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Vorfreude auf Edelgemüse
Spargel steckt bald seine Köpfchen raus

Marius Robert Buga und Albie Ru Iona verlegen mit weiteren fünf Helfern auf einem Spargel-Schlag bei Zürchel Folie. Eckhard Kuhl, Geschäftsführer  der Spargelbau GmbH Sallgast, schaut vorbei. Jetzt gibt es kein Halten mehr für das Edelgemüse.
Marius Robert Buga und Albie Ru Iona verlegen mit weiteren fünf Helfern auf einem Spargel-Schlag bei Zürchel Folie. Eckhard Kuhl, Geschäftsführer der Spargelbau GmbH Sallgast, schaut vorbei. Jetzt gibt es kein Halten mehr für das Edelgemüse. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Sallgast. Das lange Warten hat ein Ende. Donnerstag öffnet die Gaststätte der Spargelbau GmbH in Sallgast ihre Pforten. In Gasthäusern der Region werden die Karten aktualisiert. Das Edelgemüse wird vielerorts sehnsüchtig erwartet. Von Gabi Böttcher

Ostern ohne Spargel – das gefiel so manchem Konsumenten gar nicht. Das Gastwirtspaar Werner und Gabi Jünigk aus Lieskau muss sich trotz  heißen Drahtes zu den Sallgaster Spargelbauern ebenfalls gedulden. Spätestens am nächsten Wochenende soll jedoch auch hier die Karte mit etwa zehn Spargelgerichten vorliegen.  „Wir warten sehnsüchtig auf die erste Lieferung“, bestätigt Gabi Jünigk.

„Der Spargel ist angetrieben und hat genug Feuchtigkeit. Der Frost war auch noch mal gut für ihn. Er braucht den Kälteanreiz, um danach gut zu wachsen“, schätzt  Eckhard Kuhl, Geschäftsführer der Spargelbau GmbH Sallgast, die Lage mit Zuversicht ein. Die Zeit des Wartens auf das Edelgemüse geht auch beim größten Anbaubetrieb in Elbe-Elster zu Ende. In dieser Woche sind zuletzt auf einem zwei Hektar großen Schlag bei Zürchel, auf dem in diesem Jahr erstmals Spargel geerntet wird, die Folien gelegt worden. Vier polnische und drei rumänische Helfer rollten zunächst die erste Schicht aus – mit ihrer schwarzen Seite nach oben. „Die schwarze Seite fängt die Sonne ein. Steigen die Temperaturen bis auf etwa 30 Grad, dann wird die weiße Seite nach oben gekehrt. Drei bis vier Grad weniger macht das dann für den Spargeldamm aus“, erklärt der Geschäftsführer.

Auch im Landwirtschaftsbetrieb von Richard Mehnert in Doberlug-Kirchhain sind die Reihen gedämmt. In der nächsten Woche rechnet Ingrid Mehnert jedoch noch nicht mit dem ersten Edelgemüse. „Da müsste der Deibel reingehen. Unsere Flächen liegen frei. Ich finde es auch gar nicht gut, wenn der Spargel zu zeitig kommt, da hat mancher im Juni gar keinen Appetit mehr darauf“, sagt Ingrid Mehnert. Auch Lutz Tannenläufer aus Massen, der auf einem Hektar Spargel anbaut, rechnet erst zwischen dem 20. und 25. April mit der ersten Ernte. 30 Hektar groß ist Mehnerts Anbaufläche, ein kleiner Teil davon befindet sich unter Mini-Tunneln. Solche Mini-Tunnel haben die Sallgaster Spargelbauern auf einer Fläche von insgesamt 30 Hektar aufgebracht. Alles in allem verfügen sie über 75 Hektar Anbaufläche – in bewährter Kooperation mit den Agrarbetrieben Lieskau/Dollenchen und Bronkow.  Mini-Tunnel  bewirken, dass die Ernte um etwa 14 Tage eher erfolgen könne, erklärt Eckhard Kuhl. Die Tunnel verfügen neben einer ersten Folie auf dem Erddamm über eine zweite, durchsichtige Folienschicht, die über einen Drahtbügel gezogen wird und ein Luftpolster zwischen beiden Folienlagen bewirkt. Angesprochen auf die vielfach in der Kritik  stehende Anwendung von Folien im Spargelanbau, argumentiert Eckhard Kuhl mit den Vorteilen. Schutz vor Unkraut vermeide Unkrautbekämpfung. Außerdem erodiere der Boden weniger stark. „In Deutschland sind insgesamt nur zwei Prozent der Ackerfläche unter Folie. Da wird ein Thema unverhältnismäßig hochgespielt“, sagt der erfahrene Spargelbauer der  vor 18 Jahren in den Betrieb der Schwiegereltern eingestiegen war und seit zwölf  Jahren dessen Geschäftsführer ist.

Für ihn und das Unternehmen liegt Veränderung in der Luft. „Der Betrieb wird veräußert“, kündigt Eckhard Kuhl an, der im Dezember kommenden Jahres seinen 65. Geburtstag feiert. Von den vier Gesellschaftern, den Familien Hentschel, Kuhl sowie Pohl Senior und Junior habe keiner Interesse, den Betrieb weiterzuführen. Dass jedoch auch in Zukunft weiter Sallgaster Spargel angebaut  wird, ist  das Ziel. „Wir arbeiten dran“, ist Eckhard Kuhl zuversichtlich hinsichtlich einer Unternehmensnachfolge.

Vielleicht lebt mit neuem Schwung  dann auch wieder die Tradition der Wahl einer Spargelkönigin  auf. 2016 war – bereits mit  Werbung bis zur letzten Minute – mit Peggy Mettcher aus Massen die 13. Spargelkönig gekürt worden. Sie startet nunmehr schon in ihre dritte Saison.  Auch der noch bis zum Vorjahr mit der Erzeugergemeinschaft der Spargelbauern aus Lipten, Klein Radden und Sallgast gemeinsam gefeierte Saisonauftakt fällt in diesem Jahr aus. Darauf habe man sich nach der im vorigen Jahr nicht optimal gelaufenen Veranstaltung verständigt. Eckhard Kuhl konstatiert, dass die Aufregung um den Spargel nicht mehr  so groß sei wie noch vor einigen Jahren. „Es ist alles so selbstverständlich geworden“, bedauert er – um aber gleich nachzuschieben: „Unser Hoffest findet aber statt. Diesmal am 10. Juni und wie gewohnt mit einer Tombola.“

Aus den sieben jungen Männern, die seit einigen Tagen sozusagen als Vorhut mit dem Aufbringen der Folien auf den Sallgaster Spargelfeldern  beschäftigt sind, werden in der Erntezeit insgesamt 140 Leute. Etwa 100 von ihnen kommen aus Polen beziehungsweise Rumänien. Anders sei die Arbeit nicht zu bewältigen. Dringend suche man noch ein paar Männer für die Arbeit auf dem Hof. Mindestlohn werde für alle gleichermaßen gezahlt. Welche Kenntnisse dafür erforderlich seien? „Der normale Menschenverstand“, sagt Eckhard Kuhl.

Was den Spargelbauern der Region zuerst einfällt, wenn sie an leckerere Spargelgerichte denken? Die Kombination mit dem Schnitzel steht oben auf der Hitliste. Aber auch Lendchen, Zunge, Kochschinken oder einfach nur Butter werden als kulinarische Partner des Edelgemüses genannt. Na dann, bald wieder wohl bekomms.