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Schüler kümmern sich um Taut-Gebäude

Vielleicht kommen sie ja noch in den Genuss, in dem historischen Gebäude Unterricht zu haben. Acht Schüler des ehemaligen Korczak-Gymnasiums haben sich unter Anleitung von Fachlehrerin Birgit Neidnicht im vergangenen Schuljahr intensiv mit der Geschichte des jetzt leer stehenden Taut-Gebäudes in der Straße der Jugend beschäftigt. Nun stellen sie die Ergebnisse zum Tag des offenen Denkmals vor. Von Jürgen Weser

Anlass für das Projekt boten Anregungen von Museumsleiter Dr. Rainer Ernst und dem Abgeordenten Günter Haferland. Außerdem war gerade im Kreistag der Beschluss gefasst worden, im Rahmen des Zusammenschlusses beider Finsterwalder Gymnasien mit der Nutzung des Taut-Gebäudes innerhalb der Campus-Variante zu werben. Und das Projekt passte gut zum Thema Industrialisierung in der Klasse 8, das Geschichtslehrerin Birgit Neidnicht gern mit regionalen Beispielen verbindet. Am Sonntag wird die Projektgruppe des jetzigen Sängerstadt-Gymnasiums mit Dennis und Daniel Krause, Dustin Ganske, Mathias Heimann, Waldemar Mauerer, Otto Richter, Willi Scharf und Sven Wilde die Ergebnisse ihrer Forschungen mit Wandzeitungen und Schautafeln sowie Führungen durch das Gebäude vorstellen. Gestern probten sie schon einmal mit ihrer eigenen Klasse, um die Aufregung abzulegen.
Seit April des vergangenen Jahres, auch in den Sommerferien, haben sich die Jungs mit Leben und Wirken des Architekten Max Taut beschäftigt, die Chronologie des Gebäudes von der Einweihung 1913 als Kinderheim über die Zeit als Lazarett am Ende des Zweiten Weltkrieges und Teil des Finsterwalder Krankenhauses bis zum Leerzug 1998 nachgezeichnet, das Wirken des Fabrikanten Max Taut erforscht, den Aufbau des Gebäudes dokumentiert und die architektonische Einordnung des Gebäudes des Berliner Baumeisters Max Taut vorgenommen.
Überrascht hat sie bei ihrer Arbeit, wie offen die Stadt in dieser Zeit gegenüber architektonischen Neuerungen war und dass ein Fabrikant solch eine soziale Leistung finanziert. Es bot sich für die Arbeiterinnen und Angestellten der Koswigschen Fabrik somit die Möglichkeit, ihre Kinder pädagogisch gut umsorgt unterzubringen: natürlich auch ein Vorteil für den klugen Unternehmer. 25 000 Reichsmark, viel Geld in der damaligen Zeit, hat die Koswig-Stiftung am 25. Hochzeitstag von Anna und Max Koswig locker gemacht. „Wer die Jugend pflegt, der pflegt unseres Volkes Zukunft“ , lasen die Schüler im damaligen Niederlausitzer Anzeiger. Dieser Spruch, finden sie, sollte heute manchmal wieder größer geschrieben werden.
„Im Museum durften die 14-Jährigen Originalliteratur lesen“ , freute sich Birgit Neidnicht. Museumsmitarbeiter Hubertus Wendt half ganz praktisch. Auch durch die Stadt- und Bauarchive und die evangelische Kirchengemeinde als Eigentümer des Gebäudes bekamen die jungen Historiker jede Unterstützung, im Krankenhaus half Klaus Sommer, Hinweise und viele Fotos gab es von zahlreichen Bürgern, besonders zur Krankenhauszeit.
Die Ergebnisse, die als umfangreiche Projektmappe von Birgit Neidnicht verantwortlich zusammengefasst wurden, bieten eine prima Grundlage für die Weiterarbeit, findet sie selbst. Ihr schwebt eine Arbeitsgemeinschaft Regionalgeschichte mit interessierten Schülern auch älterer Klassenstufen vor.
Am Sonntag freuen sich Dennis, Dustin und ihre Freunde von 10.30 bis 16 Uhr erst einmal auf zahlreichen Besucher im Max-Taut-Gebäude Kinderheim/ „Innere“ in der Straße der Jugend.