Von Heike Lehmann

Frank Neczkiewicz und seine Mitarbeiter wollen, dass es ihren Kühen gut geht. Deshalb werden die Ställe in der Milchviehanlage Finsterwalde in den nächsten drei Jahren umgebaut, um den Rindern mehr Komfort zu bieten. In einem derzeit leer gezogenen Stall hat der Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Finsterwalde am Dienstag Vertreter vom Bauernverband Südbrandenburg, Berufskollegen und Vertreter der Politik ein „Baustellenfrühstück“ serviert. „Das ist im Moment der kühlste Platz, den wir bieten können“, erklärt er. Ein leichter Luftzug weht einem um die Nase. Dass es dabei naturgemäß auch nach Stall riecht, nehmen alle in Kauf.

Der Betrieb rekonstruiere aus eigener Kraft, erklärt Neczkiewicz. Denn: „Es bleibt ein alter Stall, der als ,nicht besonders tiergerecht’ gilt und deshalb keine Prämienförderung möglich ist.“ Und die Basisförderung für alte Stallanlagen wurde vor zwei Jahren gestrichen. „Grund war der Druck gegen Massentierhaltung“, erinnert Carmen Lorenz, Geschäftsführerin vom Bauernverband.

Derzeit hat die Landwirtschafts GmbH Finsterwalde 534 Milchkühe. Mit der Mutter-Kuh-Agrar GmbH Lugau sind es 1256 Rinder. Seit 2018 sind die Finsterwalder einer von zwölf Testherdenbetrieben mit genauester Datenerfassung und wissenschaftlicher Auswertung.

Etwa fünf Millionen Liter Milch pro Jahr werden an die Heinrichsthaler Milchwerke geliefert. „Das sind knapp 14 000 Liter pro Tag. Damit sind wir voll ausgelastet“, sagt der Chef. Die Vollkosten für einen Liter Milch betragen 40 Cent. „Fünf bis sechs Cent mehr als Molkereien zahlen“, so Neczkiewicz. Das habe nicht zuletzt Auswirkungen auf das Lohnniveau der Angestellten.

Bei der seit Tagen anhaltenden Hitze kommen die Bauern am Dürrethema nicht vorbei. „Ich wusste im Herbst nicht, wie unsere Tiere über den Winter kommen sollten“, erinnert sich Neczkiewicz. Die Dürrehilfe – 23 Prozent der Ausfälle wurden gefördert, im Juli werde es vermutlich noch einmal einen Nachschlag geben, sagt Carmen Lorenz – hielt die Betriebe über Wasser. Im Moment blicke man optimistisch auf die Ernte. „Vor drei Wochen sah das noch anders aus“, sagt Thomas Goebel, Bauernverbandsvorsitzender. Doch 2019 sei zwar warm, aber nicht so trocken. Um die aufgebrauchten Futterreserven aufzufüllen, hat die Landwirtschafts GmbH in diesem Jahr mehr Mais und deutlich weniger Getreide angebaut als sonst. „Aktuell sind wir jetzt beim zweiten Grünschnitt. Damit hätten wir jetzt schon die Grundversorgung für unsere Tierproduktion gesichert“, atmet Neczkiewicz auf. Voriges Jahr um diese Zeit habe man das Drama erst einmal begriffen.

Kampf gegen Ambrosia, Blühstreifen-Richtlinie, Aktionsplan Kupierverzicht bei Schweinen, Flächenverkäufe und Ausgleichszulage für landwirtschaftliche Unternehmen in benachteiligten Gebieten sind weitere Themen, die den Bauern derzeit mehr oder weniger große Sorgen bereiten.