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Berufsorientierung praxisnah
Achtklässler kochen und feilen

Jonas Zörner, Julia Tadine Motz, Jessica Hartung und Sebastian Sroka (v.l.) aus der Klasse 8b der Oscar-Kjellberg-Oberschule Finsterwalde lassen sich von Ausbilder Bernd George  ins Reich des Kochens entführen.
Jonas Zörner, Julia Tadine Motz, Jessica Hartung und Sebastian Sroka (v.l.) aus der Klasse 8b der Oscar-Kjellberg-Oberschule Finsterwalde lassen sich von Ausbilder Bernd George  ins Reich des Kochens entführen. FOTO: Gabriela Böttcher
Finsterwalde/Massen. Für Schüler der Kjellberg-Oberschule ist die Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz auf der Suche nach dem künftigen Job ein zuverlässiger Partner. Jetzt auch beim Praxislernen. Von Gabi Böttcher

Jonas Zörner, Sebastian Sroka, Jessica Hartung und Julia Tadine Motz aus der Klasse 8 b der Oscar-Kjellberg-Oberschule stehen am Dienstag in der Mittagsstunde am Herd in der Lehrküche des EEpL-Trainingszentrums in der Turmstraße in Massen. Sie freuen sich über ihre selbst gefertigten kulinarischen  Produkte. Ausbilder Bernd George ist die Ruhe in Person. Er ist es gewohnt, junge  Menschen auf den Geschmack zu bringen, wenn es um seinen Beruf, den des Kochs, geht.  Diesmal haben die vier Schüler im Praxislernen Nudeln  selbst hergestellt und auch die Tomatensoße nicht aus der Flasche entnommen, sondern aus frischen Zutaten selbst zubereitet. Im Nebenraum haben sie den Tisch fachmännisch gedeckt. Eine kunstvoll gefaltete Serviette inklusive.

Sebastian zu dieser Art des Hineinschnupperns in das Berufsfeld der Gastronomie: „Das ist ganz okay. Sehr interessant.“ Und Jonas räumt ein: „Ich habe heute zum ersten Mal so richtig gekocht.“ Der Stolz auf die Ergebnisse ist den Schülern anzumerken. Obwohl Julia Kindergärtnerin werden möchte, findet sie den Einblick in die Welt des Kochens ebenfalls interessant.

Tags darauf gehen sie auf Tuchfühlung mit dem Werkstoff Metall. Denn das Praxislernen mit dem Partner EEpL im Kompetenzzentrum in Massen bietet den 72 Schülern der drei 8. Klassen der Oscar-Kjellberg-Oberschule Einblicke in sechs Berufsfelder. Gabi Witschorke, Leiterin des Trainingszentrums, zählt auf: Metall, Holz, Farbe, Bau, Medien und Gastronomie. Leider habe das siebente mögliche Berufsfeld, die Chemie, kein Schüler gewählt.

Die Achtklässler haben in jedem Schulhalbjahr jeweils eine Woche lang die Möglichkeit, in die verschiedenen Berufsfelder hineinzuschnuppern. Während sie früher zum Praxislernen  nach Lauchhammer fahren und somit einen vor allem zeitlich höheren Aufwand betreiben mussten, können sie nun bei EEpL direkt vor der Haustür agieren.

Schulleiterin Cornelia Warsönke kann den Eltern, die ihren Nachwuchs an die Kjellberg-Schule schicken wollen, von vornherein sagen: „Wundern Sie sich nicht, dass ihre Kinder auch an anderen Orten als in der Schule lernen.“ Eine knapp unter  100 Prozent  liegende Vermittlungsrate der Schulabgänger gibt ihr  Recht, mit der frühzeitigen Berufsorientierung auf dem richtigen Kurs zu sein. Auch der neue Rahmenlehrplan im Land Brandenburg, der auf eine verstärkte Berufs- und Studienorientierung der Schüler abzielt,  gibt Rückenwind. Und das Praxislernen in Partnerschaft von Kjellberg-Oberschule und  EEpL GmbH ist nur ein Teil des Angebotes auf diesem Weg. Eine seit Jahren aktive Schüler-AG und ein weiteres Projekt, das dank des Förderprogrammes Initiative Sekundarstufe I (INISEK I) möglich wird und den selbst erklärenden Titel „Erste Schritte zum Traumberuf“ trägt, gehören ebenfalls zum Alltag der Schüler.

„Eigentlich geht es schon in Klasse 7 mit ,Komm auf Tour’ los, wo den Schülern geholfen wird, ihre Stärken herauszufinden. Darum geht es auch beim Praxislernen. Denn es ist gut, bei der praktischen Arbeit  zu entdecken, was einem liegt oder eben nicht“, erklärt Cornelia Warsönke.  Das INISEK I-Programm, für das Karin Handt von der Stiftung SPI als Koordinatorin wirkt, soll schulische  Leistungen von  Schülern in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 sowie deren Ausbildungsfähigkeit verbessern. Immer weniger Schülerinnen und Schüler sollen die Schule ohne Abschluss verlassen und immer mehr einen höherwertigen Schulabschluss erreichen, heißt es aus dem federführenden Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Ziel sei  außerdem, Berufs- und Studienorientierung an Schulen zu stärken und Kooperationen zwischen Schulen und außerschulischen Akteuren und Einrichtungen zu stärken.

Cornelia Warsönke und Gabi Witschorke schätzen es, eine seit Jahren gewachsene Partnerschaft in diesem Schuljahr mit dem Praxislernen weiter ausgebaut zu haben.  Das habe den Vorteil, dass man sich aus anderen Bereichen der Zusammenarbeit  bereits gut kenne. Damit setze sich so etwas wie ein Puzzle für eine erfolgreiche Berufsorientierung zusammen.

Den Oberschulen, Gesamtschulen und Förderschulen „Lernen“ stehen in der aktuellen Förderperiode der Europäischen Union bis zum 31. Juli 2021 insgesamt etwa 38 Millionen Euro für die Umsetzung des Programms INISEK I zur Verfügung. Knapp 30 Millionen Euro kommen aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), weitere acht Millionen Euro aus Landesmitteln.