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Tausende Fotos dokumentieren DDR-Handel

Klaus-Dieter Umlauf, Kurt Neufeld und Marianne Wagenschwanz (v.l.) beim zweiten HO-Treffen in Finsterwalde.
Klaus-Dieter Umlauf, Kurt Neufeld und Marianne Wagenschwanz (v.l.) beim zweiten HO-Treffen in Finsterwalde. FOTO: top1
Finsterwalde. Gut 1000 Mitarbeiter zählte die Handelsorganisation (HO) bis zur Wende und war damit der Platzhirsch im Altkreis, wenn es um Fragen des Handels ging. Gehandelt wurde mit allem, was die Planwirtschaft hergab. Torsten Pötzsch/top1

Die drei Hauptstandbeine waren Lebensmittel, Industriewaren und Gastronomie. Hinzu kam noch eine eigene Lehrlingsausbildung. Dem Druck der Marktwirtschaft hielt so ein Unternehmen nicht lange stand und so wurde die HO sehr schnell abgewickelt. Doch der Geist der Kollektive lebte weiter und so ganz verloren sich die Mitarbeiter nie aus den Augen.

Vor drei Jahren gab es ein erstes freies Treffen ehemaliger HO-Mitarbeiter. In die Hand versprach man sich, so etwas unbedingt zu wiederholen. Am vergangenen Samstag war es so weit. Der große Saal der "Erholung" war festlich eingedeckt. Doch es kamen nicht einmal 30 Gäste. Entsprechend groß war die Enttäuschung im Organisationsteam rund um Marianne Wagenschwanz, Klaus-Dieter Umlauf und dem ehemaligen HO-Chef Günter Behla. Nach eigenen Aussagen hat sich Marianne Wagenschwanz "die Finger wund telefoniert". Viele wurden persönlich eingeladen.

Dabei wartete der ehemalige Direktor der Betriebsakademie, Kurt Neufeld, ein "Urgestein" der HO, mit einem besonderen Schätzchen auf. "Im Deutschen Haus, unserem Hauptsitz, landeten damals säckeweise Dokumente einfach im Müllcontainer, darunter Tausende Fotos. Ich habe sie da wieder rausgeholt. Das sind doch Zeitdokumente, die kann man nicht so einfach entsorgen, wie den Rest", erklärte der Betriebsakademieleiter. Auch für ihn, der von 1956 bis 1990 in der HO tätig war, meist in leitender Position, waren diese Bilder ein großer Teil seiner Biografie.

Die Fotos machten unter den wenigen Gästen den ganzen Abend über die Runde und sorgten für viel Gesprächsstoff. Ein genauer Blick lohnte sich wirklich. Die wenigsten Bilder waren "linientreu". Eher im Gegenteil. Es machte sich ein Fenster auf, wer, wie und wo vor 1990 "gehandelt" hat. Zu sehen waren Ladengeschäfte, Dekorationen, Waren und immer wieder Menschen bei der Arbeit. Tausende Bilder, so Kurt Neufeld, hätte er "gerettet". Noch längst sind nicht alle gesichtet und sortiert. Sein Enkel hilft ihm gerade, ein System in den riesigen Fundus zu bekommen.

Ob es ein drittes Treffen geben wird, darüber wollten die Organisatoren nicht einmal spekulieren. Und was mit dem "Bilderschatz" passieren wird, steht in den Sternen. Auf alle Fälle sind sie es wert, erhalten zu bleiben.