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| 18:21 Uhr

Töpferei-Handwerk aus Crinitz
135 Jahre und sechs Generationen Tradition

FOTO: LR / Daniel Roßbach
Crinitz. Gleich zwei traditionsreiche Betriebe führt die Familie Schulze aus Crinitz. Ihre Töpferei wurde gerade 135 Jahre alt - und stirbt noch lange nicht aus. Von Daniel Roßbach

Dass Familienbetriebe keine Nachfolger finden, und deshalb nicht weitergeführt werden können, ist eine leider bekannte Geschichte. Eine Crinitzer Familie liefert dazu aber nicht nur ein, sondern gleich zwei Gegenbeispiele. Denn während Vater und Sohn eine Tischlerei betreiben, erlebte die von Annett Schulze und ihrem Sohn Jörg geführte Töpferei aus dem für dieses Handwerk berühmten Ort gerade ihr 135-jähriges Jubiläum.

Stolz auf Familientradition

Beide sind sichtlich stolz auf ihren Betrieb, die Familientradition und insbesondere den fast achtzig Jahre alten Ofen. Aber auch darauf, dass der Bertrieb sich weiter entwickelt, wie die gerade – weitgehend in Eigenregie – fertig gestellte neue Lager- und Verkaufshalle bezeugt.

Das komplexe handwerkliche Rüstzeug des Töpferns wird in der Familie Schulze in der inzwischen sechsten Generation weitergegeben. Und das ein Leben lang: „Das erste Mal war ich mit drei Jahren in der Werkstatt“, sagt Jörg Schulze. „Mit sechs, sieben Jahren hat er die ersten, kleinen Sachen gedreht“, ergänz seine Mutter. Annett Schulzes Vater, der den Betrieb mehr als sieben Jahrzehnte Jahre lang geführt hat, war andererseits auch mit über 80 Jahren noch an jedem Tag in der Töpfer-Werkstatt.

FOTO: LR / Daniel Roßbach

Kein sterbender Beruf

Anders als seine Mutter trägt Jörg Schulze aber noch keinen Meistertitel - vor allem, weil es keine Gelegenheit gibt, Kurse und Prüfungen dazu abzulegen: "Bei der Handwerkskammer in Cottbus gibt es dazu keine Chance", sagt Schulze, der in dieser Woche 27 Jahre alt wird. Und bei der in Dresden habe man ihm gesagt: "Wozu sollen wir Meister in einem sterbenden Beruf ausbilden?"

Das sehen die Schulzes natürlich anders. Im Gegenteil, sie würden gern Lehrlinge ausbilden, wenn sich Bewerber finden. Die Qualifikation dazu hat auch Jörg Schulze schon inne. Jörg Schulze spricht darüber in der neuen Halle, die er selbst entworfen hat und bei der nur Fundament und Dachverkleidung externen Firmen überlassen wurden. Die Bauarbeiten brachten immer wieder auch altes Steinzeug zu Tage – das sichtbare Erbe der vier vorangegangenen Generationen.

So alte wie akutelle Geräte

Dieses Erbe besteht jedoch vor allem im Herzstück der Töpferei, dem 60 Kubikmeter großen Brennofen, der 1940 gebaut wurde. Befeuert wird der seit 1992 mit Öl statt Kohle. Und mit Holz, das durch seitliche Schächte in den Ofen geworfen wird, und dessen Partikel die Muster in den handgebrannten Keramiken erzeugen, wenn die Flammen sie umgeben. Etwa zweimal im Jahr sind genug Stücke fertig, gebrannt zu werden, um den Ofen zu füllen.

FOTO: LR / Daniel Roßbach

Um den Ofen herum stehen kleine, weiße, in Ton eingefasste Plättchen. Manche von ihnen sind angeschmolzen, andere nicht - auf ihnen ist noch zu sehen, dass sie mit Ziffern markiert sind. "Das sind Segerkegel", erklärt Töpfermeisterin Annett Schulze: "Die sind da, um die Temperatur im Ofen zu kontrollieren. Es gibt natürlich auch Thermometer, aber wir verlassen uns lieber auf sie." Im zugemauerten Ofen gibt es dann einen Lochstein, den man herausnehmen kann, um die Kegel zu beobachten. Das Gelingen der Stücke kommt auf genaue Kontrolle der Bedingungen an: „Zu wenig Temperatur, und die Oberfläche wird zu matt; zu viel, und die Glasur kocht auf und wirft Blasen.

Aus der lebendigen Tradition des Bertriebes ergeben sich aber auch besondere Herausforderungen. „Für viele der Geräte, die bei uns zum Einsatz kommen, gibt es gar keine Mechaniker mehr. Die sind zwar technisch auf einem guten Stand, aber einfach etwas in die Jahre gekommen“, sagt Jörg Schulze. Da bleibt nichts, als sie selbst gut genug zu kennen, um sie reparieren und instand halten zu können.