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| 18:39 Uhr

Finsterwalde
„Ambu Süd“ feiert einen Runden

Dr. Arnulf Sallach ist Mann der ersten Stunde im Ärztehaus Süd. Als Kinderarzt war er von der feierlichen Einweihung am 1. Juli 1978 bis zur Wende hier ärztlicher Leiter.  Am Mittwoch verschafft er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Eindruck von der Geschichte des Hauses.
Dr. Arnulf Sallach ist Mann der ersten Stunde im Ärztehaus Süd. Als Kinderarzt war er von der feierlichen Einweihung am 1. Juli 1978 bis zur Wende hier ärztlicher Leiter. Am Mittwoch verschafft er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn einen Eindruck von der Geschichte des Hauses. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Finsterwalde. Mit einem Sommerfest wird am Mittwoch der 40. Geburtstag des Ärztehauses Süd, unter Einheimischen gern „Ambu Süd“ genannt, gefeiert. Dr. Arnulf Sallach, Pionier der ersten Stunde, trifft dabei auf Bundes­minister Jens Spahn.

Lange hatte Dr. Arnulf Sallach, der Kinderarzt mit Leib und Seele, seinerzeit überlegt, ob er zu seiner Tätigkeit als Facharzt auch noch die ärztliche Leitung des Hauses in der Westfalenstraße übernehmen sollte. Trotz eines Arbeitstages oftmals schon jenseits der Belastungsgrenze bereut er es heute nicht, sich für das Wachsen der Einrichtung eingesetzt zu haben und bis zur Wende deren Leiter gewesen zu sein. Mit 44 Mitarbeitern und sieben Ärzten gestartet, waren zehn Jahre später – im Jahr 1988 – schon 71 Mitarbeiter, 15 Fachärzte und zwei Zahnärzte in Ausbildung hier tätig. 600 bis 700 Patienten wurden täglich behandelt. „In Grippezeiten konnten es schon mal 1000 sein“, blickt der Chef in Rente zurück.  „Positiver Stress ist immer gut“, sagt der heute  78-Jährige aus Überzeugung und freut sich, dass das Ärztehaus Süd heute – zehn Jahre nach seinem Abschied – seinen 40. Geburtstag feiern kann.  Im Jahre 1997 erfolgte dann ein weiterer, für die Zukunft des Hauses entscheidender Schritt. Bis dahin als Einrichtung des kreislichen Gesundheitswesens geführt, sollte das Haus verkauft werden.  Mediziner schlossen sich zusammen, gründeten  eine GbR und halten das Schiff als Eigentümergemeinschaft  bis heute auf sicherem Gewässer.

Glücklich ist Dr. Sallach, dass hier seit gut fünf Jahren das Ärztenetz Südbrandenburg (ANSB GbR) seine ANSB med Zentrum GmbH führt, die im Volksmund das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) des Ärztenetzes ist. Angestellt sind hier die Allgemeinmedizinerinnen Doreen Schumann und Gudrun Lexow, seit dem Frühjahr 2016 der Augenarzt Przemyslaw Naturski und ein weiteres Urgestein des Ärztehauses – der Gynäkologe Dr. Dieter Pohle. Mit ihm und  Christel Biernat hatte das Medizinische Versorgungszentrum des Ärztenetzes am 1. Juli 2012 seine offizielle Geburtsstunde erlebt. Im Ärztehaus befinden sich weiterhin die Hausarzt-Praxen der niedergelassenen Ärzte Oliver Schwarz und Marcel Böhme, die Zahnarztpraxen von Margit Borm und Kathrin Robbert, der Pflegedienst der AWO, eine Physiotherapie von Doreen Pawlak und die Süd-Apotheke von Erhard Weiß. Zu sehen gibt es für Jens Spahn am Mittwoch also eine Menge.

„Wer weiß was aus dem Haus geworden wäre, wenn wir nicht als Käufer agiert hätten. Dann würde es das Ärztehaus vermutlich so nicht mehr geben“, blickt  Dr. Arnulf Sallach zurück. Groß seien die Vorteile des Zusammenwirkens unter einem Dach gewesen, denkt er zurück. Da sei ein Patient mit Symptomen, die bei  einem Fachkollegen  besser aufgehoben waren, schnell mal direkt weitergeschickt worden.

Was Dr. Sallach dem noch frisch im Amt des Bundesgesundheitsministers agierenden Jens Spahn gern ans Herz legen möchte? Da braucht es kein Überlegen: Die Politik muss sich  um die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung im ländlichen Raum kümmern, die Ärzte von Bürokratie befreien, sich für eine bessere Zusammenarbeit mit den Kassen einsetzen und Anreize für Ärzte schaffen, aufs Land zu kommen. Gut findet der Arzt im Ruhestand den Ansatz des Landkreises Elbe-Elster, dies über ein  Stipendium für Medizinstudenten zu versuchen. Die Planung im Gesundheitswesen der DDR habe er  übrigens durchaus als erfolgreich erlebt. „Anfangs haben wir uns hier auch fast zu Tode gearbeitet. Dann wurde genau untersucht, wie viele Kinderärzte entsprechend der Geburten gebraucht werden würden. Wenn es sich von allein nicht regelt, dann muss etwas dafür getan werden. Entscheidend ist die Verbesserung der Grundversorgung“, so der noch heute als Koryphäe anerkannte Arzt.