Sie sind nur einen 1,25 Meter breit und haben dennoch eine wichtige Funktion. Radfahrschutzstreifen, oder auch Radwegeangebotsstreifen, wie sie laut Straßenverkehrsamt korrekt bezeichnet werden, kennzeichnen seit dem Jahr 2015 ein Wegangebot für Finsterwalder Radfahrer. „Verkehrsrechtlich handelt es sich um Schutzstreifen, die aus Platzgründen auf der Fahrbahn aufgebracht worden sind. Praktisch ist es so, dass die Straße nur eine bestimmte Breite in Anspruch nehmen kann, der Fußweg soll in seiner Breite aber für Kinderwagen und Rollatoren usw. erhalten bleiben“, sagt ein Sprecher des Straßenverkehrsamtes Elbe-Elster.

Die günstige Alternative zu Radfahrwegen soll die allgemeine Verkehrssicherheit stärken, gibt aber auch nach drei Jahren noch immer Anlass zur Kritik. Einige Finsterwalder beschweren sich darüber, dass die Sicherheit der Radfahrer nicht ausreichend gewährleistet sei, da auch viele Autos und sogar Busse die Schutzstreifen mit benutzen würden. Man frage sich, wozu die gestrichelte Markierung da sei, wenn sie von Kraftfahrern ohnehin nicht beachtet werde.

Tatsächlich herrscht teilweise Unkenntnis über den richtigen Gebrauch der Streifen. „Ich denke, wenn kein Radfahrer in der Nähe ist, darf man auf den Streifen fahren“, meint Fahrrad-Händler Thoralf Emunds. Diese weitverbreitete Annahme ist aber falsch. „Die Radfahrschutzstreifen sind ausschließlich für Radfahrer angelegt. Pkw dürfen die Streifen nur dann überfahren, wenn das durch ein zu breites Fahrzeug im Gegenverkehr unvermeidbar ist und auch nur wenn dadurch kein Radfahrer behindert wird“, stellt Frank Brauer von der Polizeiinspektion Elbe-Elster klar.

Die Realität sieht allerdings anders aus. Bei einem Blick auf das Verkehrsgeschehen an der Kreuzung Lange Straße zum Langen Damm fällt schnell auf, dass weit mehr als die Hälfte aller Autofahrer direkt auf den Schutzstreifen fahren, wenn kein Radfahrer zu sehen ist. Dabei gibt es dafür keinen Grund, denn „die Breite der restlichen Fahrbahn zwischen den Schutzstreifen ist so gewählt, dass zwei Autos sich in der Regel begegnen können“, heiß es von Seiten des Straßenverkehrsamtes. Auf der Langen Straße hingegen wird die Markierung erst dann pflichtgemäß eingehalten, wenn ein Radfahrer im Sichtfeld des Pkw-Fahrers auftaucht. Doch auch das sei nicht immer der Fall. „Ich habe schon oft genug beobachtet, dass einige Autofahrer auch dann noch Radfahrer auf den Schutzstreifen bedrängen, wenn sie unmittelbar vor ihnen fahren“, sagt Frank Brauer. „Es ist, als würden sie die Markierung entweder nicht verstehen oder einfach nicht wahrnehmen“, sagt der Polizist.

Dabei haben die Schutzstreifen in den vergangenen Jahren erheblich zur Verkehrssicherheit in Finsterwalde beigetragen, wie eine aktuelle Unfallstatistik belegt. Demnach hat es im Jahr 2016 in Finsterwalde noch 76 Fahrradunfälle gegeben. 2017 waren es nur noch 44 und im vergangenen Jahr 43. In den meisten Fällen waren die Radfahrer als Geschädigte am Unfall beteiligt. Seit 2016 hat es auf den Schutzstreifen nur vier Fahrradunfälle gegeben.

Die allgemeine Rücksichtnahme auf Radfahrer hat sich deutlich verbessert, wie auch Rainer Genilke, verkehrspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, beobachtet hat. „Der Schutzstreifen führt dazu, dass Autofahrer besser auf den Abstand beim Überholen achten“, sagt er. Das findet auch Siegrid Pollmer. „Ich nutze die Schutzstreifen täglich und fühle mich seither viel sicherer auf der Straße. Bisher bin ich auch noch nie durch ein Auto bedrängt worden“, sagt die Finsterwalderin.

Klaus Schmittke dagegen würde richtige Radfahrwege bevorzugen. „Diese Schutzstreifen sind einfach nur eine billige Alternative zu echten Fahrradwegen und die Autos fahren sowieso wie sie wollen“, findet der Rentner. „Die Stadt sollte lieber die Radwege ausbauen. Damit wären die Radfahrer deutlich besser geschützt“, sagt er. „Wir als Stadt Finsterwalde würden an jeder Stelle, an der es möglich ist, natürlich einen ordentlichen Radweg bevorzugen. Dennoch ist der Schutzstreifen eine Variante für schmalere Straßen“, sagt Rainer Genilke. Auch Fahrradexperte Thoralf Emunds hält die Schutzstreifen für eine günstige, aber gute Alternative. „Die Radweg-Situation ist wirklich schlecht in Finsterwalde. Wenn es zu teuer ist, die schlechten Radwege zu erneuern, sollen dafür wenigstens mehr Schutzstreifen entstehen“, sagt er. Eine Erweiterung des Schutzstreifennetzes ist bei den Diskussionen um die Straßensanierung auch weiterhin ein Thema.