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Ein Idyll für Mensch und Tier
„Silvester hilft nur die Flucht aus Berlin“

Beatrice Burmeister (r.) mit ihrer Mutter und der Hundefamilie in der Pension von Anne Sasson (M.).
Beatrice Burmeister (r.) mit ihrer Mutter und der Hundefamilie in der Pension von Anne Sasson (M.). FOTO: Dieter Babbe
Heideland. Hundehalter zieht es in diesen Tagen wegen der Knallerei zum Jahreswechsel in den ruhigen „Hof Heideland“ in Eichholz. Von Dieter Babbe

Hochbetrieb herrscht in diesen Tagen auf dem „Hof Heideland“ im kleinen Dorf Eichholz im Elbe-Elster-Kreis. Vor allem Großstädter verbringen dort mit ihren Hunden den Jahreswechsel.

Was zieht so viele Besucher gerade jetzt ins tierfreundliche Heidedorf? „Sie flüchten vor der lauten Silvesterknallerei. Die macht viele Hunde krank“, weiß Anne Sasson, die Inhaberin vom „Hof Heideland“.

Mit immerhin neun Chihuahua-Hunden ist Beatrice Burmeister aus Berlin schon Weihnachten angereist, zusammen mit den Eltern und ihren beiden Australian Shepherds. „In der Silvesternacht, auch schon davor und danach glaubt man, bei uns in Marzahn herrscht Krieg – so laut knallt und donnert es überall. Unsere Hunde leiden darunter sehr, sie bekommen panische Angst, hecheln, zittern, verkriechen sich. Oft dauert es Wochen, bis sie sich von dem Schock wieder erholt haben. Medikamente dagegen helfen nicht wirklich. Unseren Hunden hilft zum Jahreswechsel nur die Flucht aus Berlin“, erzählt Beatrice Burmeister, warum es sie so nach Eichholz zieht, wo sich die Silvesterknallerei in Grenzen hält.

Über Facebook habe sie vom „Hof Heideland“ erfahren. Den früheren Bauernhof hat Anne Sasson aus Berlin vor zwei Jahren zusammen mit ihrer Freundin erworben und zu einem Urlaubsdomizil für Familien insbesondere mit großen und vielen Hunden eingerichtet.

Aus ganz Deutschland kommen inzwischen Familien mit ihren Tieren nach Eichholz in Südbrandenburg – und das nicht nur zum Jahreswechsel. „Die Wohnungen und Zimmer sind so groß, dass sich alle darin wohlfühlen können“, sagt Anne Sasson – und verweist auch auf den eingezäunten Hundeauslauf und auf die 1300 Quadratmeter große Spielwiese hinter der Scheune, wo die Tiere nach Herzenslust toben können.

„Gleich am Grundstück beginnt der Wald, wo wir ausgedehnte Spaziergänge machen können – oftmals ohne einen Menschen zu treffen. Das kennen wir von zu Hause nicht“, sagt Gabriele Wiebking aus Hannover, die mit ihrem Mann und den beiden Greyhounds bereits das zweite Jahr nach Eichholz gekommen ist. Hier berichten sie vom Schicksal ihrer beiden Windhunde – die das Ehepaar aus einem Rennstall in Irland gerettet hat, wo Hunderennen zur Tradition gehören. „Unser Nikita hat an 49 Rennen teilgenommen“, verweist Gabriele Wiebking auf den fünfjährigen Rüden – und erzählt: „Die Renntiere stehen permanent unter Stress und werden wie Leistungssportler gehalten, bei den Haltern geht es um viel Geld. Wenn die Hunde nicht mehr schnell genug und ausgepowert sind, werden sie entsorgt – entweder kommen sie ins Tierheim oder sie werden getötet.“

Beides ist Nikita und auch der zweijährigen Bonnie, die zwar fürs Rennen gezüchtet, aber schon nach sechs Monaten aussortiert wurde, erspart geblieben. Während sie in Hannover mit Frauchen und Herrchen in einem Reihenhaus wohnen und in einem Kleingarten Auslauf haben, genießen alle Vier in Eichholz vor allem die weite Landschaft. „So haben wir erstmals auch die Sängerstadt und den Liegenden Eiffelturm in Lichterfeld kennengelernt, der im unteren Bereich auch mit Hunden besucht werden kann“, freut sich Gabriele Wiebking.

Wenn Wiebkings und Burmeisters das nächste Mal zum „Hof Heideland“ kommen, gibt es eine Neuigkeit. Anne Sasson, die bereits in Berlin erfolgreich als Tierheilpraktikerin arbeitet, will bis zum Frühjahr eine neue Praxis auf ihrem Bauernhof einrichten. Auf dem Wege der Homöopathie will sie in Eichholz kranken Tieren helfen – und dann vielleicht auch Hunden und Katzen von ihrem Schock aus der Silvesternacht befreien.