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Studie zeigt Probleme und Stärken der Region

Immer noch wandern mehr Menschen aus der Region ab, als zu.
Immer noch wandern mehr Menschen aus der Region ab, als zu. FOTO: Veit Rösler/vrs1
Elbe-Elster. Das Magazin Focus hat mithilfe des Sozialforschers Wolfgang Steinle in einem Regionen-Check 402 Landkreise und Städte unter die Lupe genommen und stellt die Frage "Wo ist Deutschland am Lebenswertesten?". Elbe-Elster ist es für die Experten offenbar nur bedingt. Der Landkreis landet im Vergleich auf Gesamtplatz 325. Corinna Karl

. Der Elbe-Elster-Kreis belegt erneut in einigen Kategorien die hinteren Plätze. Aber das Gute zuerst: Im Vergleich zu unseren unmittelbaren Nachbarn braucht sich die Region nicht zu verstecken. Elbe-Elster landet auf Platz 325, dahinter Oberspreewald-Lausitz auf 349 und Nordsachsen auf Platz 386. Der Kreis Meißen aber belegt Rang 253.

Ablesen lässt sich aus der Studie, dass der EE sicher ist - wenig Verletzte bei Unfällen, wenig Vergewaltigungen oder Raubüberfälle. Insgesamt belegt der Kreis Platz 149 im Bereich Sicherheit und Risiken. "Ich denke, dass wir uns beim Thema Sicherheit nicht zu verstecken brauchen. Unser Landkreis gilt deutschlandweit als einer der sichersten, in Brandenburg sowieso. Und das schon seit vielen Jahren", sagt Landrat Christian Heinrich-Jaschinski. Bei den Kosten (Mieten, Bauland) ist die Region überraschend auf dem Gesamtplatz 3. Im Ranking Bruttolöhne belegt der Kreis Platz 354 (Meißen 377, OSL 384). Das Wachstum ist gut, Platz 72. Die Arbeitslosigkeit konnte seit 2008 um 34,04 Prozent gesenkt werden: Platz 12. Sozialforscher Wolfgang Steinle: "Nicht, weil zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden, eher, weil viele junge Leute wegziehen. Das Arbeitskräftepotential ist niedrig." 2012 verließen 1378 Menschen (18 bis 30-Jährige) den Landkreis, nur 795 wanderten ein. Die Region dümpelt in Sachen Jobs im hinteren Feld auf Platz 364 von 402. Bei Langzeitarbeitslosen sogar auf Rang 393. Thomas Richter (CDU), Kurstadt-Bürgermeister: "Rankings führen uns vor Augen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Wir müssen die Jugend halten, da geht es schon bei simplen Dingen wie schnelles Internet los. Wir müssen Wohnraum schaffen und hohe Qualität halten. Wir müssen besonders bei der Abwanderung der Jugend hinschauen, die Voraussetzung schaffen, damit sie hier bleibt oder zurückkehrt."

Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) bezeichnet es als bitter, dass der Landkreis weit abgeschlagen ist. "Das zeigt auch, wie der periphere Bereich vernachlässigt wird", sagt er. Es gebe in der Region keine Infrastruktur und somit keine Arbeitsplätze. Jungen Leute gehen weg. Oecknigk: "Keine Arbeit bedeutet keine Perspektive. Wir müssen überlegen, wie die regionale Wirtschaft noch mehr Arbeitsplätze schafft. Aber die Unternehmen können das kaum noch. Wir brauchen dringend Neuansiedlungen, aber die kommen nicht hierher."

Gottfried Richter, Direktor des Amtes Kleine Elster, sagt spontan: "Es ist noch nicht alles verloren. Aber wir haben noch viel zu tun." Allerdings verwundert ihn, dass der Nachbarkreis Oberspreewald-Lausitz mit den überregionalen Vorzeigeregionen Spreewald und Seenland hinter Elbe-Elster platziert ist. Niederschmetternd sei für ihn, dass die Abwanderung der Jugend sich derart niederschlägt, aber der Landkreis andererseits bei den Lebenshaltungskosten so gut dasteht. "Das passt nicht zusammen", meint er und sieht sich darin bestätigt, dass sein Schwerpunkt, zuallererst Arbeitsplätze zu schaffen, der richtige Ansatz sei. "Damit lösen sich auch andere Probleme", glaubt er. Nicht nachvollziehen kann Richter außerdem, dass es in der Region an gutem Wohnraum mangeln sollte. Hier verweist er auf Sanierung und Neubau der großen Wohnungsgesellschaften, aber auch von privaten Vermietern.

Auch Finsterwaldes Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) ist überzeugt, dass genug attraktiver Wohnraum für junge Leute, aber auch seniorengerechte Wohnungen angeboten werden können. Er hält Elbe-Elster für "absolut lebenswert" und macht dies an den Menschen fest, die Selbstbewusstsein und Heimatgefühl ausstrahlen. Gampe: "In Finsterwalde sind die Gas- und Abwasserpreise gesunken. Die Mieten halte ich für moderat."

"Wir verfügen als strukturschwacher Landkreis über die geringste Steuerkraft je Einwohner aller brandenburgischen Landkreise. Trotzdem haben wir in den vergangenen Jahren einen überragenden Konsolidierungswillen gezeigt, was uns von der Landesregierung mehrfach bestätigt wurde. 2013 schloss der Landkreis mit einem positiven Ergebnis ab", so der Landrat. Die Haushalte 2013 und 2014 seien ausgeglichen und weisen Überschüsse aus: 2013 mit etwa 1,2 Millionen Euro, 2014 sogar etwa 1,6 Millionen Euro. "Ganz erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass der Landkreis seit 2007 keinen Fehlbetrag mehr gehabt hat", sagt er. Im Bereich Verschuldung (653,14 Euro/Einwohner) ist der Kreis auf Rang 73 gelandet(OSL 87, Meißen 143).

Liebenwerdas Bürgermeister: "Man muss sich vor Augen führen, wo wir herkamen, wie die Region bereits aufgeblüht ist."

Zum Thema:
Kosten: Platz 3 Entwicklung Arbeitslosigkeit (2008 - 2013): Platz 12 Langzeitarbeitslosigkeit: Platz 393 Demografie/Gesundheit: Platz 389 Infrastruktur/Wohnraum: Platz 398 Abwanderung (von unter 30-Jährigen): Platz 401 Sicherheit/Risiken: Platz 149 Wohlstand: Platz 325