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Bürgermeisterwahl
Stichwahl um das Bürgermeisteramt

Amtsinhaber Bodo Broszinski (FDP).
Amtsinhaber Bodo Broszinski (FDP). FOTO: Herbrig
Doberlug-Kirchhain. Amtsinhaber Bodo Broszinski (FDP) oder Herausforderer Sebastian Rudolph (CDU) – wer soll Doberlug-Kirchhain künftig regieren? Am Sonntag ist Stichwahl. Heike Lehmann

7475 Wahlberechtigte der Stadt Doberlug-Kirchhain werden an diesem Sonntag, 8. Oktober, erneut an die Wahlurnen gebeten, um zu entscheiden, wer bis 2026 Bürgermeister der Kloster- und Gerberstadt werden soll. Nach dem ersten Wahlgang am 24. September gab es bei einer hohen Wahlbeteiligung von 74,6 Prozent und vier Kandidaten noch kein abschließendes Ergebnis. Amtsinhaber Bodo Broszinski bekam mit 45,7 Prozent die meisten Stimmen, aber nicht die notwendige absolute Mehrheit. Sebastian Rudolph kam ihm mit 27,6 Prozent am nahesten. Beide stehen am Sonntag erneut auf dem Stimmzettel.

Schon im April hatte der CDU-Stadtverband seinen Kandidaten bestimmt. Nur die SPD war noch schneller. Im Mai folgte der parteilose Ingo Setzermann für die Linken. Bürgermeister Bodo Broszinski hatte im Juni erklärt, eine dritte Amtszeit anzustreben. Damit war das Quartett komplett.

Der Wahlkampf bis zum 24. September verlief eher unspektakulär. Sebastian Rudolph, der Restaurantfachmann aus dem "Kleinen Rathaus" im Stadtteil Kirchhain mit Berufserfahrung in Führungspositionen großer Hotelketten, radelte mit Unterstützern aus der CDU und Sympathisanten durch die Ortsteile der Stadt, um sich bekannt zu machen. Er setzte auf Präsenz auch in der Kernstadt. Sein Wahlprogramm umfasst mehrere Seiten und ist ein Kompendium aller Lebensbereiche. Jeder, egal ob alt oder jung, findet dort Anknüpfungspunkte - von City-Marketing über freies W-LAN bis zu Ü65-Wohngemeinschaften.

Bodo Broszinski will nach zwei Amtsperioden Begonnenes weiterführen. Er hat die Stadt aus der finanziellen Schraubzwinge "Haushaltssicherungskonzept" gelenkt und damit wieder Handlungsspielraum verschafft. Mit Fördermitteln, die nur bei entsprechendem Eigenanteil fließen, erfuhr die Doppelstadt einen deutlichen Schub. Jetzt erklärt Bodo Broszinski kurz und knapp, dass ihm die medizinische Versorgung und die Senioren am Herzen liegen. Mobilitätsknotenpunkt, Stadtsanierung, "bürgerfreundlicher Verwaltungsort" und touristische Vermarktung sind seine Eckpunkte und Ziele.

Am Tag eins nach der Wahl am 24. September überraschten die beiden unterlegenen Kandidaten, Torsten Drescher (SPD) und Ingo Setzermann (parteilos/Linke), nicht wenige Wähler mit einer konzertierten Aktion im Bunde mit dem CDU-Stadtverband, indem sie jetzt bei der Stichwahl um Stimmen für Sebastian Rudolph werben. Dem schlossen sich auch drei Abgeordnete von der Fraktion WBU-LUN - nach eigenen Angaben parteipolitisch unabhängig - an. Sie alle wollen jetzt Veränderung statt "eingefahrener Gleise", wie es in einer Erklärung von WBU-LUN heißt. Sie solidarisieren sich jetzt offen gegen Bürgermeister Bodo Broszinski, werfen ihm fehlende Kommunikation, Information und Stillstand in der Stadt vor. Eine Kritik, die in dieser Schärfe beim Bürgermeisterwahlforum der Lausitzer Rundschau mit allen vier Kandidaten am 13. September nicht deutlich wurde. Weitere Brisanz: Die verschworene Front gegen den Bürgermeister sitzt in der Stadtverordnetenversammlung, Sebastian Rudolph ist seit 2014 deren Vorsitzender und damit auch Dienstvorgesetzter des Bürgermeisters. Kritik an dessen Amtsausführung wäre also vor der Wahl möglich und fair gewesen.

Der Sonntag verspricht, spannend zu werden. 120 Wahlhelfer für 20 Wahlbezirke sind noch einmal aktiviert. Der Ansturm auf die Briefwahl ist auch für die Stichwahl enorm. Wahlleiterin Jana Lange: "Wir haben deutlich über 1000 angeforderte Briefwahlunterlagen und sind auf Anfragen bis zum letzten Tag eingestellt." Wahlscheine für die Briefwahl werden demnach Freitag bis 18 Uhr im Einwohnermeldeamt ausgegeben, in begründeten Fällen sogar noch Sonntag bis 15 Uhr. Die Briefwahlunterlagen müssen bis Sonntag 18 Uhr, wenn die Wahllokale schließen, im Rathaus vorliegen.