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Trutzburg schadet dem Schlossbereich

Nur hässlich oder auch nicht rechtens? Der auf dem Grundstück von Kerzen-Rösler vor dem Schloss Doberlug angehäufte Schrott ärgert nicht nur viele Einwohner von Doberlug-Kirchhain.
Nur hässlich oder auch nicht rechtens? Der auf dem Grundstück von Kerzen-Rösler vor dem Schloss Doberlug angehäufte Schrott ärgert nicht nur viele Einwohner von Doberlug-Kirchhain. FOTO: Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Für viel Diskussionsstoff sorgen von Kerzen-Rösler aus Protest angehäufter Schrott und Paletten. Auf seinem Grundstück direkt vor dem Haupteingang zum Schloss Doberlug widerspricht das aber dem Denkmalrecht, heißt es beim Landkreis. Heike Lehmann

Wolfgang Rösler will auf seinem Grundstück unmittelbar am historischen Areal einen bewirtschafteten Parkplatz und einen Stellplatz für Wohnwagen einrichten und betreiben. Während der ersten Brandenburgischen Landesausstellung, die 2014 in nur fünf Monaten an die 100 000 Besucher ins sanierte Schloss, die angrenzende Klosterkirche und zu den vielen hochkarätigen Veranstaltungen gelockt hat, hatte er diese Geschäftsidee kurzerhand beim Schopf gepackt und auf dem notdürftig hergerichteten Parkplatz alle Hände voll zu tun beim Abkassieren. Schon damals versuchte die Stadt, dies zu unterbinden, weil die Zufahrt Sicherheitsrisiken heraufbeschwor und mit viel Geld auch eigene Parkplätze geschaffen worden waren.

Rösler sieht sich sowohl von der Stadtverwaltung als auch dem Landkreis Elbe-Elster ausgebremst. Vor Jahren schon wurde die eigene Kerzenproduktion aus Altersgründen eingestellt. Bärbel Rösler betreibt nur noch einen kleinen Kerzenhandel - montags und donnerstags ist am Vormittag geöffnet. Rösler sagt: "Zur Anlieferung und für Reisebusse brauchen wir die zweite Grundstückseinfahrt." Die aber liegt unmittelbar vor dem Haupteingang zum Schlossgelände. "Das geht nicht", sagen deshalb die Stadt Doberlug-Kirchhain und die Kreisverwaltung unisono. Kreisdezernent Dirk Gebhard erläutert: "Röslers hatten vor ihrem Objekt schon immer einen kleinen Kundenparkplatz. Während der Landesausstellung durften sie befristet - ohne Baugenehmigung - einen gebührenpflichtigen Parkplatz auf ihrem Gelände betreiben. Das wurde geduldet. Nach der Landesausstellung haben Röslers einen neuen Antrag auf einen bewirtschafteten Parkplatz gestellt. Die Baugenehmigung ist erteilt - mit zwei entscheidenden Einschränkungen." Die sind aber genau die Knackpunkte. Gebhard weiter: "Die Zufahrt direkt vor der Schlosseinfahrt ist nicht genehmigungsfähig aus denkmalrechtlichen Gründen. Die andere, seitliche Zufahrt kann genutzt werden, aber ohne Schrankensystem wegen des möglichen Rückstaus." Dagegen habe Rösler wiederum Widerspruch eingelegt. Er beruft sich auf Bestandsschutz - "diese Zufahrt hat es schon immer gegeben", behauptet er. "Der Einspruch wurde zurückgewiesen", so der Dezernent. Eine Klage sei nicht erfolgt, "also ist die Baugenehmigung mit diesen Einschränkungen rechtskräftig", sagt Gebhard.

Wolfgang Rösler wurmt es, dass er auf diese Genehmigung zur Erweiterung ein Dreivierteljahr hat warten müssen. Er vermutet Willkür und Kungelei, um ihm zu schaden. Seine Form des öffentlichen Protestes wegen Behinderung des Gewerbes ist die angehäufte "Trutzburg" vor dem historisch wertvollen und wunderbar hergerichteten Renaissanceschloss inklusive öffentlich ausgehängter Protestschreiben, in denen er namentlich handelnde Personen benennt. Eine andere Wahl habe er nicht, denn "die reden ja nicht mit uns", sagt Wolfgang Rösler und meint insbesondere den Bürgermeister und die Stadtverordneten. Am 1. Dezember 2016 habe eine letzte Gesprächsrunde stattgefunden. "Damals habe ich wegen des unbefriedigenden Ausgangs schon Unansehnlichkeit angedroht", sagt Wolfgang Rösler heute.

Der unschöne Anblick, für den er mittlerweile gesorgt hat, stört viele Einwohner, die ihn schlicht als Schandfleck bezeichnen. Bei Gästen löst er nur Verwunderung aus. Für Außenstehende ist der Streit ohnehin nicht nachzuvollziehen. Schadensbegrenzung hatte die Stadtverwaltung im Vorfeld der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Museum Schloss Doberlug versucht und große Banner als Sichtschutz an davor aufgestellten Bauzäunen befestigt. Eine Maßnahme, die weithin begrüßt wurde.

Damit aber ist der Schandfleck nur notdürftig bedeckt und nicht verschwunden. Noch einmal Dirk Gebhard auf die Frage, ob man nichts dagegen unternehmen könne: "Auch wenn es sich hier um ein Privatgrundstück handelt, ist es ein denkmalrechtlicher Missstand. Der Denkmalschutzbereich wird beeinträchtigt. Ein ordnungsbehördliches Verfahren ist eröffnet. Dem folgte prompt ein böses Schreiben von Rösler mit Vorwürfen gegen den Landkreis und die Stadt."

Gebhard sieht zwei mögliche Wege: "Entweder eine Einigung auf gütlichem Weg oder ordnungsbehördliche Maßnahmen mit dem Ziel des Rückbaus der Schrottansammlung." Bürgermeister Bodo Broszinski sagt: "Die Stadt ist gesprächsbereit, aber die öffentlichen Schmähbriefe müssen weg." Für die kommende Woche kündigt Dirk Gebhard zunächst einen Gesprächstermin seinerseits mit Kerzen-Rösler an.

Um den ganzen Streit um den Platz vor den Toren des Schlosses noch besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf das Objekt selbst - die Baracke, wo einst die Kerzenmanufaktur betrieben wurde. Seit Jahren wollen Röslers das Objekt verkaufen. Auch die Stadt war interessiert, bis ein Abgeordneter mit Blick auf den Kaufpreis die Anregung gab, zu hinterfragen, was eigentlich Röslers bei ihrem Kauf in den 90er-Jahren an das Bundesvermögensamt gezahlt haben. Dieser Moment des Zögerns brachte die Preisspirale in Gang. Röslers besorgten sich ein Gutachten und verlangten plötzlich mehr als 60 000 Euro. 2015 tauchte das Objekt bei ebay für 79 000 Euro auf. Jetzt suchen die Eigentümer mithilfe der Sparkasse Elbe-Elster nach einem Käufer - für mittlerweile 143 000 Euro, wie Ende August in der LR zu lesen war.

Wolfgang Rösler vermutet auch hier böses Spiel. Er sagt: "Es gibt ja Interessenten, aber die Stadt blockiert und tritt nicht von ihrem Vorkaufsrecht zurück." Hierzu der Bürgermeister: "Das geht nicht so ohne Weiteres. Dazu müsste uns erst einmal ein notariell beglaubigter Kaufvertrag vorgelegt werden."