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| 19:06 Uhr

Gewalt unter Flüchtlingen
Innenminister verspricht mehr Polizei für Doberlug-Kirchhain

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) unterhält sich in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende mit einer Mutter aus dem Irak.
Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) unterhält sich in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende mit einer Mutter aus dem Irak. FOTO: Bernd Settnik / dpa
Doberlug-Kirchhain. Nach Gewalt durch Flüchtlinge reagiert der Innenminister: „Wir wollen schnell wieder Normalität.“ Von Heike Lehmann

In Doberlug-Kirchhain wird künftig mehr Polizei präsent sein. Das hat Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Mittwoch versprochen. Anlass ist eine Häufung von Übergriffen und Gewalt in der Flüchtlingsunterkunft an der Torgauer Straße. Aber auch im Einkaufszentrum im Stadtteil Kirchhain wächst die Verunsicherung, ausgelöst durch alkoholisierte, pöbelnde und übergriffige gruppenweise auftretende Asylbewerber. Verkäuferinnen haben Angst, im Dunkeln allein nach Hause zu gehen. Fred Richter, stellvertretender Bürgermeister: „Die Stadt hat eine sehr integrative Kraft über das Ehrenamt entwickelt. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt.“

Verstärkung vor Ort gibt es bereits aus den Kräften der Polizei-Einsatzhundertschaft. Mit Wirkung, so Fred Richter: „Die Verkaufsstellenleiterinnen und auch die Einwohner berichten, dass man sich sicherer fühlt.“ Deshalb wird es zur Befriedung der Situation im Stadtgebiet dauerhaft zwei Streifenwagenbesatzungen mehr für Doberlug-Kirchhain geben. In der Erstaufnahmeeinrichtung wird zudem der Wachschutz verstärkt. Derzeit sind 16 Dienstposten rund um die Uhr vor Ort.

Das ist Ergebnis eines Gesprächs, das der Innenminister mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Stadtverordneten, der Zentralen Ausländerbehörde (ZABH), der Polizei, des Deutschen Roten Kreuzes als Betreiber der Flüchtlingsunterkunft sowie der zuständigen Wachschutzfirma geführt hat. Dabei war auch Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU). Schröter sagt: „Wir wollen die Situation schnell wieder auf Normalzustand, wie wir ihn aus Doberlug-Kirchhain kennen, bringen.“

Das Männerwohnheim in der Erstaufnahme Doberlug-Kirchhain der Zentralen Ausländerbehörde. Dort gibt es vermehrt gewaltsame Konflikte zwischen Bewohnern, die nahezu täglich die Polizei auf den Plan rufen.
Das Männerwohnheim in der Erstaufnahme Doberlug-Kirchhain der Zentralen Ausländerbehörde. Dort gibt es vermehrt gewaltsame Konflikte zwischen Bewohnern, die nahezu täglich die Polizei auf den Plan rufen. FOTO: Heike Lehmann

Momentan vergeht kaum ein Tag, wo die Polizei nicht in die Torgauer Straße gerufen wird. In der einstigen Lausitz-Kaserne – heute modern ausgebaute Flüchtlingsunterkunft der ZABH – häufen sich die Straftaten. Theo Ripplinger, der Leiter der Einrichtung, stellt klar: „Das Problem besteht ausschließlich im Männerwohnheim.“ Das bietet 370 Plätze. 190 sind momentan belegt. Sachbeschädigung, Körperverletzung, Beleidigung, Diebstahl, Bedrohung, Ruhestörung, schwerer Raub – die Einsatzliste der Polizeiinspektion Elbe-Elster für die Einrichtung seit Jahresbeginn ist lang. Hinzu kommt Unterstützung bei Abschiebemaßnahmen und Unterstützung des Wachschutzes.

Auch in der Nacht zum Mittwoch hat es wieder eine handfeste Auseinandersetzung gegeben. Diesmal gerieten zwei Algerier aneinander. „Der Grund ist uns nicht bekannt“, sagt Thomas Ballerstaedt, oberster Polizist im Landkreis. Ballerstaedt spricht von einer kleinen Gruppe „sehr kriminell“ agierender Männer. Aber: Den Anstieg der Ausländerkriminalität in der Stadt kann er belegen. Für 550 Straftaten in Doberlug-Kirchhain im Jahr 2017 gibt es etwa 280 ermittelte Tatverdächtige, davon sind 35 Prozent Ausländer.

Auch für Theo Ripplinger ist eine kleine Gruppe von Delinquenten das Problem. Ausgangspunkt war im November die Zuweisung von neun Bewohnern, überwiegend Nordafrikaner, sagt er. Sie sind teilweise schon nicht mehr da, dafür hätte sich eine neue kleine Gruppe gebildet, die Dominanz gegenüber anderen ausübe. Ripplinger versichert: „Anlässe für die Übergriffe sind Streit, Diebstähle, persönliche Konflikte. Ethnische Probleme gibt es sehr selten, weil wir im Vorfeld mit Mentoren aus der Bewohnerschaft deeskalierend wirken.“ Nach den Zwischenfällen versuchen Sozialberater in Gesprächen mit Opfern und Geschädigten den Konflikten auf den Grund zu gehen. Ripplinger sagt: „Die jetzige Situation ist auch bedrückend für die übrigen Bewohner. Sie haben selbst Angst und versuchen zu helfen“, sagt er. Im Familienwohnheim sind von den 700 Plätzen etwa 300 belegt. 131 Minderjährige leben dort.

Was die ermittelten Straftäter angeht, sagt der Innenminister, dass man „den Dingen massiv auf den Grund gehen“ werde. Bei der Ahndung der Straftaten sei die Staatsanwaltschaft gefordert. Schröter: „Wir werden es nicht zulassen, dass einige Wenige das Zusammenleben in der Stadt erschweren.“