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Flüchtlinge im Praktikum
Kreishandwerksmeister mit Turki an der Werkbank

Abdullah aus Afghanistan sowie die Brüder Abdalhag und Turki aus Syrien (v.l.) mit Kreishandwerksmeister Jürgen Mahl in der  Bildungsstätte der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft  im Gröbitzer Weg bei Metallarbeiten.
Abdullah aus Afghanistan sowie die Brüder Abdalhag und Turki aus Syrien (v.l.) mit Kreishandwerksmeister Jürgen Mahl in der Bildungsstätte der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft im Gröbitzer Weg bei Metallarbeiten. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Finsterwalde. Praktikum für jugendliche Flüchtlinge ist derzeit in der Bildungsstätte der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft angesagt. Abdalhag, Turki, Joan und Osama aus Syrien sowie Abdullah aus Afghanistan biegen Blütenblätter aus Blech. Von Gabi Böttcher

In der Werkstatt der Ausbildungsstätte im Gröbitzer Weg in Finsterwalde vermittelt an diesem Vormittag Kreishandwerksmeister Jürgen Mahl  fünf jungen Männern zwischen 17 und 19 Jahren praktische Kniffs im Umgang mit Metall. Die Jungs biegen aus Blech Blütenblätter, die sie anschließend zu einer Rose zusammenfügen. In insgesamt vier Wochen kommen sie in Berührung mit Metall, Holz, Farbe, dem Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk. Neben den praktischen Tätigkeiten kommt Jürgen Mahl mit den Jungs ins Gespräch, drängt darauf, dass sie auch untereinander Deutsch sprechen. Ziel des Praktikums unter dem Titel „Grundbildung plus“ im Zusammenwirken mit den Oberstufenzentren Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz ist es, die Berufsschulreife zu erlangen, erklärt Ellen Lösche, Geschäftsführerin der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft. Im nächsten Schuljahr sollen die Jungs eine Berufsausbildung beginnen.

Die jungen Flüchtlinge sollen auch eine  mögliche  Perspektive im Handwerk aufgezeigt bekommen. Wohl wissend, dass sich beide Seiten auf einen steinigen Weg begeben. Ausgang offen. Die Jugendlichen gehen von der Bildungsstätte auch direkt in Handwerksbetriebe, erklärt Ellen Lösche. So nahmen in der vorigen Woche ein Finsterwalder Raumausstatter und einer der Jugendlichen den direkten Draht zueinander auf. Willkommenslotsen der Kreishandwerkerschaft sind als Mittler zu Unternehmen unterwegs, um mögliche Arbeitskräftepotenziale mit dem Bedarf in den Betrieben zusammenzuführen. Denn das Problem der Fachkräftesicherung im Handwerk spüre man „ganz dolle“, so Ellen Lösche.

Beim handfesten Hineinschnuppern in mögliche Ausbildungsrichtungen  bleibt es während des Praktikums bei der Kreishandwerkerschaft  jedoch nicht. Viele Fragen, wie zum deutschen Sozialversicherungssystem und zu Bewerbungen, werden parallel beantwortet. Eigentlich sei die Zeit für die Jugendlichen viel zu knapp, schätzt Ellen Lösche ein. „Sie sollen sich ja austesten.“ Interessiert seien sie auf  jeden Fall. Wichtig sei es, sie in eine Ausbildung zu bekommen, unterstreicht Kreishandwerksmeister Jürgen Mahl.

Handwerksunternehmen, die sich auch jungen Flüchtlingen öffnen möchten, erhalten Hilfe und Beratung vom  Willkommenslotsen der Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft. Jederzeit könne man sich an diesen wenden unter willkommenslotse@khsfiwa.de