Aus ihrer Sicht sei das eine soziale Katastrophe. Die Tagesstätte, die seit Januar 1997 besteht, werde täglich von 35 bis 40 Personen genutzt - Tendenz steigend. Es seien Menschen, die aus verschiedenen Gründen am Rande der Gesellschaft stehen und kaum ihren Alltag bewältigen können. „Wir helfen ihnen, wo und wie wir nur können, bieten ihnen Unterstützung im Umgang mit Ämtern und Anträgen, bei der Wohnungssuche, bei Dingen des täglichen Lebens, bieten ihnen eine warme Mahlzeit und das Gefühl, nicht allein mit ihrem Schicksal zu sein.“
Das Problem: Die Stadt Finsterwalde ist Eigentümer der Immobilie und hat sie an die AWO vermietet. Nach dem Auszug des ambulanten Pflegedienstes wird aber nur noch ein Teil des Hauses benötigt, und die AWO stellte den Antrag auf eine Teilkündigung. Dieser Antrag sei von der Stadt abgelehnt worden, weil in der Immobilie keine Trennung der Medien möglich sei. „Nach Aussage der Stadtwerke sei das aber kein Problem“ , erläuterte Edelgard Luckfiel.
Seit März werde um eine Lösung gerungen, „allerdings nur einseitig und mit bisher wenig Erfolg“ , so die Leiterin. Mitte August und wiederholt Mitte September wandte sich Edelgard Luckfiel mit einem Schreiben, in dem sie auf eine Lösung drängte, an den Stadtverordnetenvorsteher Uwe Schüler mit der Bitte, alle Fraktionen, alle Stadtverordneten über die Sachlage zu informieren. Da es keine Reaktionen gab, lud sie nun alle Fraktionen in die Tagesstätte zu einem Vor-Ort-Termin. Bis auf die Fraktion der CDU, die sich entschuldigte, kamen auch Vertreter. Für die neun von 28 anwesenden Stadtverordneten war das Problem völlig neu. Edelgard Luckfiel stellte nach einem Rundgang durch das Gebäude zwei Varianten vor.
Variante 1: Zustimmung zur Teilkündigung, Mietfreistellung für die Teeküche, Übernahme der Kosten für Heizung, Strom, Wasser und Müll durch die Stadt. Im Gegenzug übernimmt die AWO weiterhin die Betreuung der Nutzer der Tagesstätte und kommt für alle Sachwerte auf. „Es geht dabei um die Fürsorgepflicht der Stadt für ihre Bürger, und auch die sozial Schwächsten haben ein Anrecht auf diese Fürsorge.“
Variante 2 sieht vor: Schließung der Einrichtung zum 15. Januar 2005. Aber das ist für Edelgard Luckfiel ein Horrorszenario, und leidenschaftlich appellierte sie, die Stadtverordneten mögen sich des Problems annehmen und eine einvernehmliche und akzeptable Lösung herbeiführen.
„Stellen Sie Ihre Vorstellungen und Konzepte mit ordentlichen nachprüfbaren Zahlen und Fakten auf vernünftige Füße, reichen es in schriftlicher Form an alle entsprechenden Stellen nochmals ein, und dann werden wir idarüber reden, wie es weitergeht“ , riet Felicitas Guntermann.