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| 19:26 Uhr

Gegen den Mitgliederschwund
Kirchhainer Schützen wollen sich verjüngen

Es muss knallen und qualmen: Die Privilegierte Schützengilde Kirchhain 1718 beim Salutschießen aus der Traditionskanone bei einem früheren Schützenfest. Aber: Schützenvereine schrumpfen deutschlandweit. Die Kirchhainer halten ihre Mitgliederzahl konstant, weil sie starre Regeln aufbrechen.
Es muss knallen und qualmen: Die Privilegierte Schützengilde Kirchhain 1718 beim Salutschießen aus der Traditionskanone bei einem früheren Schützenfest. Aber: Schützenvereine schrumpfen deutschlandweit. Die Kirchhainer halten ihre Mitgliederzahl konstant, weil sie starre Regeln aufbrechen. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Die Privilegierte Schützengilde 1718 e.V. feiert am Wochenende ihr 300-jähriges Bestehen mit einem Schützenfest. Ein Höhepunkt wird das 6. Niederlausitzer Böllertreffen. Von Heike Lehmann

Die deutschen Schützenvereine haben’s schwer. Ihnen sterben die Mitglieder weg. Die, die noch da sind, sind in die Jahre gekommen, hadern mit den Traditionen oder wollen kaum noch Verantwortung übernehmen. Mancherorts sind Schützenaufmärsche längst nicht mehr, was sie einmal waren. Erste Vereine lösen sich auf.

Auch die beiden Doberlug-Kirchhainer Schützenvereine schrumpfen. 300 Jahre gibt es die Privilegierte Schützengilde Kirchhain 1718 e.V. Im nächsten Jahr ziehen die Doberluger nach. An diesem Wochenende wollen die Kirchhainer ihr Jubiläum mit dem traditionellen Schützenfest feiern. Dazu haben sie mehr Höhepunkte organisiert als in „normalen“ Jahren.

Ordentlich krachen wird es am Samstag beim 6. Niederlausitzer Böllertreffen. „36 Anmeldungen sind eingegangen – neun Kanonen, alles andere Standböller“, sagt Siegmar Drews, der Schießsportleiter im Verein. Und diese 36 Krachmacher werden alle zur gleichen Zeit gezündet. Das Spektakel findet auf der Wiese im alten Schwimmbad in der Finsterwalder Straße statt. „Anwohner werden vorher noch informiert“, versichert Drews.

53 Mitglieder zählt die Kirchhainer Gilde aktuell. Reichlich ein Viertel davon sind Frauen. „In den letzten zwei Jahren war die Mitgliederzahl aber konstant“, betont der Vorstand. Zu besten Zeiten waren es knapp 90 Mitglieder. Der Schrumpfungsprozess schlägt zum Glück nicht härter zu, weil die Kirchhainer gegensteuern und zwar an Traditionen, aber nicht an übertriebenen Regularien festhalten. Mitglied werden kann jeder Bundesbürger, der mindestens 18 Jahre ist, auf Antrag. Dann entscheidet der Vorstand. Das war nicht immer so. Günter Voigt, der Vorsitzende, erinnert sich: „Ich bin 1993 eingetreten, da brauchte ich noch einen Fürsprecher.“

Schriftführer Wolfgang Homagk, seit der Wiedergründung 1991 im Vorstand, verweist auf das Grundproblem der Nachwuchsgewinnung: „Kinder dürfen erst schießen, wenn sie zwölf sind. Da aber sind die meisten längst in anderen Vereinen.“ Mundpropaganda, Internet und Schnupperschießen jeden Mittwoch und Freitag von 18 bis 20 Uhr parallel zum Training sind die Mittel, um Mitglieder zu werben. „Der Jüngste im Verein ist Simon Röhnert. Er ist erst 15 und bei Jugendmeisterschaften der Beste im Landkreis. Ab 14 darf ein Jugendlicher mit Einwilligung der Eltern Kleinkaliber schießen“, sagt Siegmar Drews.

Traditionen sind auch den Kirchhainern wichtig. Es gibt die Fahnenkompanie, die Frauenkompanie, die Grenadierkompanie, die Jägerkompanie und – erst im dritten Jahr – die Sportkompanie. Letztere wurde eingeführt für jene, die wenig Wert auf Uniform legen, dafür einfach nur schießen wollen. „Das hält auch die Mitgliederzahl konstant“, sagt Drews. Die Bedingungen sind mit dem 50 Meter Schießstand gut. Für Luftdruckwaffen gibt es elf Bahnen mit Seilzuganlagen für die Scheiben. Seit Jahren werden bei den Kirchhainer Schützen die Kreismeisterschaften ausgetragen. Aber: Nur etwa ein Viertel der eigenen Mitglieder beteiligt sich am Sportschießen mit Luftgewehr, Luftpistole, Klein- und Großkalibern und gelegentlich Vorderladern. Rudolf Müller ist Vizelandesmeister mit dem Luftgewehr in seiner Altersgruppe.