Von Jürgen Weser

„Wir sind die Sänger von Finsterwalde, wir leb’n und sterben für den Gesang.“ 1899 gilt als Entstehungsjahr des Sängerliedes, jeder kennt es in der Stadt und es wird bei vielen Gelegenheiten gesungen. Was einst als Posse auf die Provinz gedacht war, machte die Stadt über Ländergrenzen hinaus bekannt und wurde zu ihrem positiven Markenzeichen. Am 3. Oktober werden die „Sänger von Finsterwalde“ bei den Feierlichkeiten „30 Jahre Deutsche Einheit“ in Kiel ihre singende Heimatstadt repräsentieren.

Der Bekanntheitsgrad des Liedes von den „Finsterwalder Sängern“ und der Sängerstadt ist nicht im Selbstlauf entstanden. Die Chöre der Stadt, das Sängerfest und vor allem auch die „Vier Finsterwalder Sänger“ im schwarzen Frack und mit Zylinder haben seit Jahrzehnten mit Engagement und Liebe zum Lied und zur Heimatstadt dafür gesorgt. Die vier singenden Männer in Schwarz sind bei vielen Gelegenheiten in der Stadt und darüber hinaus wie eben erst beim Spreewaldfest in Lübben und mit dem Werchower Männerchor zu sehen und hören.

Das ist nur mit viel persönlichem Engagement zu bewältigen. Deshalb sind die „Vier Finsterwalder Sänger“ nicht nur vier, sondern neun Männer – anders wäre das Pensum von 52 Auftritten im Jahr 2018 und in diesem Jahr bisher bereits bei 50 Gelegenheiten nicht zu schaffen, erzählt Klaus Mayer, der die organisatorischen Fäden zusammenhält. Zu den langjährig singenden Mitstreitern Adolf Scholder, Günter Figur, Horst Radlach, Hartmut Neumann und Peter Heppe haben in den letzten Jahren neben Klaus Mayer auch Klaus Rippe, Rainer Fähnel und Günter Behla als singende Symbolträger das Markenzeichen der Stadt verstärkt.

Kein Anlass ist den singenden Männern zu gering. Nicht nur bei Sänger- und Chorfesten erheben sie ihre Stimmen, auch wenn es um die Freigabe sanierter Straßen, Richtfeste oder Hauseinweihungen gibt, Preisverleihungen durch die Stadt, der Start in die Legislaturperiode für die Stadtverordnetenversammlung oder Sportveranstaltung wie der Beach-Cup oder das Finsterwalder Dutzend und natürlich auch persönliche Jubiläen: Die Sänger und das Sängerlied dürfen nicht fehlen.

Das Besondere ist dabei, dass es seit einigen Jahren aus der Feder von Klaus Mayer jeweils eine neue Strophe für den konkreten Anlass gibt. Da wird nicht nur gelobt, sondern auch Kritik geübt und gemahnt. Die „Finsterwalder Sänger“ verstehen sich nicht nur als Überbringer von Freude und Spaß, was sie natürlich gern tun, sondern sie wollen sich in gesellschaftliche und wirtschaftliche Themen und Vorhaben der Stadt vom Bau der Stadthalle bis zur Arbeit der Stadtverordneten mit ihrer Meinung einbringen. „Lob spenden, Mahner sein und Kritik üben“, so lautet ihr Credo.

215 zusätzliche Strophen sind so in drei Jahren entstanden. Toll! „Als Stadtverordnete sind Sie ab heute/ Entscheidungsträger für uns’re Stadt./… sei’n Sie Vorbild,/…es geht um die Stadt!“, mahnten sie im Juli bei der Konstituierung der Stadtverordnetenversammlung.

Ach ja, auch sich selbst mahnen sie. Kümmern um den Nachwuchs steht auf der Tagesordnung. Das scheint mit Benjamin Peter zu klappen. Er ist 17, singt in der Kantorei Bad Liebenwerda und ist Azubi bei der Stadtverwaltung Finsterwalde. Als 2. Tenor oder Bariton könnte er mit junger Stimme helfen. Noch ohne Frack und Zylinder war er bei der Probe dabei. Das wird am 3. Oktober anders sein, denn gemeinsam mit Günter Figur, Klaus Rippe und Klaus Mayer will er seine Feuerprobe in Kiel beim Tag der Deutschen Einheit abliefern.

Den Sängern, so Klaus Mayer, liege die Pflege und der Erhalt der Sängertradition am Herzen. Deshalb haben sie im Jubiläumsjahr „120 Jahre Sängerlied“ ein Projekt an der Grundschule Mitte mit Hilfe der Sparkasse Elbe-Elster durchgeführt: Unterricht zur Geschichte des Sängerliedes, Lernen des Liedes, Anfertigen von Bannern und eine Exkursion in den Spreewald wie Lehrer Louis Schiller mit Schülern 1901.

„Solche Traditionsförderung mit Hilfe der Stadt könnte zur Regel werden“, wünschen sich Klaus Mayer und seine Mitsänger. Mitunter, so war auch während ihrer letzten Probe zu hören, wünschten sie sich mehr Unterstützung von verschiedenen Seiten. „Vieles, was wir tun, ist Eigeninitiative.“