In der Oscar-Kjellberg-Straße von Finsterwalde, an der ehemaligen Schaeferschen Tuchfabrik, bröckeln die Wände. Stück für Stück und unüberhörbar frisst sich der Abrissbagger durch das Industriedenkmal. Bis Ende 2021 will die Stadt Finsterwalde dort eine neue, moderne und multifunktionale Stadthalle bauen. Mit erhaltenen baulichen Details früherer Industriekultur wird sie ein besonderes Flair bekommen.

So soll die neue Stadthalle Finsterwalde aussehen.
© Foto: Habermann Architekten

Seit Ende 2019 wird Platz geschaffen für das Finsterwalder Großprojekt. Baufeldberäumung, sagen die Leute vom Fach. Bevor etwas Neues entstehen kann, muss Altes weichen.

Finsterwalde

Von der Shedhalle bleibt nicht viel

Ein neugieriger Blick durch den Bauzaun verrät, dass vom Industriedenkmal Schaefersche Tuchfabrik nicht viel übrig bleiben wird. Das bestätigt der leitende Architekt Jürgen Habermann. „Wände und Dächer der Tuchfabrik kommen weg, das war so geplant wegen des fortgeschrittenen Verfalls“, sagt er auf Nachfrage. Selbst das erhaltenswerte Sheddach, eine seltene Bauweise für Fabrikhallen, braucht eine neue Dachhaut. „Von der Shedhalle bleiben nur die Stützen und Riegel“, sagt Habermann.

Stadthalle Finsterwalde Tuchfabrik macht Platz für moderne Stadthalle

Das alte Heizhaus und der Schornstein sind Bestandteil des Zukunftsprojekts. Aber wie mit ihnen zu verfahren ist, wird demnächst erst entschieden. Ein Gutachten soll dabei helfen.

Die nächsten Schritte

Die nächsten Schritte für den Bau der Stadthalle sind in Sicht. Jürgen Habermann: „Ab April erfolgt die medientechnische Erschließung durch die Stadtwerke Finsterwalde. Anfang Mai beginnt der Rohbau.“ Die Zeit drängt, denn wegen der bewilligten Fördermittel müsse man eigentlich bis Ende 2021 den Bau abschließen. Der leitende Architekt sagt klipp und klar, was das heißt: „Wir müssen mit aller Kraft ran.“

Viele Klippen umschifft

Viele Klippen hat das Projekt seit 2014 umschifft, bis die Stadtverordneten den Bau der Stadthalle im Februar 2019 beschlossen haben. Die Baugenehmigung für das vieldiskutierte 18 Millionen-Euro-Vorhaben – mehr als 10,6 Millionen Euro Fördermittel sind dafür sicher – wurde 2018 erteilt. Investive Mittel sind bei der Stadt haushalterisch für die Jahre 2020 bis 2023 eingeplant.

Erster Beschluss im Oktober 2014

Ein Rückblick: Die Stadtverordneten hatten am 22. Oktober 2014 den Beschluss gefasst, die finanziellen Voraussetzungen für den Umbau der Schaeferschen Tuchfabrik in eine Veranstaltungshalle zu schaffen. Für und Wider keimten auf. Vor allem an der Investitionssumme rieben sich die Geister. Im Frühjahr 2015 hat die Stadtverordnetenversammlung ein von der SPD initiiertes Bürgerbegehren gegen den Bau der nach damaligem Stand mehr als zehn Millionen Euro teuren Stadthalle für unzulässig erklärt. Dagegen wiederum haben die beiden Initiatorinnen beim Verwaltungsgericht geklagt. Mit Änderung der Einwohnerbeteiligungssatzung wurden die Voraussetzungen für einen Bürgerentscheid geschaffen. So dass am 13. November 2016 die wahlberechtigten Finsterwalder über das Projekt Stadthalle abstimmen durften. Ergebnis: mehrheitliche Zustimmung.

Die Planungen nahmen Fahrt auf. Bis wegen deutlich gestiegener Investitionskosten auf fast 20 Millionen Euro Bürgermeister Jörg Gampe im Sommer 2018 plötzlich einen, selbst für die Architekten und Planer überraschenden Planungsstopp für die Stadthalle Finsterwalde ausgesprochen hat. Diese Phase währte mehrere Monate.

Ohne groß Abstriche zu machen, haben die Planer das Projekt „weiter qualifiziert“, wie es vor einem knappen Jahr hieß und sind bei einer Gesamtinvestitionssumme von knapp 18 Millionen Euro angekommen.

Vorfreude wächst

In der Stadt wächst indes die Vorfreude. Konzipiert ist eine Mehrfunktionshalle, die in jede Richtung nutzbar sein wird – mit mobiler Bühne, die 6,40 Meter tief und 14 Meter breit wird, und Sitzüberhöhung für die hinteren Reihen. Insgesamt wird das Haus einmal 600 Sitzplätze bieten. Der Finsterwalder Jürgen Habermann, der all die Jahre leidenschaftlich für das Projekt gekämpft hat, ist davon überzeugt: „Die Stadt braucht eine solche Stadthalle.“

Blick in den künftigen Saal der Stadthalle Finsterwalde.
© Foto: Habermann Architekten

Fertiggestellt ist mittlerweile die neue Erschließungsstraße mit Pkw-Stellplätzen und Buswendeschleife als Abzweig von der Finspångsgatan zum Stadthallengrundstück. Die Parktaschen dort werden bereits rege genutzt.