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| 15:21 Uhr

Gezerre um Bürgertreff
Suche nach Bürgertreff spaltet Crinitz

Crinitz. Beim Streit über den Standort schlagen die Wellen immer höher. Jetzt formiert sich eine Bürgerinitiative. Von Gabi Böttcher

Jetzt hat André Berger, Eigentümer der für einen künftigen Bürgertreff favorisierten ehemaligen Töpferei Matthias, sein Angebot zurückgezogen, das Grundstück zur Verfügung zu stellen. Zudem hat er als sachkundiger Bürger im Ortsentwicklungsausschuss seinen Rückzug aus diesem Gremium erklärt.   In der Amtsverwaltung sei der Rücktritt vom Grundstücksverkauf bisher nur als inoffizielle Nachricht  angekommen. Für Amtsdirektor Gottfried Richter  bietet  diese Konstellation momentan keine Grundlage, um das in Auftrag gegebene  Gutachten zur Machbarkeit der Töpferei-Sanierung zu stoppen. Er sei etwas verschnupft über das Gebaren der Crinitzer, gibt er zu. Eines könne er jedoch tun. Rücksprache mit dem Ingenieurbüro halten und dieses bitten, den Crinitzer Auftrag zunächst hintenan zu stellen.

Horst-Viktor Scholz, Vorsitzender des Ortsentwicklungsausschusses,  bedauert die Zuspitzung der Situation, hofft jedoch, dass das nicht Bergers letztes Wort ist. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Scholz. Er hält am Beschluss der Gemeindevertretung  fest, die in ihrer Mehrheit  nach wie vor zum Ergebnis der externen Analyse und einer  aufwendigen Bürgerbefragung zu möglichen Standorten des Bürgertreffs stehe. Die Töpferei Matthias war dabei auf Platz 1 gelandet. Den Auftrag für ein Machbarkeitsgutachten zu stornieren, hält der Ausschussvorsitzende für falsch.  „Wir können diesen Auftrag jetzt nicht einfach zurückziehen, ohne   Regressforderungen zu riskieren“, meint Scholz. Den vereinbarten Termin für eine Ortsbegehung habe er allerdings erst einmal abgesagt.   Horst-Viktor Scholz weiß die Zustimmung vieler Crinitzer   zum Töpferei-Projekt hinter sich. Sie könnten sich das sanierte, „herrliche  Areal, bewachsen mit Obstbäumen“ wunderbar vorstellen. Außerdem sei es geeignet, eine Förderung aus dem Leader-Programm mit Eigenleistungen der Gemeinde zu verknüpfen.

Das alles hat für die sich formierenden Gegner der Töpferei-Variante keine Relevanz. Seit Bürgermeister Horst Hofmann die Kulturräume des ehemaligen Steinzeugwerkes bei einem Tag der offenen Tür präsentiert und mit deren kostenfreier Übernahme argumentiert hatte, wächst die Unterstützung für diese Variante. Sie hatte es jedoch nach der Analyse der externen E & G Projektagentur nicht einmal auf die Liste der infrage kommenden Objekte geschafft. Für den Unternehmer Alberto Krause aus Crinitz ist das, Beschluss der Gemeindevertretung hin oder her, kein Argument mehr. Alberto Krause weiß  inzwischen eine größere Gruppe von Unternehmern des Ortes hinter sich, die sich für die Kulturräume des Steinzeugwerkes einsetzen wollen. „Wir werden dem Ortsentwicklungsausschuss am 5. März eine Petition übergeben. Uns überzeugt Vorhandenes und unsere eigene Kostenschätzung“, sagt der Unternehmer.

Horst-Viktor Scholz sieht eine ebenso starke Unterstützung unter Bürgern und Gemeindevertretern für den nach aufwendiger Vorarbeit beschlossenen Kurs in Richtung Alte Töpferei oder alternativ für einen Anbau an der Schule. Scholz zweifelt, dass die ehemaligen Kulturräume tatsächlich kostenfrei an die Gemeinde gehen würden. „Wer gibt schon etwas kostenfrei ab?“, fragt der Ausschussvorsitzende. Dass die Zeit drängt und hinsichtlich eventuell noch zu ergatternder Fördermittel aus dem Leader-Programm eine Entscheidung  getroffen werden muss, steht für ihn außer Frage. Das Bestreben von vier Gemeindevertretern,  eine nichtöffentliche Sondersitzung zum Thema einzuberufen, musste Amtsdirektor Gottfried Richter mit Verweis  auf rechtliche Konflikte wie Ladungsfristen und öffentliche Bekanntmachungen ablehnen. Er verweist auf die Gemeindevertretersitzung am 12. März, 19Uhr, in den Gemeinderäumen in der Friedenstraße. Hier ist nunmehr der Tagesordnungspunkt im öffentlichen Teil  „Aussprache zum Bürgerzentrum“ vorgesehen. Dass die Gemeindevertreter ihre bereits getroffene  Entscheidung zumindest  noch einmal hinterfragen sollten, steht angesichts neuer Fakten wohl außer Frage. Für Bürgermeister Hofmann ist glasklar: „Ich kann einfach nicht klein beigeben. Ich tue nur eins – meine Bürger vertreten.“ Dass die Crinitzer  endlich einen Treff brauchen, darin zumindest sind sich wohl alle einig.