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| 02:42 Uhr

Schwimmendes Haus für Designpreis nominiert

Thomas Wilde in seinem bereits mit Preisen dekorierten Massener Büro mit dem visuellen Modell des "FreiLichtHauses".
Thomas Wilde in seinem bereits mit Preisen dekorierten Massener Büro mit dem visuellen Modell des "FreiLichtHauses". FOTO: Böttcher
Massen. Die schwimmenden Häuser der Massener Metallbau GmbH von Thomas Wilde erfreuen sich eines hohen Bekanntheitsgrades. Als ein Kind der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land aus der Taufe gehoben, gab es seit dem product design award im Jahr 2006 eine rasante Entwicklung. Jetzt geht es im Forschungsprojekt "autartec® – FreiLichtHaus" um neue Dimensionen. Gabi Böttcher

Eigentlich müssten insgesamt 15 Partner im Büro des Massener Metallbauers Thomas Wilde sitzen, um über das bis zum Jahr 2017 laufende gemeinsame Forschungsprojekt "autartec® - FreiLichtHaus" zu sprechen. Die Entwicklungsphase ist sportlich: Im Spätsommer nächsten Jahres soll mit dem Aufbau des innovativen Hauses begonnen werden. Für den Brandenburger Designpreis 2015 ist es bereits nominiert. Wo der Prototyp einmal stehen wird, ist noch mit einem Fragezeichen versehen. Klar scheint derzeit nur eins: im Lausitzer Seenland. Obgleich es inzwischen eine Offerte aus Berlin gibt, das Demonstrationshaus in die Hauptstadt abzuwerben.

Die Innovation folgt dem Traum des Menschen, sich selbst versorgen zu können, ohne an Medientrassen angeschlossen zu sein. In der "Neuen Landschaft Lausitz steht es für eine freiheitliche und autarke Wohnkultur für drei zusammenhängende Medien- beziehungsweise Energiebereiche: elektrische Energie, thermische Energie und wassertechnische Aufbereitung". So hört es sich in feinstem Technik-Marketing-Deutsch an. Und im Architektur-Deutsch: Die jeweiligen Autarkiebereiche spiegeln sich am Gebäude in unterschiedlichen und sich durchdringenden Kuben wider.

Ziel ist es, die Fotovoltaik-Flächen so geschickt und für das Auge des Betrachters ästhetisch in den Baukörper einzubringen, dass sie den größtmöglichen Energie-Gewinn ermöglichen. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass verschiedene Spezialisierungen zusammenfinden müssen, um ein optimales Ergebnis hervorzubringen. Das Demonstrationshaus, so beruhigt der Metallbauer, könnte zur Sicherheit aber auch auf eine komplette Medienanbindung zurückgreifen.

Im Oktober 2014 erfolgte der offizielle Start für den Innovativen Regionalen Wachstumskern autartec mit 15 Partnern aus Südbrandenburg und Ostsachsen. Hier werden Technologien und deren Gestaltung für autarke Gebäude entworfen, entwickelt und umgesetzt. Zum Design-Team gehören Architektin Marén Kupke von der AIB GmbH aus Bautzen, Produktdesigner Ernst-Eckart Schulze vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI aus Dresden und der Massener Metallbauer Thomas Wilde. Energieeffizienz auf schwimmenden Häusern in der brandenburgischen Seenlandschaft, die zudem ein Fest fürs Auge ist, das überzeugte das Bundesministerium für Bildung und Forschung als Fördermittelgeber und den Projektträger PtJ - Forschungszentrum Jülich.

Ein virtuelles Richtfest für das Haus werden die Projektpartner am 16. September beim Fraunhofer IVI in Dresden feiern.

Entscheidung im November

Ob es dafür auch den Brandenburger Designpreis 2015 geben wird, entscheidet sich erst im November. Zu den unter 150 Bewerbern ausgewählten 25 Nominierten gehört das innovative Haus jedenfalls.

Ob Preis oder nicht Preis - für Thomas Wilde steckt in dem Forschungsfeld ein riesiges Zukunftspotenzial. Durch Klimaveränderungen ansteigende Meeresspiegel, die Besiedlung von Gebieten, in die sich weder Strom- noch Wasserleitungen legen lassen, Ponton-Systeme, die schwimmende Dörfer ermöglichen - all das sind real notwendige Herausforderungen. Dass sie zu meistern sind, ist Thomas Wilde äußerst zuversichtlich. Und kann als Metallbauer in sechster Generation stolz sein, im mit 13 000 Hektar größten künstlichen Seengebiet Europas an einem in die Zukunft weisenden Protypen beteiligt zu sein.

Das soll der Prototyp in sich vereinen:

Solare Strom- und Wärmenutzung, dezentrale Speicherung, Mikrofiltration und Entkeimung von Abwasser - und all das "verpackt" in Design und Architektur, die dem Lausitzer Seenland ein optisches Sahnehäubchen aufsetzen.

www.autartec.com