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Schulterklopfen für Comeback reicht nicht mehr

Staatssekretär Thorben Albrecht und der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Achim Dercks (l.) mit Jean-Marie Ulrich, Sandra Spletzer und Sven Guntermann vom Netzwerk Comeback Elbe-Elster.
Staatssekretär Thorben Albrecht und der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Achim Dercks (l.) mit Jean-Marie Ulrich, Sandra Spletzer und Sven Guntermann vom Netzwerk Comeback Elbe-Elster. FOTO: David Biene
Elbe-Elster-Kreis / Berlin. Das kommt nicht alle Tage vor. Unter bundesweit geehrten Netzwerken, die sich der Sicherung von Fachkräften verschrieben haben, konnte sich dieser Tage das Netzwerk Comeback Elbe-Elster über Urkunde und Blumen freuen. Gabriela Böttcher

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat insgesamt "fünf herausragende, innovative Netzwerke" ausgezeichnet. In Berlin dabei waren Sven Guntermann, Vorsitzender des Vereins "Generationen gehen gemeinsam" (G3) aus Finsterwalde, und Jean-Marie Ulrich, Teamleiter Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Cottbus und des Jobcenters in Elbe-Elster.

Dass das aus einer ursprünglich ganz privaten Initiative der Rückkehrerin Stephanie Auras hervorgegangene Netzwerk so anerkannt wird, freute die Akteure in Elbe-Elster natürlich. Jedoch ist damit auch ein großer Wermutstropfen verbunden. Noch immer ist es nicht gelungen, eine nachhaltige, auf die Zukunft ausgerichtete Finanzierung für Comeback Elbe-Elster zustande zu bekommen. Immer wieder aufgefangen durch Projektfinanzierungen über den Verein G 3 oder sogar durch das Engagement der E & G Projekt Agentur GmbH, deren Geschäftsführer Sven Guntermann ist, konnte der im vorigen Jahr eröffnete Heimatladen mit integrierter Willkommensagentur in der Finsterwalder Kleinen Ringstraße bis heute am Leben gehalten werden. Und er soll eine Zukunft für ganz Elbe-Elster haben.

Jean-Marie Ulrich: "Rückkehrer sind nach wie vor eine interessante Zielgruppe. Sie stehen im Arbeitsleben. Sie bringen berufliche und soziale Erfahrungen sowie oftmals sehr gute Qualifikationen mit. Sehr gern vermitteln wir sie an Arbeitgeber der Region."

Insgesamt wurden 200 potenzielle Rückkehrer von Comeback Elbe-Elster betreut. Etwa 50 konnten seit dem Jahr 2012 erfolgreich unterstützt werden. Seit 2013 unter dem Dach des Vereins G 3 angesiedelt, hängt Comeback Elbe-Elster immer noch am seidenen Faden. Intensiv sind die Bemühungen, eine "halbwegs vernünftige Finanzierung" hinzubekommen, die zumindest eine halbe Stelle langfristig sichern könnte. "Ja, wir haben in all den Jahren viel Zuspruch und Schulterklopfen erfahren. Das freut uns natürlich sehr. Aber die Zukunft von Comeback ist noch immer nicht geklärt", bedauert Sven Guntermann. "Wenn wir den Heimkehrer-Laden erst einmal schließen würden, dann würde er wohl so schnell nicht wieder öffnen", schaut er der Realität ins Auge. Deshalb ist "weiter kämpfen" angesagt. Kommunen, Landkreis und Unternehmen - keiner stellt die Bedeutung des Rückkehrer-Potenzials in Abrede. Soll da eine gemeinsame Finanzierung für eine halbe Stelle utopisch sein?

Im Zusammenhang mit der jüngsten Ehrung des Netzwerkes steht ein Partnerschaftsvertrag mit dem Innovationsbüro "Fachkräfte für die Region" in Berlin. Der ist zweifellos nützlich. Um Comeback Elbe-Elster langfristig zu retten, müssen jedoch andere Register gezogen werden.