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Sprengkörper explodiert bei NPD-Demo in Finsterwalde

„Finsterwalde zeigt Gesicht – für Demokratie und Toleranz“ – auf dem Markt der Sängerstadt setzten Demokraten am Samstag ein Zeichen gegen eine Kundgebung der NPD. Linke Gewalttäter hielten die Polizei ebenfalls auf Trab. Foto: H. Lehmann
„Finsterwalde zeigt Gesicht – für Demokratie und Toleranz“ – auf dem Markt der Sängerstadt setzten Demokraten am Samstag ein Zeichen gegen eine Kundgebung der NPD. Linke Gewalttäter hielten die Polizei ebenfalls auf Trab. Foto: H. Lehmann FOTO: H. Lehmann
Finsterwalde. Zwei Verletzte, fünf vorläufige Festnahmen, rund 130 Polizeibeamte im Einsatz und zahlreiche Sachbeschädigungen bereits in der Nacht zuvor sind die Fakten nach einem brisanten Samstagvormittag in der Sängerstadt. Mit einem Straßenfest unter dem Motto „Finsterwalde zeigt Gesicht – für Demokratie und Toleranz“ wollten Parteien, Vereine und Einwohner von einer NPD-Kundgebung ablenken. Vertreter der, zum Teil gewaltbereiten, linken Szene – etwa dreimal so viele wie die knapp 20 angereisten NPD-Anhänger – machten es aber diesem Konzept der Stadt schwer. leh

Kunden des grünen Markts wurden am Samstag enttäuscht. Keine Blumen, kein Gemüse. Stattdessen Torwandschießen, Hüpfburg, die Finsterwalder Feuerwehren mit ihrem neuen Hubretter und einer Malstraße sowie Infostände von der CDU, der SPD und der Partei Die Linke. Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) freute sich über so viel Präsenz auf dem Markt. Kinder amüsierten sich, Neugierige genossen die Vogelperspektive aus dem Hubretter. Marcel Kupillas (24), stellvertretender Zugführer vom Löschzug Mitte, sowie weitere 19 Kameraden von Mitte, Süd und Sorno waren mit ihren Fahrzeugen vorgefahren. Die gut angenommene Malstraße wurde nach einer plötzlichen “Jagdszene„ zwischen Polizeibeamten und Vertretern der linksautonomen Szene abgebaut. Auf die Technikschau hatte man von vornherein verzichtet.

Finsterwalder zeigten mit ihrer Anwesenheit, dass rechtes Gedankengut in ihrer Stadt nicht willkommen ist. So auch Erwin Kerth (83), pensionierter Lehrer. “Manchmal ist es schon zu spät, dass Präsenz gezeigt wird, dann, wenn erste Körner bereits gesät wurden und aufgehen. Aber ich bin froh, dass heute die Mehrheit gegen diese Gesinnung eintritt„, sagte er. Dass der Bürgermeister öffentlich Position bezogen und zu diesem demokratischen Straßenfest aufgerufen hat, halten einige für mutig. Andere bedauerten, dass in der Stadt “kein Verbund der Bunten hinzukriegen ist„ und “die autonomen Linken sich provozieren lassen„. Viele Finsterwalder blieben aus Angst vor Krawallen lieber zu Hause, andere wollten nur mal gucken, so wie ein 69-jähriger Finsterwalder, der sein Rad an den grölenden politischen Gruppierungen vorbeischob. “So ein Aufwand„, schüttelte er den Kopf über die Polizeipräsenz. Dass die offenbar notwendig war, bewiesen ständige Provokationen auf beiden Seiten.

Harald Kalies, Nachwuchsleiter bei der Spielvereinigung Finsterwalde, begründet den Auftritt seines Vereins so: “Wir wollen, dass die Kinder zu uns auf den Sportplatz kommen, damit sie nicht dort hineingeraten - auf beide Seiten nicht„, deutete er auf die sich gegenüberstehenden Lager. “Deshalb hätte es noch mehr Angebote, auch von anderen Vereinen, die sich mit der Stadt identifizieren, geben müssen. Und mehr Besucher wären wünschenswert gewesen„, sagt er.

Die Gewalt hinterließ bereits vor Beginn der Demonstrationen ihre Spuren. Schon in der Nacht zum Samstag zog die Antifa Finsterwalde durch die Innenstadt. Viele Schmierereien, unter anderem am Bahnhof, zeugen davon. Der Samstag begann mit einem Sprengstoffanschlag auf dem Bahnsteig bei haltendem Zug. Ein Forster (19), ein Dresdner (21) und ein Berliner (31), die nach Angaben der Polizei der linken Szene zuzuordnen sind, wurden von der Polizei vorläufig festgenommen. Ermittelt wird wegen gefährlicher Körperverletzung, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Eine 47-jährige Finsterwalderin - eine unbeteiligte Reisende - musste mit Verdacht auf Knalltrauma ins Krankenhaus gebracht werden. Mit den gleichen Symptomen wird ein Angehöriger der Bundespolizei im Krankenhaus behandelt. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurden am Markt ein Sonnewalder (20) und ein Lauchhammeraner (35) vorläufig festgenommen.