| 18:24 Uhr

Über 11 000 Tonnen Stahl

Startnummer 50 und am Ende der Sieger 2015: Andreas Pohle aus Finsterwalde.
Startnummer 50 und am Ende der Sieger 2015: Andreas Pohle aus Finsterwalde. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Lichterfeld. Läufer sind eine ganz besondere Sportlerspezies. Neben Zeit, Platz und Sieg ist oft der Weg das Ziel und je ungewöhnlicher der Laufuntergrund desto besser und spannender. In dieser Hinsicht ist der F60-Brückenlauf kaum zu toppen. Torsten Pötzsch

Beim Brückenlauf geht es nicht entlang der Förderbrücke, nicht drum herum sondern geradewegs über 11.000 Tonnen Stahl nach oben. Es ist weltweit der einzige Lauf über ein Tagebaugroßgerät. Entsprechend entwickelt sich die Läuferschar. Stellten sich im vergangenen Jahr - bei der Premiere - noch 36 Athleten der Herausforderung, waren es am vergangenen Freitagabend schon 50. Eine Entwicklung, die das Team der F60 rund um den "Lauferfinder" André Speri optimistisch stimmt.

Die Bedingungen waren optimal. 18.15 Uhr ging Ralf Malig vom Team PT Harzbecker als Erster auf die Strecke - der Sonne entgegen. Amtsdirektor Gottfried Richter, der in seiner Position gleichzeitig "Bergwerksdirektor" ist, ließ es sich nicht nehmen, persönlich den Startschuss zu geben und natürlich am Ende die Siegerehrung zu übernehmen.

Zu bewältigen waren 800 Meter, davon 600 Meter auf der F 60. Es ging über 250 Stufen und auf dieser kurzen Distanz waren 80 Höhenmeter zu überwinden. Aus Sicherheitsgründen musste mit Helm gelaufen werden. Gestartet wurde im 30-Sekundentakt.

Eine gute Stunde dauerte es, dann waren alle Läufer wieder wohlbehalten auf festem Grund. Die Strecke hatte es in sich. Da dauerte es dann doch etwas, bis der Atemrhythmus wieder normal war. Auch André Speri atmete tief durch, als er wieder alle Läufer und Läuferinnen gesund, erschöpft, aber glücklich um sich sah.

"Ich bin rundum zufrieden", so der Laufleiter. "Wir haben hier ganz besondere Sicherheitsverhältnisse und es ist nichts passiert. Unser Konzept war stimmig und ging auf. Außerdem herrschte unter den Läufern eine sehr gute Stimmung. Viele nahmen den Lauf sehr ernst, wie man an den sehr guten Zeiten sehen kann. Hier wird auf sehr hohem Niveau gelaufen. Schon jetzt steht fest, dass es nicht nur einen dritten Brückenlauf, sondern noch sehr viele Läufe über die F60 geben wird."

Noch kommen die meisten Starter aus Sachsen, Berlin und Brandenburg, doch mit Göran Bölke und Eugen Bomsdorf waren auch zwei Läufer aus Baden-Württemberg mit am Start.

Gerade einmal vier Minuten und zwei Sekunden benötigte der gebürtige Finsterwalder Andreas Pohle für die gesamte Distanz. Damit hat er sich den Sieg bei den Männern gesichert. Im letzten Jahr war er zwei Sekunden langsamer und musste nur dem Team-Triathlon-Weltmeister Franz Löschke den Vortritt lassen, der glatt vier Minuten gebraucht hatte und damit noch immer den Rekord hält. "Dieser Lauf ist so ungewöhnlich, so anspruchsvoll, hier ist nichts sicher und alles möglich. Da freut man sich am Ende doppelt über den Sieg", sagte Andreas Pohle.

Gut Lachen hatte auch Sophie Bormann, die für den LWV 05 Bali startete. Denn wie im Vorjahr war sie wieder die schnellste Frau auf der Brücke. Fünf Minuten und fünfunddreißig Sekunden reichten ihr für den Sieg bei den Damen. "Ja, ich wollte meinen Titel unbedingt verteidigen", gab sie zu. "Da war der Druck natürlich entsprechend hoch, denn es waren ja viel mehr Läufer in diesem Jahr dabei."

Doch die junge, sympathische Läuferin kann gelassen in die Zukunft schauen, denn die zweitschnellste Frau, Julia Strausz, aus Senftenberg, benötigte gut 40 Sekunden mehr.

"Alles in allem war das hier wieder eine ganz tolle Sache und ein ganz tolles Erlebnis. Im kommenden Jahr komme ich gern wieder", erklärte Sophie Bormann.