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| 17:38 Uhr

Sächsische Schüler auf Exkursion
Überraschender Besuch aus Dohna

21 Schüler der Marie-Curie-Schule aus dem sächsischen Dohna haben das Schloss Doberlug besucht, wo ab 2020 gerettetes Kunstinventar des ostpreußischen Schlosses Dohna-Schlobitten gezeigt werden soll.
21 Schüler der Marie-Curie-Schule aus dem sächsischen Dohna haben das Schloss Doberlug besucht, wo ab 2020 gerettetes Kunstinventar des ostpreußischen Schlosses Dohna-Schlobitten gezeigt werden soll. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Wie Geschichte plötzlich greifbar werden kann, erfuhren Schüler aus dem sächsischen Dohna vor wenigen Tagen im Schloss Doberlug. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie noch einmal wiederkommen. Von Heike Lehmann

21 Schüler einer 9. Klasse der Marie-Curie-Oberschule aus dem sächsischen Dohna waren jetzt im Schloss Doberlug zu Gast. Der Zufall will, dass im dortigen Museum kräftig an einer Dauerausstellung zur Adelsgeschichte gearbeitet wird, die zum großen Teil gerettetes Kunstinventar des ostpreußischen Schlosses Dohna-Schlobitten zeigen und sich demzufolge mit der Familiengeschichte der Dohnas befassen wird, die in Sachsen ihren Ursprung hatte. 2020 soll die Ausstellung eröffnet werden.

Bei der Ankunft der Schüler übergibt Luca Loben deshalb auch zusammengetragene Fakten aus der Dohnaer Geschichte an Dr. Torsten Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum. 1127 werden die Dohnas erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1144 besitzen sie die Burggrafschaft Dohna, die 1402 an die Burggrafen von Meißen verlorengeht. Rekonstruierte Zeichnungen in der Mappe von Luca Loben und Konstantin Müller, beide sind auch Klassensprecher, bezeugen: Es muss einmal eine stattliche Anlage gewesen sein. „Heute ist von der Burg nur noch ein kleiner Rest von der originalen Burgmauer erhalten“, bedauert Luca. Die Jungen werben für ihren Ort: „Rund um Dohna ist es landschaftlich wunderschön. Es ist die älteste Grenzstadt zwischen Sachsen und Böhmen und Dohna hat mal Dresden mit Fleisch versorgt. Durch eine Fehde mit dem Kurfürst von Sachsen haben die Dohnas nach 1402 ihre Burggrafschaft verloren. Später wurden sie eine wichtige Adelsfamilie in Ostpreußen.“ Luca hat sich im Internet belesen, weiß, dass im Heimatmuseum Dohna alle wichtigen Urkunden bewahrt sind und sagt lächelnd: „Wir haben einen guten Geschichtslehrer.“ in der Tat übersiedelte ein Teil der Adelsfamilie ins heutige Polen, wo die Ländereien des ehemaligen Deutschen Ordens schrittweise in ein weltliches Herzogtum verwandelt wurden. Peter Burggraf zu Dohna spielt dabei eine wichtige Rolle und wird dafür mit der Herrschaft Schlobitten belohnt, die bis 1945 zum Stammsitz des Adelsgeschlechtes werden soll.

So könnte die Burg Dohna ausgesehen haben.
So könnte die Burg Dohna ausgesehen haben. FOTO: Heike Lehmann

Die 9. Klasse der Marie-Curie-Oberschule verbringt mit Klassenleiterin Hannelore Oehme eine Woche im Schullandheim Täubertsmühle im Ortsteil Friedersdorf von Rückersdorf und erschließt sich von dort aus markante Punkte der Region. Sie sind im Bauernmuseum Lindena, in der Greifvogelstation Oppelhain, nutzen die warmen Tage zum Baden im Strandbad Erna und erklimmen das Besucherbergwerk F 60 in Lichterfeld. Und sie besuchen das Museum Schloss Doberlug.

„Als wir uns dort angemeldet hatten, kam sofort eine Mail zurück, dass man sich freut, Schüler aus Dohna empfangen zu dürfen“, erzählt Marion Fink, die stellvertretende Klassenleiterin. Schon dreimal war sie mit Schülern in der Täubertsmühle. Mit dem künftigen direkten Bezug zwischen Dohna und Doberlug dürften weitere Klassenfahrten folgen.

Die Neuntklässler haben das museumspädagogische Angebot im Schloss genutzt und tauchten ein in das Skriptorium der Mönche.
Die Neuntklässler haben das museumspädagogische Angebot im Schloss genutzt und tauchten ein in das Skriptorium der Mönche. FOTO: Heike Lehmann

Der Aufenthalt im Museum Schloss Doberlug bietet den Neuntklässlern dann reichlich Abwechslung. Sie streifen sich Mönchskutten über und verfassen wie in einem mittelalterlichen Skriptorium Schriftproben mit Federkiel und Tinte. Eine kleine barocke Kleiderkunde gehört zum Programm wie der Besuch im interaktiven ErlebnisREICH Naturpark.

Die Schüler auf den Resten der Burgmauer in Dohna.
Die Schüler auf den Resten der Burgmauer in Dohna. FOTO: Marie-Curie-Schule

Die Kunstsammlung der Adelsfamilie Dohna-Schlobitten wird sie sicher noch einmal nach Doberlug locken, glaubt Luca Loben. Die bestand im Wesentlichen aus Erbstücken, Mitgiften und Geschenken und wurde jeweils an die nachfolgenden Generationen weitergereicht. Allerdings sind in den Wirren des Zweiten Weltkriegs zwei Drittel davon verlorengegangen. Was erhalten blieb, ist heute Eigentum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Mit der Präsentation im Schloss Doberlug wird die Sammlung erstmals kompakt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.