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| 12:11 Uhr

LR vor Ort
Tröbitzer kämpfen um das Erlebnisbad

Bei „LR vor Ort“ in Tröbitz wurde hitzig über das Erlebnisbad diskutiert, das den versammelten Einwohnern sowie dem Bürgermeister und Amtsdirekor zusehends Kopfzerbrechen bereitet.
Bei „LR vor Ort“ in Tröbitz wurde hitzig über das Erlebnisbad diskutiert, das den versammelten Einwohnern sowie dem Bürgermeister und Amtsdirekor zusehends Kopfzerbrechen bereitet. FOTO: LR / Josephine Japke
Tröbitz. Finanzielle Sorgen, Ungleichbehandlung weiterer Einrichtungen und fehlende Hilfe von Nachbarn sind Streitpunkte. Von Josephine Japke

In Tröbitz ist das Leben noch schön. Es gibt eine Schule, Vereine, ein gut laufendes Gewerbegebiet und eine eingeschworene Einwohnerschaft, die auch mal selbst anpackt, um das eine oder andere Manko aus der Welt zu schaffen. Und es gibt das heißgeliebte Erlebnisbad, dessen Finanzierung wie ein Damoklesschwert über dem Dorf hängt. „Fakt ist, dass eine Gemeinde mit 700 Einwohnern sich das Bad eigentlich nicht leisten kann“, bringt Andreas Dommaschk, Amtsdirektor vom Amt Elsterland, das Problem am Donnerstagabend bei „LR vor Ort“ auf den Punkt.

Das Tröbitzer Erlebnisbad hat einen jährlichen Zuschussbedarf von etwa 30 000 Euro. Eine Summe, die die Gemeinde bisher alleine stemmt. Nur etwa 30 Prozent der Kosten werden durch Eintrittsgelder gedeckt. „Jeder Gast wird mit fünf bis zehn Euro bezuschusst. Um kostendeckend zu arbeiten, müssten wir eigentlich um die zwölf Euro Eintritt erheben, aber das will ja auch keiner“, erklärt Andreas Dommaschk.

Dass das Bad überhaupt noch betrieben werden kann, liegt an Gemeindearbeitern und den Schwimmmeistern. Sie kümmern sich neben ihren täglichen Aufgaben auch um Mäharbeiten, die Sporthalle, den jüdischen Friedhof und um die Instandhaltung des Erlebnisbades. „Das kann so nicht sein. Die ganze Arbeit kann nicht auf Freiwillige geschoben werden. Wir fühlen uns mit der Last allein gelassen“, sagt Bürgermeister Holger Gantke.

Das Bad zu schließen, sei keine Alternative. Gerade in diesem Jahr hat es den hitzegeplagten Besuchern gute Dienste erwiesen. „Die Saison lief außergewöhnlich gut. Erfolgreicher war nur der Rekordsommer 2013“, sagt Holger Gantke und liest ein paar Zahlen vor: Etwa 15 000 Gäste besuchten das Erlebnisbad, 72 Kinder lernten dort das Schwimmen. Eine Frage in die Runde der etwa 20 Gäste zeigt, dass beinahe alle von ihnen in diesem Jahr ebenfalls im Erlebnisbad waren.

Vor allem Ortswehrführer Marian Aust (3. v. l.) hatte einiges zu der Diskussion um die Finanzierung des Schwimmbades beizutragen.
Vor allem Ortswehrführer Marian Aust (3. v. l.) hatte einiges zu der Diskussion um die Finanzierung des Schwimmbades beizutragen. FOTO: LR / Josephine Japke

Auch Schulen und Kitas kamen in diesem Jahr gerne zu Besuch, allen voran aus Tröbitz und Wahrenbrück. Nur eine Schule nahm den Weg ins Erlebnisbad für den Geschmack des Bürgermeisters und der anwesenden Tröbitzer zu selten auf sich: die Grundschule Rückersdorf. Und das stellte sich im Laufe des Abends als des Pudels Kern heraus. Denn als einzige staatliche Grundschule des Amtes Elsterland erhalte die Schule Millionen, gebe aber nichts zurück, so die gängige Meinung. Nicht einmal die geringen Eintrittsgelder ins Erlebnisbad Tröbitz, die so dringend für die Unterhaltung dessen gebraucht werden.

