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Sonnewalde schwächt Crinitzer Grundschule

Sonnewalde / Crinitz / Massen.. Jetzt ist es amtlich: Noch nicht im kommenden, aber im dann folgenden Schuljahr 2004/05 werden die Kinder aus den Sonnewalder Ortsteilen Großbahren, Kleinbahren, Goßmar, Pießig und Dabern nicht mehr wie bisher in der Crinitzer, sondern in der Sonnewalder Grundschule eingeschult. Das beschlossen die Stadtverordneten nach längerer Debatte einstimmig. Dieter Babbe


Nach einer Vereinbarung aus dem Jahre 1998 wurden Schüler einiger damals noch eigenständiger Dörfer aus dem Amt Sonnewalde in der Crinitzer Grundschule im Amt Massen eingeschult. Dringendes Anliegen der Stadt Sonnewalde sei es jetzt, künftig das Schuleinzugsgebiet dem nach der Gebietsreform neu entstandenen Stadtgebiet mit den 14 Ortsteilen anzupassen, so der Tenor in der Stadtverordnetenversammlung. Bereits im vorigen Jahr habe Massens Amtsdirektor um eine Entscheidung in der Sache gedrängt, so die Sonnewalder Amtsdirektorin Silke Neisser: Er wolle Planungssicherheit für die nächsten Jahre für die Crinitzer Grundschule, wo Sanierungsarbeiten anstünden.

Sonnewalde: kleinere Klassen
Die Grundschule in Sonnewalde sei gegenwärtig einzügig, aber dennoch für die nächsten zehn, zwölf Jahre - auch ohne die zusätzlichen „Crinitz“ -Schüler - nicht in ihrem Bestand gefährdet, betonte die Amtsdirektorin - und korrigierte damit anders lautende öffentliche Äußerungen. Dennoch hätte die Übernahme der Schulträgerschaft für die fünf genannten Ortsteile zwei wesentliche Vorteile für die Stadt Sonnewalde: Diese Grundschule könnte dann zweizügig einschulen - mit einer deutlich geringeren Schülerzahl in jeder Klasse, die das Lernen und Lehren leichter macht, argumentierte die Amtsdirektorin. Und: Die Stadt Sonnewalde zahlt für die nach Crinitz entsendeten Schüler jährlich etwa 25 000 Euro Schulumlage an das Amt Massen. „Das Geld können wir lieber in unsere Gesamtschule stecken, die - obwohl sie leer ist - auch Kosten verursacht“ , meinte Marita Sädler vom Sonnewalder Schulamt: „Zwei Schulen zu finanzieren, das können wir uns nicht leisten.“
Möglicherweise müsse man andernfalls sogar noch eine dritte Grundschule mitfinanzieren, gab Lutz Große aus Pahlsdorf zu bedenken: Wenn auch Kinder aus Sonnewalde die evangelische Schule in Finsterwalder besuchen sollten.

„Schul- und Stadtbereich eins“
Für die Crinitzer Grundschule wird der Sonnewalder Beschluss nicht ohne Folgen bleiben. Diese Schule sei ohne die Sonnewalder Kinder in ihrem Bestand gefährdet, meinte jedenfalls Silke Neisser - und: „Auf uns hat auch keiner Rücksicht genommen. Bei unserer Gesamtschule haben wir das letzte Geld zusammengekratzt, um sie zu sanieren. Dann wurde sie geschlossen.“
Damit traf die Amtschefin offensichtlich den Nerv der Stadtverordneten. „Das Amt Sonnewalde ist jetzt eine Stadt, nun wollen wir auch unsere Kinder wieder zurückhaben“ , bezog Bürgermeisterin Hannelore Dißler klar Position. Einzig Winfried Kuboth aus Zeckerin hatte zunächst Zweifel: Wenn die Sonnewalder Grundschule ohnehin mittelfristig eine sichere Zukunft habe, „müssen wir auch an die Crinitzer denken“ . Am Ende stimmte aber auch er für eine Kündigung der Vereinbarung über die Schulträgerschaft.
Für das Amt Kleine Elster ist das Schicksal der Crinitzer Grundschule keineswegs besiegelt. „Sicher wird es ohne die Sonnewalder Kinder sehr eng werden“ , räumte Frau Steinigk vom Schulamt in Massen gestern im RUNDSCHAU-Gespräch ein. „Wenn alle Stränge reißen, gibt es noch die Möglichkeit einer so genannten Kleinen Grundschule, wie wir sie in Sallgast haben.“ Sie hätte es besser gefunden, wenn sich die Sonnewalder und die Massener bzw. Crinitzer Abgeordneten vor dem Beschluss „mal an einen Tisch gesetzt und gemeinsam darüber geredet hätten“ . Doch dazu war man in Sonnewalde nicht mehr bereit.