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Steinmetzer-Mann verliert ihre Posten im Schloss

Carolin Steinmetzer-Mann.
Carolin Steinmetzer-Mann. FOTO: Babbe
Finsterwalde. Bei den Linken/Bündnis90/Grünen in der Finsterwalder Stadtfraktion eskaliert ein langer Streit mit der früheren Landtagsabgeordneten Carolin Steinmetzer-Mann. Die 35-jährige Stadtverordnete verliert nach ihrem Landtagsmandat jetzt auch nach und nach ihre Posten im Schloss. Dieter Babbe

Hier zog Carolin Steinmetzer-Mann bei der letzten Kommunalwahl mit der höchsten Stimmenzahl ihrer Partei als Neuling ein. Die siebenköpfige Fraktion hat die Frau, die zehn Jahre im Brandenburger Landtag saß, zur Vize-Vorsitzenden der Fraktion gemacht. Nicht mal nach einem Jahr wird die erfahrene Abgeordnete in ihrer Fraktion einstimmig vom Stuhl geschubst. Als ihr Nachfolger ist der zur Fraktion gehörende "grüne" Abgeordnete Gerhard Strauß gewählt worden. Doch damit nicht genug - jetzt soll die Frau auch ihren Sitz im wichtigsten Gremium nach der Stadtverordnetenversammlung, dem Hauptausschuss, verlieren.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Carolin Steinmetzer-Mann sei nicht möglich, ist sich die Fraktion einig. Hier wird kritisiert: Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende habe ein halbes Jahr lang an keiner Sitzung der Fraktion, die zweimal im Monat tagt, teilgenommen. "Meist unentschuldigt und hinterher mit fadenscheinigen Begründungen", erklärt Udo Linde, der Fraktionsvorsitzende. Auch Karin Horst ist verärgert: "Die Frau ist nicht teamfähig, sie macht ihr eigenes Ding, auf Facebook zum Beispiel. Mit manchen Äußerungen schadet sie uns."

Udo Linde: "Einen Fraktionszwang gibt es bei uns nicht. Aber wir wollen bei den internen Debatten schon erkennen, welche Ansicht jeder vertritt. Durch Probeabstimmungen in der Fraktion wissen wir vorher, welches Bild wir in der Stadtverordnetenversammlung abgeben - das machen auch andere Fraktionen so. Doch bei Carolin werden wir überrascht." So habe sie bei der jüngsten Abstimmung zur Stadthalle in der Fraktion eine Enthaltung signalisiert, im Schloss stimmte sie allerdings dagegen - womit sich ihre Parteifreunde vor den Kopf gestoßen fühlten.

Dass Steinmetzer-Mann auch die Sitzungen des Hauptausschusses nur unregelmäßig besucht, kritisiert vor allem Karin Horst. "Ich bin ihre Stellvertreterin. Wenn sie eine Sitzung nicht besuchen kann, gehört es sich, dass sie mir vorher Bescheid gibt - doch das macht sie nicht. So fehlt eine Stimme in dem wichtigen Ausschuss." Den Stuhl im Hauptausschuss freiwillig zu räumen, habe Steinmetzer-Mann abgelehnt.

Das soll jetzt nicht ohne weitere Folgen bleiben. Udo Linde hat angekündigt, in der Stadtverordnetensitzung im Mai einen Antrag zur Auflösung des Hauptausschusses zu stellen. "In der gleichen Sitzung wollen wir die Mitglieder des Hauptausschusses neu wählen - ohne Carolin Steinmetzer-Mann als unsere Kandidatin." Dieser Weg sei rechtmäßig, erklärt schon mal Stadtverordnetenvorsteher Andreas Holfeld (CDU).

Übrigens: Auch in der Kreistagsfraktion erscheine Steinmetzer-Mann "nur sporadisch und macht hier viel im Alleingang", wie ein Mitglied berichtet. Sogar in der Flüchtlings-Bürgerinitiative soll es Querelen um Steinmetzer-Mann gegeben haben. Zu einer Stellungnahme zu den Vorwürfen war die Abgeordnete nicht bereit.