„Es ist ärgerlich, dass sie nur einmal da waren. Das werde ich im Amtsausschuss ansprechen, denn das kann nicht sein“, sagt Bürgermeister Holger Gantke und erntet zustimmendes Nicken der Anwesenden. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt, dass er im Amtsausschuss gegen weitere Maßnahmen für die Schule in Rückersdorf stimmen will.

Vor allem Ortswehrführer Marian Aust ist die anhaltende Debatte um die Finanzierung des Bades und das Hängenlassen der Rückersdorfer ein Dorn im Auge. „Eigentliche Aufgaben bleiben liegen, zum Beispiel das nicht sanierte Gerätehaus der Feuerwehr. Die Gemeinde unterstützt uns kaum, weil fast alle Gelder ins Bad fließen. Mittlerweile greifen Kameraden schon in die eigene Tasche, um die Feuerwehr am Laufen zu halten. Gleichzeitig fließt das Geld durch die Amtsumlage, die wir alle zahlen, weiter nach Rückersdorf und die helfen uns gar nicht“, macht er seinem Frust Luft und erntet dafür Applaus.

Auf die schwierige Situation, in der sich Tröbitz befindet, macht die stellvertretende Bürgermeisterin Karla Fornoville aufmerksam und sagt: „Es ist schlimm, dass das Bad und die Feuerwehr immer wieder gegeneinander ausgespielt werden müssen, weil häufig nur Geld für eine Einrichtung da ist.“ Kosten entstünden an jeder Ecke, egal ob bei der Feuerwehr, im Erlebnisbad oder auf sanierungsbedürftigen Straßen und Wegen. „Aber unsere kleine Gemeinde steht damit größtenteils alleine da“, sagt sie.

Auch Amtsdirektor Andreas Dommaschk erkennt das Problem mit Rückersdorf an. „Die Gespräche mit der Grundschule über den Schwimmunterricht finden in den kommenden Wochen statt und es ist eine Lösung in Aussicht“, verspricht er. Darüber, ob die Rückersdorfer Grundschüler das Schwimmen in Finsterwalde oder Doberlug-Kirchhain erlernen, herrschte Uneinigkeit. Auf Nachfragen der RUNDSCHAU wollten am Freitag weder die Rückersdorfer Schulleiterin Corinna Langer noch das Amt Elsterland dazu Stellung beziehen.

Zwar erschien die angespannte finanzielle Lage rund um das Schwimmbad tragisch an diesem Abend. Aufgeben wollen die Tröbitzer ihre Attraktion dennoch nicht. „Wir brauchen das Bad für eine gesunde Infrastruktur, die das Leben in Tröbitz attraktiv macht und die Menschen hier hält“, macht Karla Fornoville klar. Umso nötiger werden Finanzierungsalternativen benötigt, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen.

Ein paar Ideen warf Amtsdirektor Andreas Dommaschk in den Raum. „Man könnte das Bad dem Amt übertragen, dafür sehe ich aber keine Mehrheit“, sagt er und nennt weitere Alternativen: Könnten Gemeinden, von denen die meisten Besucher das Bad benutzen, Zuschüsse geben? Könnten die benachbarten Wohnwagenstellplätze und die Liegewiese mehr in die Finanzierung eingebunden werden? Könnte ein größerer Zuschuss für Tröbitz im Haushaltsplan eingerechnet werden? „Über all das muss man diskutieren. Fördermittel in Millionenhöhe vom Land sind unterwegs“, macht der Amtsdirektor klar. Bis dahin müsse man sich selber helfen, „denn sonst hilft uns niemand.“


Ein Kamerateam vom ZDF war auch vor Ort und begleitete die stellvertretende Bürgermeisterin Karla Fornoville, die als „Rückkehrerin“ in einer ZDF-Reportage eine Rolle spielen wird.
Ein Kamerateam vom ZDF war auch vor Ort und begleitete die stellvertretende Bürgermeisterin Karla Fornoville, die als „Rückkehrerin“ in einer ZDF-Reportage eine Rolle spielen wird. FOTO: LR / Josephine Japke