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| 20:25 Uhr

Tag der Städtebauförderung
Bauten der Moderne – in der Sängerstadt stehen viele Schätze

 Auch der historische Max-Taut-Schulort, heute eher als Sängerstadt-Gymnasium bekannt, war Ziel der Tour.
Auch der historische Max-Taut-Schulort, heute eher als Sängerstadt-Gymnasium bekannt, war Ziel der Tour. FOTO: Silvia Dedek
Finsterwalde. Manch ein Teilnehmer entdeckt beim geführten Tag der Städtebauförderung in seiner Heimatstadt Schmuckstücke, an denen er bislang eher unachtsam vorübergegangen ist. Von Silvia Dedek

Der Tag der Städtebauförderung ist eine bundesweite Veranstaltung, die 2015 initiiert wurde, um die Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung zu fördern und zu stärken. Bund, Länder und Kommunen unterstützen dieses Unternehmen gemeinsam mit dem Ziel, möglichst viele Städte und Gemeinden für diesen Tag zu gewinnen. Am 11. Mai 2019 nahmen 550 Gemeinden an diesem Projekttag mit unterschiedlichsten Veranstaltungen teil. Eine von ihnen war Finsterwalde.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten sich unter Führung des Architekturjournalisten Marcus Kurth einen Eindruck davon verschaffen, wie viele interessante „Gebäude der Moderne“ die Sängerstadt zu bieten hat. Kurth spricht dabei ungern vom sogenannten „Bauhaus“, da sich nach dem ersten Weltkrieg in ganz Europa eine Moderne entwickelt habe, die durch neue Sachlichkeit und neues Bauen geprägt sei.

Er zeigte auf seiner Tour durch Finsterwalde folglich auch völlig verschiedene Arten von Gebäuden der Moderne. Die Spannbreite reichte dabei von Industriebauten wie dem Kjellberg-Bau, über Wohnungsgebäude, wie den Häusern der GEWOBA von Willi Ludewig an der Friedenstraße, bis hin zu funktionalen Gebäuden, wie dem Ensemble des heutigen Sängerstadt-Gymnasiums von Max Taut, welches ursprünglich Knabenschule und Kinderheim war.

Dabei präsentierte Kurth abwechslungsreich und unterhaltsam interessante Anekdoten und vermittelte Wissen über die Gebäude, die bislang nur wenigen bekannt sein dürften. Das Haus an der Schraube, das ursprünglich als Verwaltungsbau für das zugehörige Werk geplant wurde, kann deutschlandweit als einziges Gebäude dieser Art ein Lamellendach vorweisen, das eigentlich nur für Flugzeughallen vorgesehen ist.

Um dies zu dokumentieren, ist Kurth eigens mit dem Eigentümer unter das Dach gestiegen, um Fotos zu machen. „Ich war eigentlich 27 Jahre lang ein ‚Architekturendverbraucher‘ und fuhr als Lokführer in die verschiedensten Bahnhöfe ein“, gestand Kurth. „Dann wollte ich aber zu modernen Bauten forschen und habe nach Orten gesucht, in denen es einerseits viele Gebäude aus der Weimarer Zeit und danach gibt, wo aber andererseits noch nicht zu viel dazu untersucht wurde. Dabei bin ich an Finsterwalde gelandet.“ Seit 2013 hat Kurth viel Zeit im Stadtarchiv verbracht, hat Dokumente gesichtet und akribisch Fotos gemacht und alte Bilder und Abbildungen gesammelt. So gelang es ihm besonders gut, seinen fachkundigen Vortrag interessant zu gestalten.

„Um bei der Stadtentwicklung mitwirken und sich als Bürger beteiligen zu können, ist es ja zunächst einmal wichtig zu wissen, was es in der eigenen Stadt alles gibt“, erklärte Torsten Drescher, verantwortlich für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing sowie Mitinitiator des Finsterwalder Tags der Städtebauförderung. „So ist die Idee mit dem Fachvortrag entstanden. Da die modernen Gebäude in Finsterwalde sehr weitläufig verteilt sind, haben wir uns in diesem Jahr für die Variante einer Bustour entschieden.“

Eine Entscheidung, die sogar einen Abstecher zum Flugplatz erlaubte, auf welchem das Towergebäude mit seinen interessanten Formen sogar dem Art déco zugerechnet werden kann. Auf diese Weise gab es für alle Teilnehmer etwas Neues zu sehen und zu erfahren. Und manch einer entdeckte Schätze seiner Heimatstadt, an denen er bislang eher unachtsam vorübergegangen war.

 Auch der historische Max-Taut-Schulort, heute eher als Sängerstadt-Gymnasium bekannt, war Ziel der Tour.
Auch der historische Max-Taut-Schulort, heute eher als Sängerstadt-Gymnasium bekannt, war Ziel der Tour. FOTO: Silvia Dedek