber/adw1 FOTO: Adolf Weber/adw1
Finsterwalde. Erste Flugversuche sind für Jungstörche eine große Herausforderung. Insbesondere das Landen. Wenn es dazu noch so heftig regnet wie am vergangenen Wochenende, kann ein Dach zu einer gefährlichen Rutschbahn werden. Einer der Vierlinge in Münchhausen macht diese Erfahrung. Obwohl er seit fünf Tagen Flugerfahrung sammelte, landet er auf dem regennassen Dach, rutscht und stürzt auf den Hof. Von Heike Lehmann

Aufmerksame Dorfbewohner und die Horstbetreuer Erna und Walter Rippich haben den Sturz beobachtet und können schnell helfen. Im Schockzustand wird der durchnässte Vogel über Nacht in einen Stall gebracht. Weil die Untersuchung am Morgen danach keine ernsthaften Verletzungen zeigt, wird er freigelassen. Allerdings beobachtet Walter Rippich dann doch, dass der Pechvogel sich häufig setzt und die Rutschpartie offenbar doch nicht ganz folgenlos war. Am Abend aber fliegt der Storch mit seinen Geschwistern zum Horst und lässt sich von einem der Altvögel füttern.

Mit drei Viererbruten und sechs Dreierbruten bei den Weißstörchen in diesem Jahr könne man zufrieden sein, schätzt Adolf Weber, Storchenbetreuer des Naturschutzbundes im Raum Finsterwalde, ein. Für ein gutes Ergebnis fehlen aber einige Jungstörche. In sechs Horsten, fast einem Drittel, gab es diesmal keinen Nachwuchs.

Das nasskalte Wetter Anfang Juli zum Beispiel wurde drei Jungtieren in Lichtena zum Verhängnis. "Die Altstörche waren erst am 20. April aus dem Süden zurück und begannen spät zu brüten. Zur Kältephase Anfang Juli lagen die Jungen noch im Dunenkleid schutzlos im kalten Regenwasser in der Nestmulde", schildert Adolf Weber. Horstbetreuer Gerald Manigk versuchte sie noch zu retten. Aber die Drei lagen in ihrer Entwicklung etwa vier Wochen gegenüber Artgenossen zurück, die bereits ein schützendes Federkleid gegen Kälte und Nässe trugen.

Kampflustige Konkurrenten

In Großkrausnik gab es keinen Nachwuchs, weil alle drei angebrüteten Eier aus dem Nest geworfen wurden, registriert der Storchenbetreuer in seinen Unterlagen. "Ursache war vermutlich ein Storchenkrieg. Mehrere Angriffe fremder Störche sind dort beobachtet worden", hat sich Weber berichten lassen. In Staupitz und Arenzhain wiederum handelt es sich offenbar noch um zu junge Störche, weshalb es dort keinen Nachwuchs gab.

Der Winterstorch aus Brenitz, der mehrfach für Schlagzeilen sorgte, hat in Brenitz selbst intensiv die Brut gestört. Die Brenitz Storchenkinderstube blieb leer. Als Störenfried ist der Winterstorch, erkennbar an seinem schmutzigen Gefieder, aber auch in Fischwasser in Erscheinung getreten. Dort hat er einen der Brutstörche so attackiert, dass der nicht überlebte. Die beiden Jungstörche konnten aber aus dem Nest gerettet werden.

Kein Umzugswille

Weil Storchennester auf Bäumen - wie in Münchhausen auf einer Erle seit 1970 - besonders labil sind, wurde dort in diesem Jahr vorsorglich von der enviaM ein Nestmast gesetzt. Das Unternehmen markierte die nahe Energiefreileitung, wodurch das Anflugrisiko der Störche minimiert werden soll. Die SIAG aus Massen spendete wiederholt die Nistunterlage, gefertigt aus dem stählernen Rad einer alten landwirtschaftlichen Maschine.

Rippichs Störche haben sich im Frühjahr dennoch für das Nest auf der Erle entschieden. "Irgendwann wird sie aus Gründen der Sicherheit entfernt werden müssen", sagt Adolf Weber.

www.nabu-finsterwalde.de

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Vorläufige Storchenbilanz19 Brutpaare im Altkreis Finsterwalde haben 37 Junge: 3 x 4, 6 x 3, 3 x 2 und 1 x 1 Junges.Sechs Brutpaare bleiben ohne Nachwuchs.Das letzte gute Storchenjahr war 2008.