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| 18:12 Uhr

Zeitreise im Kino
Spielfilm lockt mehr als 300 Schüler an

Zeitzeuge Karsten W. Köhler, Schauspieler Florian Lukas und „Filmernst“-Projektleiter Dr. Jürgen Bretschneider (von links) im Gespräch.
Zeitzeuge Karsten W. Köhler, Schauspieler Florian Lukas und „Filmernst“-Projektleiter Dr. Jürgen Bretschneider (von links) im Gespräch. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. „Das schweigende Klassenzimmer“ berührt die Jugendlichen im Finsterwalder Kino „Weltspiegel“. Von Jürgen Weser

Ausnahmezustand der positiven Art herrschte am Dienstagvormittag im Finsterwalder Kino „Weltspiegel“. Das Projekt Kinder-Kino-Spezial war mit zwei Filmen und Gesprächspartnern angereist und hatte gemeinsam mit Kinobetreiberfamilie Siegert Schulen eingeladen. Fast 150 Kinder und Jugendliche sahen den hochgelobten Kinderfilm „Königin von Thiendorf“ und mehr als 300 Jugendliche aus dem Sängerstadt-Gymnasium und dem Oberstufenzentrum Finsterwalde den zur Berlinale erstmals gezeigten Film „Das schweigende Klassenzimmer“ nach einer wahren Begebenheit. Dazu waren interessante Gäste gekommen.

Seit 2004 bietet „Filmernst“ Angebote für Schulen, um Kinder und Jugendliche mit aktuellen Filmen bekannt zu machen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Projektleiter Dr. Jürgen Brettschneider kennt das Finsterwalder Filmtheater als eines der engagiertesten Mitstreiter, um Filmkunst unterhaltsam zu vermitteln. Nachdem die Mädchen und Jungen von Grundschulen mit Regisseurin Joya Thoma noch mehr über die „Königin von Thiendorf“ erfahren hatten, herrschte zwei Stunden lang angespannte Aufmerksamkeit im großen Kinosaal.  Nicht selbstverständlich sei das bei 300 Jugendlichen, weiß Jürgen Brettschneider. „Das lag an dem spannenden Thema und den beeindruckenden Schauspielerleistungen“, urteilte Carola Giese, die am Oberstufenzentrum die Klasse Sozialassistenten besucht.

Erzählt wird in dem Film die Geschichte einer Schulklasse in der DDR, die vollständig nicht zum Abitur zugelassen wird. Grundlage für den Stoff ist eine tatsächliche Begebenheit aus dem Jahr 1956, als eine 12. Klasse in Storkow gegen die brutale Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes durch sowjetische Truppen mit Schweigeminuten protestiert, sich nicht gegenseitig verrät und deshalb vom Abi in der gesamten DDR ausgeschlossen wird. Für Hannah Schorten und Luisa-Maria Jahn erzählt der Film sehr glaubwürdig und differenziert ein Stück DDR-Geschichte und macht die Konflikte und Zweifel der Achtzehnjährigen deutlich, worüber die beiden 10.-Klasse-Gymnasiastinnen noch im Unterricht mit ihren Mitschülern weiter diskutieren werden.

FOTO: Jürgen Weser

Nach dem Film ließen sie sich gern mit Florian Lukas fotografieren. Der bekannte Schauspieler verkörpert im „Schweigenden Klassenzimmer“ den Schulleiter. Er erzählte als Gast im Filmgespräch von seinen Erfahrungen beim Dreh und wie er sich in die Rolle hineinversetzt hat. Spannend für die Schüler war auch, von Karsten W. Köhler die Hintergrundgeschichte zu erfahren. Er war einer der Schüler, die damals kurz vor dem Abitur von der Schule flogen. Er erzählte, wie es dazu gekommen war und wie nach der Flucht ihr Schicksal als Klasse im Aufnahmelager Marienfelde in Westberlin und dann in Benzheim, wo sie als Klasse ihr Abitur ablegten, weiter verlief.  Köhler war einer der Köpfe des Protestes 1956, ist 1993 wieder in die Heimat zurückgekehrt und lebt jetzt in Görlsdorf bei Luckau.