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Silhouetten mit Witz für Doberlug

So wie dieses Fräulein Adelheid von Mildenstein könnte Herzog Christian I. bald durch das Schloss Doberlug spazieren. Die Silhouettenfilmtechnik von Jörg Herrmann macht es möglich.
So wie dieses Fräulein Adelheid von Mildenstein könnte Herzog Christian I. bald durch das Schloss Doberlug spazieren. Die Silhouettenfilmtechnik von Jörg Herrmann macht es möglich. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Herzog Christian I. wird noch in diesem Jahr im Schloss Doberlug zu neuem Leben erweckt. Als Silhouettenfigur mit samt Hofstaat und Stimme. Heike Lehmann

Wenn der erste Teil der Dauerausstellung "Doberlug und das sächsische Brandenburg" auch die Zeit seiner Schlossvollendung, der Stadtgründung, der Jagden und Regierungsgeschäfte erzählt. "Die Ausstellung wird Inhalte klassisch museal mit Objekten und Erklärtexten vermitteln. Dazu haben wir uns mediale Unterstützung gewünscht, die alle Alters- und Zielgruppen anspricht", sagt Babette Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Schloss Doberlug, eines von vier Häusern im Museumsverbund Elbe-Elster. Der Ideenkatalog enthält Spiele und Hörstücke, aber auch Filme.

Für die mediale Ausstattung gab 68 000 Euro über die Leader-Förderung. 17 000 Euro kommen als Eigenanteil dazu. Eine beschränkte Ausschreibung mit Teilnehmerwettbewerb ist erfolgt. Mehr als 20 Interessenten hatten sich beworben. Der Zuschlag ging an die "torhaus architekten + gestalter Branitz", die sich schon um die Gestaltung der Dauerausstellung kümmern und für die Animation mit dem weit und breit einzigen Silhouettenfilmer Jörg Herrmann aus dem sächsischen Kreischa kooperieren. "Entscheidend war für uns die Grundidee. Wie gut passt sie zu uns und zum Schloss?", erklärt Babette Weber. "Vom Silhouettenfilm waren wir sofort angetan. Damit lassen sich gut Inhalte vermitteln. Das passt in die Blütezeit des Schlosses. Und es wird etwas Besonderes für unser Museum."

Jörg Herrmann, der jetzt zum ersten Mal in Doberlug-Kirchhain war, ergänzt: "Silhouetten waren nirgendwo in Deutschland so verbreitet wie in Mitteldeutschland." Sofort hat er ein Beispiel seiner Arbeit parat: Fräulein Adelheid von Mildenstein. Zweidimensional aus schwarzer Pappe geschnitten und mit Gelenken versehen, sodass sie "anatomisch exakt", Sequenz für Sequenz, bewegt werden kann. "Eine Darstellung mit Seele! Das schafft kein Computer", versichert Jörg Herrmann. Die Dame des sächsischen Adels war 1798 zur Kur in Bad Lauchstädt. Die Geschichte dazu gibt es bereits als Silhouettenfilm aus der Werkstatt von Jörg Herrmann, der übrigens beim Internationalen Schlingel Festival in Chemnitz 2011 für "Der siebente Rabe" mit einem Preis für die beste Animation geehrt wurde.

Enrico Nowka vom Gestalterteam begründet, warum man Jörg Herrmann und dessen Silhouettenfilmkunst mit ins Boot geholt hat: "Es wird Objekte in der Ausstellung geben, die sich nicht auf Anhieb für jeden erschließen lassen. Dabei sollen die Filmchen helfen. Und seine Filme haben Witz." Das gefällt auch Dr. Rainer Ernst, dem Leiter vom Museumsverbund. Und Babette Weber unterstreicht: "Verfilmt werden sollen Anekdoten und Histörchen, nah an der historischen Wahrheit, aber mit ein bisschen Ironie."

Bei einer zweistündigen Führung durchs Schloss ist Jörg Herrmann mit Fakten und Literatur "gefüttert" worden. Jetzt hat er die Aufgabe eine Ideenskizze für vier vollanimierte Filme - jeder allerdings kürzer als fünf Minuten zu erstellen. Die wird dann auch den Kuratoren vorgestellt. Nächster Schritt wäre das Storyboard, bevor die Umsetzung folgt.