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Sogar ein Extra fürs Lampenfieber

Diese sogenannte Axonometrie zeigt das Ensemble der Finsterwalder Stadthalle.
Diese sogenannte Axonometrie zeigt das Ensemble der Finsterwalder Stadthalle. FOTO: Quelle Habermann Architekten
Finsterwalde. Bis Anfang September soll der Bauantrag für die Finsterwalder Stadthalle gestellt werden. Veränderungen in der Bau- und der Lüftungsverordnung müssen in das Projekt einfließen. Statt einem gibt es jetzt zwei Treppenhäuser. Gabi Böttcher

Den Finsterwalder Stadtverordneten präsentierte sich in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause ein imposanter Ausblick auf die lange heiß umkämpfte Stadthalle in der Oscar-Kjellberg-Straße. Die intensive Phase der Arbeit am Bauantrag läuft. Im August soll er abgabereif sein. Die Architekten Jürgen und Clemens Habermann ermöglichten Stadtverordneten und Gästen einen detaillierten Blick hinter die Kulissen. Mit etwas Phantasie war es so möglich, schon einmal durch die historische Toranlage zu schreiten und auf der Galerie im Eingangsbereich entlangzuschlendern. Von dort öffnet sich der Blick auf den historischen Webstuhl im Foyer. Eine kleine Ausstellung informiert über die Industriegeschichte es wiederbelebten Ortes.

Zuvor hatte der Gast mit dem Blick auf die historische Ziegelwand bereits seine Garderobe abgegeben. Unter dem letzten in der Stadt erhaltenen Sheddach hat er an der Bar ein Gläschen zur Einstimmung auf einen kulturvollen Abend genossen. 608 Sitzplätze, einschließlich behindertengerechter Plätze, sind im Saal vorgesehen. Dieser ist im Zusammenspiel mit Ton- und Lichttechnikern jetzt im Detail zu planen. Neu ins Spiel gekommen ist die Überlegung, auch eine Bühne in der Mitte des Saales zu ermöglichen. Wie Clemens Habermann gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, werde dies im Zusammenspiel mit den Fachplanern und in Abwägung der Auswirkungen auf die Kosten in den nächsten Wochen genau betrachtet. Aussage von Jürgen Habermann vor den Stadtverordneten: "Der aktuelle Kostenstand ist noch der, den Sie kennen." (Für den Umbau der Schaeferschen Tuchfabrik in eine Veranstaltungshalle sind 11 070 000 Euro veranschlagt, d.R.)

Die visuelle Reise in die künftige Veranstaltungshalle der Sängerstadt verdeutlichte verschiedene Varianten der Saalkonfiguration. Es bleibt bei der Ursprungsüberlegung, in der großen Variante des Saales die insgesamt gut 600 Sitze ab der 13. Reihe aufsteigen zu lassen. Auch bleibt es bei 140 Sitzplätzen, die mit einer kleinen Bühne abzutrennen sind.

Jürgen Habermann gab vor den Stadtverordneten zu bedenken, dass die Anzahl verschiedener Varianten zwangsläufig die Anforderungen an die Komplexität der Lösungen erhöht. Denn mit jeder Variante der Nutzung müssen Licht-, Ton- und Klimalösungen abgestimmt sein.

Neu im derzeitigen Planungsstand sind zwei Treppenhäuser. Im Zusammenhang mit der Überarbeitung des Brandschutzkonzeptes habe sich das als vorteilhaft gegenüber einem Treppenhaus und einem Rettungsweg herausgestellt.

Ebenso abgekommen sind die Architekten von einem zentralen Lüftungssystem. Einem dezentralen Lüftungskonzept wird nun der Vorzug gegeben. Optimal in das Sheddach integrieren lassen sich Photovoltaikelemente. Tags gewonnene Energie soll über die sogenannte Eisspeichertechnologie nutzbar gemacht werden.

Vorgesehen sind zwei Garderoben für Solisten, die jeweils über ein eigenes Bad und WC verfügen, sowie zwei größere Garderoben für Ensembles. Sogar an ein Not-WC in der Nähe des Bühnenzuganges ist gedacht - für den Fall allzu großen Lampenfiebers.

Von Lampenfieber verschont dürften die Gäste der Veranstaltungen bleiben. Für sie öffnet sich zur Entspannung in den Pausen als Pendant zum Eingangsbereich ein kleines Pausenfoyer, über das der Hof zu erreichen ist.

Aufgabe der nächsten Monate ist neben der Arbeit am Herzstück des Areals - der Veranstaltungshalle - auch ein Nutzungskonzept für die Kjellberg-Garagen. Gut vorstellbar ist hier ein Rückzugsraum für Service und Technik.

Einige Geduld ist hinsichtlich der Umsetzung der Pläne nach Erteilung der Baugenehmigung vonnöten. EU-weite Ausschreibungen mit Fristen von acht Monaten lassen einen Baustart zunächst für Abriss und Entkernung frühestens im Herbst 2018 realistisch erscheinen.

Zum Thema:
Noch vor dem ersten Spatenstich für die Stadthalle sammelt der Förderverein für einen erstklassigen Konzertflügel. Den Auftakt gab die Wohnungsgenossenschaft Finsterwalde, die zu ihrem 90. Geburtstag anstatt Blumen Spenden für den Flügel erbat. Elke Koinzer, Schatzmeisterin des Fördervereins, kontrollierte gestern den Kontostand: 2280 Euro.