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| 02:35 Uhr

Stimmungsaufheller in Lindena

Der Umgang mit dem historischen Klemmeisen will geübt sein. Die Lindenaer Frauen haben's drauf.
Der Umgang mit dem historischen Klemmeisen will geübt sein. Die Lindenaer Frauen haben's drauf. FOTO: Torsten Pötzsch/top1
Lindena. Der 2. Februar ist in Lindena schon immer ein ganz besonderer Tag. Seit Mitte der 1980er-Jahre lädt die kleine Gemeinde zu Lichtmess zum traditionellen Klemmkuchen essen ins Bauernmuseum ein. Torsten Pötzsch / top1

Von Jahr zu Jahr werden es mehr Besucher, die diese Lausitzer Spezialität probieren möchten. Der Museumsverein, allen voran die Spintefrauen um Birgit Schrey, sind hervorragende Gastgeber. Am gestrigen Sonntagnachmittag hatten sie in der Museumsscheune des Bauernmuseums wieder jede Menge zu tun. Schon kurz vor 14 Uhr war kaum noch ein Platz zu bekommen. Die Scheune drohte, aus allen Nähten zu platzen.

Die Scheunenmusikanten verkürzten mit zünftiger Blasmusik die Wartezeit auf den Klemmkuchen. Und das konnte schon mal mehr als fünf Minuten dauern, so groß war der Andrang.

"Mehr als 200 Gäste sind es auf alle Fälle wieder", schätzte Birgit Schrey bei einem flüchtigen Blick über die Tischreihen. Da war natürlich eine perfekte Organisation gefragt. Die Damen und Herren vom Museumsverein haben die sehr gut drauf. "Zehn Tage hat jeden Tag eine Frau gebacken, ansonsten würde das heute so nicht klappen", erläuterte Birgit Schrey. Verbacken wurden in diesem Jahr 54 Kilogramm Mehl und zwölf Kilogramm Speck. Ungezählte Eier kommen noch hinzu. Auch 200 der beliebten Sahneröllchen haben sich die Gäste schmecken lassen oder für andere Familienmitglieder, Freunde, Verwandte und Bekannte mitgenommen."

Der zehnjährige Clemens Rösler aus Uebigau hatte gestern am Keybord seinen großen Auftritt. Zusammen mit Mutter Beatrix hatte er stimmungsvolle Stücke ausgesucht. Mit seinem Boogie Woogie Nr.2 eroberte er die Herzen der Gäste im Sturm.

Im Kalender des Landmannes hatte Lichtmess von jeher eine besondere Bedeutung. An diesem Tag beobachtete er das Wetter ganz genau. Birgit Schrey gab einige Bauernregeln zum besten und erläuterte kurz, was es mit dem Klemmkuchen auf sich hat. Die deftige Kalorienbombe diente nicht nur als Stimmungsaufheller in der kalten Jahreszeit, "mit dem Klemmen sollte auch der Moll oder besser der Maulwurf, der ab jetzt wieder tätig wird, vertrieben werden."

Was die Bauernregeln angeht, sollte man sich noch auf eine längere Kälteperiode einrichten. "Ist's zu Lichtmess mild und rein, wird's ein langer Winter sein." Schnee und Sturm wären gestern also besser gewesen, denn dann wäre das Frühjahr nicht mehr weit. Diese und andere Weisheiten erheiterten das Publikum. Auch der Sketch, den Erika Boden mit ihren Mitstreitern eingeübt hatte und der sich mit den Widrigkeiten und Härten des Alters auseinandersetzte, kam an.

Zwei Leute wurden stellvertretend für die gesamte Mannschaft besonders erwähnt: Ilona Knepper, "die gute Seele", die ihre Hände im Museum überall mit drin hat. In den letzten Tagen aber vor allem im Klemmkuchenteig. Und Arno Goltz, "ohne den es das Klemmkuchenfest nicht geben würde."