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Autocross
Johnny aus Doberlug-Kirchhain ist Juniorenmeister

Autocross-Juniorenmeister John-Paul Strobelt aus Doberlug-Kirchhain vor seinem gelben Buggy. Im Hintergrund steht der umgebaute Linienbus, mit dem die Familie zu den Rennen unterwegs ist.
Autocross-Juniorenmeister John-Paul Strobelt aus Doberlug-Kirchhain vor seinem gelben Buggy. Im Hintergrund steht der umgebaute Linienbus, mit dem die Familie zu den Rennen unterwegs ist. FOTO: privat / LR
Doberlug-Kirchhain. Der 15-jährige John-Paul Strobelt ist vor kurzem deutscher Juniorenmeister im Autocross geworden. Mit seinem selbstgebauten Buggy setzte er sich gegen bundesweite Konkurrenz durch. Von Daniel Friedrich

Auf den Rennsport hat ihn einst sein Vater, Andreas Kaune, gebracht. Auch er ist seit vielen Jahren begeisterter Autocrosser. Seinen Sohn hat er zu den Rennen häufig mitgenommen und dabei ist offenbar der Begeisterungsfunke übergesprungen. Mit zehn Jahren durfte „Johnny“, wie ihn alle nennen, das erste Mal selbst hinters Lenkrad. „Ich bin bis heute von der Stimmung fasziniert. Auch wenn wir Fahrer im Rennen Konkurrenten sind, halten wir vor- und hinterher zusammen und sind befreundet“, erzählt der 15-Jährige.Während er anfangs noch mit gedrosselter Motorleistung fahren musste, ist Johnny heute mit einem Motorradmotor von 62 PS unterwegs. „Auf gerader Asphaltstrecke kann man damit bis zu 160 km/h schnell werden.“ Doch die erreichen die Fahrer auf den unebenen Offroad-Bahnen selten. Im Schnitt sind sie mit 70 Kilometern in der Stunde auf den meist kurvenreichen Strecken unterwegs. Ein Führerschein ist zwar nicht nötig, aber eine jährlich neu zu beantragende Fahrlizenz müssen die jungen Autocrosser nachweisen.

Sein gelbes Rennfahrzeug hat Johnny mithilfe seines Vaters und Freunden selbst zusammengebaut: Der 2,60 Meter lange und 1,60 Meter breite Buggy wird am Heck angetrieben. Ein Dach und ein Schutzgitter sorgen für Sicherheit bei Zusammenstößen. „Außerdem trage ich beim Fahren einen Helm und feuerfeste Kleidung“, berichtet der Doberluger. Zusätzlich gibt es im Fahrzeug ein Rückhaltesystem, das Kopf und Rücken vor Erschütterungen bewahren soll. „Angst darf man trotzdem nicht haben“, sagt Johnny, denn die Fahrer gingen beim Rennen schon an die Grenzen der Physik. Sein technisches Verständnis über Motoren und Antriebe frischt Johnny zusammen mit anderen Mitgliedern des Motorsport-Clubs Doberlug-Kirchhain beim wöchentlichen Treffen auf. „Das hilft, im Falle eines Problems richtig reagieren zu können. Für die Unterstützung im Verein bin ich ziemlich dankbar“.

Ein regelmäßiges Training gibt es praktisch nicht. Weil in der Nähe keine geeignete Strecke existiert, bleibt nur das freie Training und das Zeittraining kurz vor dem eigentlichen Rennen. Das wiederum besteht aus dem Wertungsrennen – einer Art Qualifikation – und dem anschließenden Finalrennen. Pro Rennen müssen die Autocrosser im Schnitt acht ungefähr 1000 Meter lange Runden drehen. „Entscheidend dabei ist die Reaktionszeit und der Start. Dies Fähigkeiten trainiere ich parallel bei der Leichtathletik“, berichtet John-Paul Strobelt.

Bei insgesamt sieben Rennveranstaltungen in der abgelaufenen Saison konnte er sich schließlich unter zehn Fahrern seiner Altersklasse durchsetzen. Auch, wenn es beim letzten Rennen im bayerischen Kesseltal technische Probleme an der Zündkerze gab: Den Juniorenmeister-Titel konnte ihm niemand mehr nehmen. Nächstes Ziel ist nun die Teilnahme an der Europameisterschaft, bei der Johnny eigentlich schon dieses Jahr antreten wollte: „Aber weil es in der Deutschland-Meisterschaft so gut lief, habe ich das aufgeschoben“.

Die EM beginnt im Mai 2018 und führt unter anderem ins Baltikum. Dabei könnte es mitunter zur Herausforderung werden, Hobby und Schule unter einen Hut zu bekommen. Doch auch dabei möchte ihn seine Familie so gut es geht unterstützen. Sie hat extra einen alten Doppelstockbus als fahrendes Wohnmobil für bis zu neun Personen umgebaut. Damit können Johnnys Familie und Unterstützer auch bei weit entfernten Rennen mit dabei sein. Und ganz egal, wohin Johnny seine Motorsport-Karriere einmal führt. Beruflich möchte der Doberluger Autocrosser später seine Faszination für Fahrzeuge in jedem Fall nutzen und in die Motorenentwicklung gehen.