| 02:39 Uhr

Süssmuth wirbt für Beteiligung über Kultur

Diskussion an Thementischen – Verwaltung/Kommune, Spracherwerb, Schule, Berufsschule/Ausbildung und Vereinsarbeit.
Diskussion an Thementischen – Verwaltung/Kommune, Spracherwerb, Schule, Berufsschule/Ausbildung und Vereinsarbeit. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Die 13. Bildungskonferenz Elbe-Elster war eine logische Fortsetzung der Konferenz von 2012. Da ging es um Beteiligungskultur – vom Nebeneinander zum Mitein ander. Wie das besser gelingen kann, stand diesmal im Mittelpunkt zum Thema "Integration miteinander gestalten". Heike Lehmann

2015 haben 1300 Menschen als Asylsuchende und Flüchtlinge im Landkreis Elbe-Elster eine neue Heimat gefunden. Das entspricht 1,4 Prozent der Bevölkerung. Bis Mitte Mai waren 241 schulpflichtige Kinder registriert. Das werde den Landkreis - wenn auch nur in geringer Dimension - verändern. "Dem müssen wir uns stellen", eröffnete Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) am Donnerstag die 13. Bildungskonferenz im Refektorium in Doberlug-Kirchhain. Etwa 170 Vertreter aus Politik, von Kommunen, Schulen, Vereinen und Institutionen sowie Interessierte hatte das Thema angelockt. Oder war es Gastrednerin Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin von 1988 bis 1998, die so neugierig machte?

Schon mit ihren ersten Sätzen fesselte sie - im nächsten Jahr wird sie 80 - ihre Zuhörer. Sie prangerte ein gesellschaftliches Problem an: "Es wird zuerst nach den Defiziten gefragt, statt nach Potenzialen", so Süssmuth. Als Beispiel nannte sie die Diskussion um die 80 Prozent Analphabeten unter den Flüchtlingen - ohne Potenzial? Süssmuth plädierte für neue Verknüpfungen von Bildung und praktischen Lebenserfahrungen. Zuerst Kita und Schule zu sehen, sei ein verkürzter Ansatz. Und sie rät: "Achten Sie auf Bildung für alle, gleich aus welcher Ethnie, welcher Kultur, welchen Alters und welcher Religion." Auch lebenspraktische Hilfe gehöre dazu. Beteiligung über Kultur könne Sprachkenntnisse befördern. "Ohne Zugehörigkeit gibt es erhebliche Lernbarrieren", zitierte sie die OECD.

Wie erfolgreich Integration von ausländischen Azubis für ein Unternehmen sein kann, hatte zuvor Elbe-Elster-Sparkassenchef Jürgen Riecke berichtet. Heinz-Wilhelm Müller von der Agentur für Arbeit Cottbus würdigte den Landkreis mit klarem Bildungsleitbild, das "alle einbezieht, die hier leben", Bildungsbüro als Stabstelle der Kreisverwaltung und ausgeprägter Netzwerkarbeit als beispielhaft. Junge Menschen und Familien, die nicht vollständig der deutschen Sprache mächtig sind, sollen beim Einstieg in Kita und Schule unterstützt werden. "Die praktische Frage der Personenbeförderung wird die kreislichen Gremien beschäftigen", so Müller. Zur Absicherung der Finanzierung des Angebots zur Berufsorientierung "Komm auf Tour" will man beim Land anfragen.

In einer moderierten Diskussion standen nicht nur Bürgermeister, Schulrätin, Schulleiterin, Sparkassenchef und Leiter vom Oberstufenzentrum auf der Bühne. Auch Mitglieder der Flüchtlingsfamilien Mohamed Sayad und Barakzai stellten sich den Fragen.