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| 18:53 Uhr

LR vor Ort
Ständiger Kampf ums Erlebnisbad

Eine von mehreren Attraktionen im Erlebnisbad Tröbitz: die 42 Meter lange Wasserrutsche.
 
Eine von mehreren Attraktionen im Erlebnisbad Tröbitz: die 42 Meter lange Wasserrutsche.   FOTO: Heike Lehmann
Tröbitz. Tröbitz hat ein Gewerbegebiet mit mehr als 300 Beschäftigten, eine sanierte Sporthalle und ein Erlebnisbad mit 42-Meter-Rutsche. Tröbitz hat aber auch Geldsorgen. Nicht zuletzt wegen des Freibades. Von Heike Lehmann

Der Super-Sommer 2018 hat dem Erlebnisbad Tröbitz eine Spitzensaison beschert. Am Ende wurden mehr als 14 000 Besucher gezählt – doppelt so viele wie 2017. Und dennoch ist das Freibad für die Gemeinde nicht nur Lust, sondern auch Last. Von Jahr zu Jahr steht das Erlebnisbad auf dem Prüfstand. Holger Gantke, ehrenamtlicher Bürgermeister seit 2010, sagt: „Wir überlegen jedes Mal, ob wir wieder aufmachen.“ Er würde sich wünschen, dass die Kosten fürs Bad nicht nur von der Gemeinde getragen werden.

Bürgermeister Holger Gantke.
Bürgermeister Holger Gantke. FOTO: Heike Lehmann

Die Industriegemeinde hat knapp 700 Einwohner, einen Edeka-Markt, eine Grundschule und eine Kita – beides in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Elbe-Elster, einen jüdischen Friedhof mit Gedenkstätte, eine Tankstelle, einen Zahnarzt. Was Tröbitz nicht hat, ist ausreichend Geld. Obwohl ein gut ausgelastetes Industriegebiet, hervorgegangen aus dem VEB Landmaschinen Tröbitz, mit mehr als 300 Beschäftigten sowie weitere Firmen zum Ort gehören. Wenigstens das gilt, so der Bürgermeister: „Wer von den Tröbitzern arbeiten will, der bekommt auch Arbeit. Die Firmen suchen Fachkräfte.“ Doch, so Gantke, je mehr Gewerbesteuer eingenommen wird, um so weniger Schlüsselzuweisungen gibt es vom Land. Seit Jahren arbeitet Tröbitz mit einem Haushaltssicherungskonzept, hat von allen Gemeinden im Amt Elsterland das größte Defizit. Wer Holger Gantke kennt, der weiß, dass ihm der Kamm schwillt, wenn er diese Fakten auflistet.

Allein das Erlebnisbad – mit der Besonderheit in Elbe-Elster, dass das Wasser in den Becken mit Sonnenkraft aufgeheizt werden kann – hat einen jährlichen Zuschussbedarf von mehr als 30 000 Euro. Eine Summe, die die Gemeinde allein stemmt. Gemeindearbeiter kümmern sich um das Umfeld. Den Badespaß aber genießen nicht nur Tröbitzer. Zu einfach wäre, den Eintrittspreis in die Höhe zu schrauben. Womöglich würde das die Badegäste gar vertreiben. Warum also nicht mal über neue finanzielle Wege nachdenken, andere mit ins Boot holen? Gantke hat Ideen, braucht nur Rückenhalt.

Das im Jahr 1963 offiziell eröffnete Bad in Tröbitz.
Das im Jahr 1963 offiziell eröffnete Bad in Tröbitz. FOTO: Gemeinde Tr“bitz

Der Leidensdruck der Tröbitzer ist groß. Der Bürgermeister sagt: „Jedes Jahr müssen wir Investvorhaben verschieben, weil immer wieder unvorhergesehene Reparaturen im Bad anstehen. Es ist eben auch in die Jahre gekommen. Da stünde mal wieder eine Grundsanierung an.“ Wenn Gantke mehr Geld hätte, würde er gern noch Straßen und Wege bauen – am besten, ohne die Anlieger daran zu beteiligen. „Da bin ich ganz bei denen, die das jetzt auf Landesebene in die Diskussion gebracht haben“, sagt der 58-jährige Christdemokrat. Zwei Straßen im Birkeneck und die Straße nach Nord hätten es nötig.

Holger Gantke hat eine Kfz-Werkstatt und macht seit Mitte der 1990er-Jahre Politik im Dorf – ehrenamtlich. Er war ein Mitakteur, dass die Schule im Dorf blieb, weil die Kirche die Trägerschaft übernommen hat. „Im Jahr 2000 haben wir die erste evangelische Grundschule im Landkreis eröffnet.“ Stolz ist er auf die sanierte Sporthalle, auf das Vereinsleben im Dorf und überhaupt darauf, „den ganzen Laden am Laufen zu halten“. Ob er 2019 noch einmal zur Kommunalwahl antritt, könne er momentan nicht sagen. „Vieles ist demotivierend und Briefe, die ich von der Kommunalaufsicht kriege, sind manchmal zum Heulen“, sagt er.