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| 15:45 Uhr

Glückliche Gewinnerin
Trotz Auf und Ab kein Trübsal

 Petra Taemmler aus Finsterwalde hat 1000 Euro beim LR Gewinnspiel Kreuz & Quer gewonnen.
Petra Taemmler aus Finsterwalde hat 1000 Euro beim LR Gewinnspiel Kreuz & Quer gewonnen. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Die 1000 Euro der LR kommen genau richtig zur Renovierung im Haus von Petra Taemmler. Von Heike Lehmann

Nein, sie sei keine Rätseltante, die jeden Morgen nach Sudoku und Kreuzworträtsel in der Zeitung greift. Obwohl sie seit 2017 Rentnerin ist und zu dieser Zielgruppe gehören könnte. „Ich habe einfach mal mitgemacht und schon hat’s geklappt“, freut sich Petra Taemmler aus Finsterwalde. Beim LR-Gewinnspiel „Kreuz & Quer“ hat sie 1000 Euro gewonnen. Als hätte ihr Glücksengel gewusst, dass sie das Geld gerade jetzt gut gebrauchen kann.

Petra Taemmler will in ihrem Haus, was ihr Elternhaus ist, einige Zimmer renovieren. „Die Türen will ich komplett austauschen, die sind seit 1974 drin. Auch Fußböden will ich erneuern“, sagt sie. Und die 63-Jährige wird wie immer vieles alleine machen. Ihr Mann ist vor Jahren gestorben. Vor fünf Jahren hat der Krebs ihr auch den Sohn genommen. Die Tochter lebt mit ihrer Familie im sächsischen Königstein. Für Trübsal und Langeweile ist aber im Leben von Petra Taemmler kein Platz. Hündin Betty, ein Terrier-Mix, bekommt und braucht ihre ganze Aufmerksamkeit. „Die habe ich mir aus dem Tierheim Langengrassau geholt. Und da ist noch viel Erziehung notwendig“, weiß sie. Einmal wöchentlich gehen Betty und Frauchen zur Hundeschule.

Petra Taemmler ist es gewohnt, sich auf neue Situationen einzustellen. Die gelernte Maschinen- und Anlagenmonteurin und studierte Ökonomin hat im Finsterwalder Schraubenwerk gearbeitet. „Zum Schluss war ich Leiterin der Lohnbuchhaltung und musste 1994 viele meiner Kollegen abwickeln. Das war keine schöne Zeit“, erinnert sie sich.

Vor ihrem Renteneintritt war sie einige Jahre bei der Böllhoff Produktion GmbH in Sonnewalde in der Arbeitsvorbereitung beschäftigt. „Und dazwischen habe ich Dachstühle konstruiert“, erzählt sie. „Das war eine große Herausforderung für mich, ich war ja keine 20 mehr. Aber es hat Spaß gemacht. Zwischen Berlin und Niesky stehen etliche Dachstühle von mir.“ Gern erinnert sie sich an das Richtfest beim Kalksandsteinwerk in Elsterwerda. Petra Taemmler war vier Jahre Außendienstmitarbeiterin bei einer sächsischen Firma. Ohne digitale Vernetzung, wie man sie heute kennt. „Ich bin noch mit einer Diskette nach Sachsen gefahren und dort hat eine Anlage zugeschnitten, was ich ihr befohlen habe“, beschreibt sie.

Zum Haus gehört ein 1600 Quadratmeter großes Grundstück. Da gibt’s immer was zu tun. Dort wachsen in der Saison Tomaten, Kohl und Kartoffeln für den Eigenbedarf. Ein Gewächshaus ist da, aber auch genug Platz zum Erholen und ein Pavillon. „Ich liege also nicht nur in der Furche“, versichert Petra Taemmler mit einem gelösten Lächeln. Im Sommer fährt sie viel mit dem Rad, sie geht in die Sauna und zum Rehasport. Das halte sie fit. Denn vor Jahren hat auch sie eine böse Diagnose bekommen. „Aber“ – sie klopft dreimal auf den Holztisch – „meine Ärztin hat es rechtzeitig erkannt.“

Aus der Terrasse am Haus hat sie vor Jahren einen Anbau gemacht – mit großen Fenstern, sodass sie das Grün davor sieht und auch die Vögel am Futterhäuschen beobachten kann. Das Verreisen sei nicht so ihr Ding, meint sie. „Ich war schon immer ein Heimwehkind, mal ein Tagesausflug oder am Wochenende zur Tochter und den drei Enkeltöchtern, das reicht.“

Petra Taemmler liest und strickt gern. Den Umgang mit Wolle und Stricknadeln bringt sie seit November einmal in der Woche Kindern in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Doberlug-Kirchhain bei. „Jeden Donnerstag bin ich da für ein bis zwei Stunden. Da wollen sogar Jungs mitmachen“, staunt sie. Dazu gekommen sei sie durch eine Bekannte. „Die Kinder freuen sich richtig, wenn ich zu ihnen komme. Einige von ihnen sprechen schon wunderbar deutsch.“

Gern lebt die Finsterwalderin in ihrer Heimatstadt. „Ich finde gut, dass das Freibad erhalten bleibt, die Schulen in Ordnung sind, es die Musikschule und die Schwimmhalle gibt. Das Zentrum hat Flair, auch wenn der Markt ein bisschen kahl wirkt. Was mich aufregt, ist, dass es Leute gibt, die vieles nicht zu schätzen wissen, ihren Dreck hinterlassen oder Dinge zerstören.“

Nein, sie sei kein Glückspilz, sagt Petra Taemmler. Dass sie noch nie gewonnen habe, stimmt aber auch nicht. „Wir haben mal spontan den Lotto-Schein, der der LR beigelegen hat, ausgefüllt und 8,50 Euro gewonnen.“

Den symbolischen Scheck über den 1000 Euro-Gewinn will sie unbedingt behalten. Denn: „Jetzt, wo ich den habe, glaube ich es wirklich.“