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Tafel-Drehkreuz für den Süden

Michael Berger, Enrico Krengel und Philipp Franke (v.l.) bauen Kühlzellen und Technik in das neue Tafel-Logistik-Zentrum in Finsterwalde ein.
Michael Berger, Enrico Krengel und Philipp Franke (v.l.) bauen Kühlzellen und Technik in das neue Tafel-Logistik-Zentrum in Finsterwalde ein. FOTO: Lehmann
Finsterwalde. Ein deutschlandweites Pilotprojekt geht an den Start. Die Sparkassenstiftung "Zukunft Elbe-Elster-Land" hilft bei der Anschubfinanzierung. Heike Lehmann

Die Sängerstadt Finsterwalde wird zum Drehkreuz. Elf Südbrandenburger Tafeln werden in Kürze in einem sogenannten Tafel-Logistik-Zentrum ihre Waren fassen. Das ist deutschlandweit in dieser Dimension bisher einmalig. Am Freitag soll es im Beisein der Brandenburger Sozialministerin Diana Golze (Linke) eingeweiht werden. Bis dahin ist in dem Objekt im Gröbitzer Weg am Stadtrand von Finsterwalde noch allerhand zu tun.

Eine Hinweistafel verrät, dass in dem ehemaligen Supermarkt, der viele Jahre leer stand und wo vor wenigen Tagen die Finsterwalder Tafel bereits neue Räume bezogen hat, auch das Tafel-Logistik-Zentrum entsteht. Michael Berger und Philipp Franke vom Dresdner Kühlanlagenbau errichten dieser Tage die notwendige Technik. "Wir haben auch schon für die Finsterwalder Tafel die Kühltechnik eingebaut", sagt Michael Berger. Enrico Krengel von der Firma Roma Dämmsysteme hat die neuen Kabinen in dem großen Lagerraum aufgestellt.

Bei Lorlita Weidemann vom Arbeitslosenverband Brandenburg laufen die Fäden zusammen. Als Standortbereichsleiterin Süd 4 ist sie für die bestehenden Einrichtungen im Landkreis Elbe-Elster zuständig. Viel Zeit verbringt sie jetzt mit dem Einrichten und Herrichten des Tafel-Drehkreuzes. Zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus Bad Liebenwerda gehen ihr dabei zur Hand. "Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung, ein solches Logistik-Lager zu organisieren", sagt sie.

Ziel der Tafeln ist es, "überschüssige" Lebensmittel an Sozialschwache weiterzugeben. Die Tafeln des Arbeitslosenverbandes Brandenburg versorgen so landesweit monatlich mehr als 13 000 bedürftige Personen aus mehr als 5000 betroffenen Haushalten. Mit dem neuen Tafel-Logistik-Zentrum verkürzen sich die Wege, Personal und Technik können effektiver und nachhaltiger eingesetzt werden. Die Vorzüge werden die teilnehmenden Regionaltafeln zwischen Herzberg und Königs Wusterhausen, von Elsterwerda bis Forst direkt spüren. Nicht selten fehlt es ihnen an Kühl- und Lagerkapazitäten, weshalb viel Zeit auf den Straßen verbracht wird, um die Lebensmittel aus ganz Brandenburg und Nachbarbundesländern heranzuholen. Das wird sich ändern. Lorlita Weimann sagt: "In der Kühlzelle, im Froster und in der Trockenlagerung haben wir jeweils Platz für 33 Paletten."

Die Initialzündung kam von der Sparkassenstiftung "Zukunft Elbe-Elster-Land". Noch im Sommer 2016 sollte eine neue Lagerhalle entstehen - zwar auch in Finsterwalde, aber an anderer Stelle. Aus Kostengründen sei man davon abgekommen, sagt Thomas Hettwer von der Stiftung. Bei der Suche nach Alternativen stieß man auf den leeren Supermarkt.

Woran die Stiftung aber festhält, ist die respektable Anschubfinanzierung für das Pilotprojekt. 200 000 Euro werden bereitgestellt. "Darin enthalten sind Kosten für den Umbau und eine Mietzusage für zehn Jahre", konkretisiert Thomas Hettwer. Mit weiteren 30 000 Euro jährlich - befristet auf drei Jahre - wird dem Arbeitslosenverband Brandenburg bei der Betreibung unter die Arme gegriffen.

Nicht zum ersten Mal zeigt die Stiftung ein Herz für die Tafeln. Mit ihrer Hilfe wurden schon vier moderne Fahrzeuge und Computertechnik finanziert. Hettwer ist überzeugt: "Unser Ansinnen ist, die ehrenamtliche Arbeit der Tafeln zu erleichtern, effizienteres Arbeiten zu ermöglichen. Was hier entsteht, ist etwas Nachhaltiges."