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| 15:35 Uhr

Debatte im städtischen Ausschuss
Sind 4 Euro Eintritt zu viel für den Tierpark Finsterwalde?

 Etwas mehr als drei Monate alt: der neugierige Eselnachwuchs Lotte, während die Mama Emma im Hintergrund mit Tierpflegerin Joana Klein schmust. Der beliebte Treffpunkt in der Bürgerheide wird von Jahr zu Jahr schöner. Das kostet Geld.
Etwas mehr als drei Monate alt: der neugierige Eselnachwuchs Lotte, während die Mama Emma im Hintergrund mit Tierpflegerin Joana Klein schmust. Der beliebte Treffpunkt in der Bürgerheide wird von Jahr zu Jahr schöner. Das kostet Geld. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Der Eintrittspreis für den Tierpark Finsterwalde soll verdoppelt werden. Für die einen ist das zu happig, die anderen wollen den Tierpark nicht verscherbeln. Die Stadtverordnetenversammlung muss jetzt entscheiden. Von Dieter Babbe

Die Sängerstadt leistet sich seit 1970 einen Tierpark – mit 250 Tieren in über 55 Arten und Rassen der größte im Landkreis Elbe-Elster, im Vergleich zu anderen eher ein mittelgroßer Tierpark. Vor allem in den letzten Jahren ist auf dem etwa 7,5 Hektar großen Areal in der Bürgerheide sehr viel gebaut und für deutlich mehr Attraktivität gesorgt worden. Fast 30000 Finsterwalder und Gäste aus der Region und sogar von weiter her im Umkreis von 50 bis 100 Kilometer (etwa ein Drittel) belohnen das jährlich mit ihrem Besuch, vor allem viele Kinder kommen gern hierher, begleitet von Eltern und Großeltern. Für die Erwachsenen soll jetzt erstmals nach zwölf Jahren der Eintrittspreis erhöht werden. Nach Hinweisen von Besuchern, wie im Schloss betont wird, die erstaunt über die niedrigen Eintrittspreise seien.

Verdoppelung des Eintrittspreises für Finsterwalder Tierpark nicht angemessen

Für den Antrag der Stadtverwaltung gibt es – angesichts gestiegener Personal-, Energie- und anderer Kosten – unter den gewählten Vertretern im Schloss offensichtlich grundsätzlich breite Zustimmung für eine Preiserhöhung, wie in der ersten Debatte im städtischen Ausschuss für Bildung, Soziales, Sport, Kultur (BSSK) in dieser Woche deutlich wurde. Aber eine Verdoppelung von zwei auf vier Euro, wie von der Verwaltung vorgesehen, ist einigen Vertretern zu happig. „Vier Euro ist für Viele viel Geld“, argumentiert Andrea Eule, Stadtverordnete in der neuen Fraktion „Unabhängige Bürger Finsterwalde“ (UBF). Diese Bedenken hat auch Stephan Pursch, von den Linken als sachkundiger Bürger in den Ausschuss geschickt. Man müsse bedenken: Finsterwalde sei Niedriglohngebiet. Auch Edelgard Knispel, langjährige Abgeordnete und Mitglied der Fraktion „Bürger für Finsterwalde“ (BfF), hält eine Verdoppelung des Eintrittspreises für nicht angemessen – „zumal der Tierpark auch dann nicht kostendeckend arbeiten würde“.

Tierpark Finsterwalde soll nicht verscherbelt werden

Ein Tierpark arbeite nie kostendeckend, ihn zu unterhalten sei eine freiwillige Aufgabe der Stadt, erklärte Tierparkleiter Torsten Heitmann in der Debatte. Er räumt ein: „Wenn man beim Eintrittspreis von Verdopplung spricht, hört sich das schlimm an. Aber wir reden von vier Euro für Erwachsene.“ Für Kinder bleibe der Eintritt unverändert bei einem Euro, verweist die Stadtverordnete Beate Seidel-Schadock von der CDU-Fraktion und unterstützt den Antrag. Der Tierpark sei seit DDR-Zeiten nicht wiederzuerkennen, erklärte Joachim Erbe, sachkundiger Bürger von der CDU. Das würdige auch immer wieder seine Tochter, die in den alten Bundesländern lebe, bei ihren Besuchen in Finsterwalde. Das Team um Torsten Heitmann und der Förderverein leisteten „eine tolle Arbeit“. Der Tierpark sei ein „kleines Juwel, das man nicht verscherbeln“ sollte. Es sei an der Zeit, die Preise zu ändern. Kritik übte Erbe am „Störfeuer“, das andere Fraktionen bei Facebook mit Unwahrheiten verbreiten würden.

Stadtverordnetenversammlung stimmt über Preiserhöhung ab

Die Abstimmung über den Antrag der Stadtverwaltung zur Erhöhung der Eintrittspreise im Tierpark am 28. August in der Stadtverordnetenversammlung könnte spannend werden. Im BSSK-Ausschuss stimmten jedenfalls lediglich vier von sieben Stadtverordneten für den Antrag, drei sind dagegen. Findet der Beschlussvorschlag am Ende eine Mehrheit, erhöhte sich auch der Eintritt für Ermäßigte (von 1,50 auf 3 Euro), die Jahreskarte für Erwachsene (von 20 auf 40 Euro), die Jahreskarte für Ermäßigte (von 15 auf 20 Euro) und die Jahreskarte für Kinder ab dem vollendeten 4. Lebensjahr (von 10 auf 15 Euro). Damit würden sich – bei gleichbleibenden Besucherzahlen – die jährlichen Einnahmen durch Eintrittsgelder von jetzt 54000 Euro auf etwa 92000 Euro erhöhen. Zum Vergleich: Im vorigen Jahr hat sich die Stadt den Tierpark 390000 Euro kosten lassen, mit Investitionen waren es schon 609000 Euro.

Eintrittspreise anderer Tierparks (Tagespreis)

  • Tierpark Cottbus 8 Euro
  • Tierpark Senftenberg 2,50 Euro
  • Zoo Hoyerswerda 8 Euro
  • Tierpark Herzberg frei
  • Zoo Dresden 13 Euro
  • Zoo Berlin 15,50 Euro
  • Tierpark Berlin 14,50 Euro
  • Zoo Leipzig 21 Euro