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| 02:38 Uhr

Tröbitz steht auch für große Zuversicht

Lore Robison (M.) ist eigens aus London angereist. Ihre Mutter hat den Transport nicht überlebt und liegt in Tröbitz begraben.
Lore Robison (M.) ist eigens aus London angereist. Ihre Mutter hat den Transport nicht überlebt und liegt in Tröbitz begraben. FOTO: Rico Meißner/rmr1
Tröbitz. "Es gibt für uns keine größere Verpflichtung als das Erinnern." Dieser Satz ist Teil der Ansprache, die Farjon Israel von der israelischen Botschaft am Montag mitten im Wald bei Tröbitz vor dem Gedenkstein am Bahnkilometer 101,6 hält. Rico Meißner / rmr1

Anlässlich des Gedenkens an den so genannten "Verlorenen Transport" sind am Montagvormittag neben zahlreichen Vertretern von Kommunal- und Landespolitik auch Gäste aus dem In- und Ausland zur Kranzniederlegung erschienen. Etwa die niederländische Autorin Saskia Goldschmidt, deren Vater zu den Überlebenden zählte. Mit Lore Robison war auch die Tochter eines der in Tröbitz begrabenen Opfer aus London angereist.

Vor der Stelle, an der sechzehn jüdische Opfer des Transportes begraben liegen, erinnerten die Teilnehmer der Veranstaltung an jenes grausige Geschehen vor 72 Jahren. An jenen Zug, der mit etwa 2500 Insassen des Konzentrationslagers Bergen-Belsen auf dem Weg in das Vernichtungslager Theresienstadt hier zwischen Langennaundorf und Tröbitz zum Stehen kam. 558 Häftlinge starben während der Fahrt oder nach der Befreiung an den Folgen von Krankheit und Erschöpfung.

Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus (parteilos) verlas die Namen jener hier Bestatteten und forderte dazu auf: "Vergesst sie nicht!" Gleichzeitig mahnte er in seiner Ansprache vor dem Vormarsch der Rechtspopulisten in Europa. "Aber Angst ist ein schlechter Begleiter", so Claus. "Sorgen wir gemeinsam dafür, dass den geistigen Brandstiftern das Handwerk gelegt wird, indem wir selbst Flagge zeigen und uns abheben von der schweigenden Masse." Letztlich sei die europäische Einigung auch ein Grund für 72 Jahre Frieden in Europa.

"Dies ist ein internationaler Ort mitten in Deutschland, wo wir uns hier befinden", sagte Dr. Peter Fischer, Vertreter des Zentralrates der Juden, in seiner Ansprache. Angesichts der Geschichtsaufarbeitung und Erinnerungskultur strahle er für ihn "als hier lebenden Juden eine gewisse Zuversicht aus". Die Rührung war ihm dabei anzumerken. "Ich bin ihnen sehr, sehr dankbar."

"Es gibt wenige Geschichten aus dem Holocaust, in denen wir auch von Überlebenden sprechen können", meinte Farjon Israel nachdenklich. "In Israel kennt jeder die Geschichte des ‚Verlorenen Transportes' aus der Schule. Tröbitz wird darin immer als Ort der Befreiung empfunden. Deshalb ist es mir eine große Ehre, hier zu sein." Das, was an diesem Montag an der Gedenkstätte bei Tröbitz geschieht, solle ein Modell für ganz Deutschland sein. "Indem wir die Opfer hier und heute ehren, geben wir ihnen ihre Würde wieder zurück", sagte sie abschließend.

Nach einer Schweigeminute und der Kranzniederlegung machte sich die Gruppe auf den Weg nach Tröbitz, wo in der Evangelischen Grundschule eine Ausstellung zum "Verlorenen Transport" besichtigt wurde.

Auch die Initiative "Zug des Lebens und der Hoffnung" hat am Sonntag mit einer Wanderung an den "Verlorenen Transport" erinnert. Die Initiative ist eine lose Gruppe aus Christen verschiedener Gemeinden. Am Gedenkstein haben die Wanderer einige Worte der Besinnung gehört.
Auch die Initiative "Zug des Lebens und der Hoffnung" hat am Sonntag mit einer Wanderung an den "Verlorenen Transport" erinnert. Die Initiative ist eine lose Gruppe aus Christen verschiedener Gemeinden. Am Gedenkstein haben die Wanderer einige Worte der Besinnung gehört. FOTO: rmr1