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| 19:15 Uhr

Buchlesung in Finsterwalde
Der 17. Juni  und seine Vorgeschichte                                                                      

 Titus Müller während seiner Buchpräsentation vor etwa 60 Gästen in der Buchhandlung Mayer in Finsterwalde.
Titus Müller während seiner Buchpräsentation vor etwa 60 Gästen in der Buchhandlung Mayer in Finsterwalde. FOTO: LR / Jürgen Weser
Finsterwalde. Titus Müller stellte in der Buchhandlung Mayer seinen Roman über den 17. Juni vor und meint: „Solche Aufstände fangen nicht politisch an.“                         Von Jürgen Weser

„Der Tag X“ meint den Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR. Der 1977 in Leipzig geborene und in Berlin aufgewachsene Geschichtswissenschaftler, Publizist und Romanautor Titus Müller, der jetzt mit seiner Familie zwischen Isar und Inn lebt, hat daraus einen 400 Seiten dicken, historischen Roman gemacht. Den stellte er in der Buchhandlung Mayer in Finsterwalde etwa sechzig Zuhörern vor.                                                                                                            Titus Müller hat sich mit seinen bisherigen historischen Romanen vom Mittelalter über den Untergang der Titanic bis in die Anfangsjahre der DDR vorgearbeitet. Die Romanhandlung riss er mit wenigen Leseanschnitten kurz an und machte deutlich, dass er die Historie des 17. Juni weiter gefasst habe.

So beginnt der Roman 1946. Die Protagonistin Nelly Findeisen muss mit 13 Jahren erleben, wie ihr Vater 1946 gegen seinen Willen als Wissenschaftler nach Russland verbracht wird. Sechs Jahre später wird sie vor dem Abi von der Schule geworfen, weil sie sich nicht von ihrem Engagement in der Jungen Gemeinde distanziert. Damit ist es nicht genug, erfahren die Zuhörer andeutungsweise. Der junge Uhrmacher Wolf, Sohn des SED-Kreissekretärs, interessiert sich für Nelly wie der russische Offizier Ilja (man ahnt die Konfliktschienen). Die vielfältigen Verwicklungen, in die auch DDR-Obrigkeit und Stalin eingebunden werden, solle man sich bis hin zum Spionagetriller erlesen, so Titus Müller.                                                                                                                                                   „Es war für mich sehr bewegend, das alles zu erforschen“, betont er seine Recherchearbeit. Mit Bezug auf 1953 ist er sicher, „dass solche Aufstände nicht politisch beginnen, sondern den Lebensverhältnissen geschuldet sind“. Umfangreich erklärte der Autor in Finsterwalde seine Sicht auf die Situation Anfang der 50er-Jahre in der DDR und auf seine Schulzeit in den 80ern als Pastorensohn.

Mit den fiktiven Figuren ist „Der Tag X“ natürlich ein Roman, aber „es könnte auch ein Sachbuch sein“, verwies Müller auf den Spagat, den er beim Schreiben vollzogen hat. Er hat mit seinem Buch ein neues Thema in die bisher vielfältigen Leseabende der Buchhandlung Mayer eingebracht. Um ein Urteil über den 2017 erschienenen Roman abgeben zu können, sollte er gelesen werden. Dazu wollte Titus Müller, der 2014 in die Schriftstellerorganisation P.E.N. aufgenommen wurde, motivieren.                                                                                                        

 Titus Müller während seiner Buchpräsentation vor etwa 60 Gästen in der Buchhandlung Mayer in Finsterwalde.
Titus Müller während seiner Buchpräsentation vor etwa 60 Gästen in der Buchhandlung Mayer in Finsterwalde. FOTO: LR / Jürgen Weser