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Neuer Schuldneratlas
Überschuldung in EE steigt weiter

Die Zahl der Schuldner ist auch im Elbe-Elster-Kreis gestiegen. Das geht aus dem neuen Schuldneratlas 2017 hervor.
Die Zahl der Schuldner ist auch im Elbe-Elster-Kreis gestiegen. Das geht aus dem neuen Schuldneratlas 2017 hervor. FOTO: Rolf Vennenbernd / dpa
Elbe-Elster . Zum vierten Mal in Folge ist die Zahl der verschuldeten Menschen im Elbe-Elster-Land gestiegen. Damit liegt der Landkreis im deutschlandweiten Trend. Von Daniel Friedrich

Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig – und doch ist die Überschuldung von Privatpersonen in Elbe-Elster erneut gestiegen: Zum Stichtag 1. Oktober 2017 lag die Schuldnerquote in EE bei 8,92 Prozent. Damit ist die Zahl zum vierten Mal in Folge seit 2014 angestiegen. Allerdings fiel die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (2016: 8,91 Prozent) vergleichsweise niedrig aus.

Die Daten gehen aus dem neuen Schuldneratlas Deutschland der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Demnach liegt das Elbe-Elster-Land im Bundesvergleich auf Platz 167 von insgesamt 401 Kreisen und kreisfreien Städten. Schlusslicht ist die Stadt Bremerhaven mit einer Schuldnerquote von über 20 Prozent. Auf Platz eins liegt der Landkreis Eichstätt (3,77 Prozent). Die Schuldnerquote besagt, welcher Anteil der volljährigen Menschen die Summe ihrer fälligen Zahlungsverbindlichkeiten in absehbarer Zeit nicht begleichen können. Kurzum: Die Ausgaben sind höher als die Einnahmen. Dabei gibt es dem Schuldneratlas zufolge auch innerhalb des Landkreises Unterschiede. So ist die Schuldnerquote rund um Finsterwalde deutlich höher als im Süden, etwa im Schradenland, in der Gemeinde Röderland und im Amt Plessa.

Doch wie kommt es dazu, dass fast ein Zehntel der Erwachsenen Schulden hat? Reik Burkhart von der Schuldnerberatungsstelle Finsterwalde sieht insbesondere das Online-Geschäft als eine gefährliche Möglichkeit, Schulden anzuhäufen: „Da ist es leicht, Dinge einzukaufen, ohne sie direkt bezahlen zu müssen. Wer keinen Überblick über seine Finanzen hat, der rutscht dann schnell in die Schulden.“ Burkhart beobachtet auch, dass sich die Altersstruktur der Schuldner im Elbe-Elster-Land verändert hat: „Es kommen mehr ältere Menschen zu uns in die Beratung. Manchmal übernehmen sie sich beim Home-Shopping per Fernseher. In letzter Zeit häufen sich Fälle, bei denen alleinstehende Senioren die hohen Rechnungen von Partnerschaftsagenturen nicht bezahlen können.“

Gerade jüngeren Schuldnern bescheinigt Reik Burkhart eine mangelnde Finanzkompetenz. Fehlende Haushaltsplanung, oberflächliches Lesen von Verträgen und unzureichendes mathematisches Verständnis treffen häufig auf verlockende Konsumangebote. „Hier müsste bereits in den Schulen mehr Prävention geleistet werden“, moniert er.

Dabei ist dem neuen Schuldneratlas zufolge der Anteil der überschuldeten unter 30-Jährigen deutschlandweit nochmals zurückgegangen. Derzeit liege er bei 14,06 Prozent, womöglich eine positive Trendwende. Weitere Erkenntnisse: Ostdeutschland (10,42 Prozent) ist von Überschuldung stärker betroffen als die alten Bundesländer (9,97 Prozent). Und Frauen können offenbar besser mit Geld umgehen. Während nur 7,61 Prozent der weiblichen Bevölkerung als überschuldet gilt, sind es 5 Prozent mehr Männer.