Ein Pkw kommt von der Straße ab. Vier Insassen sind eingeklemmt, Fahrer und Beifahrer bewusstlos. Eine Radfahrerin, die alles beobachtet hat, stürzt vor Schreck, bleibt verletzt liegen. Eine Passantin läuft geschockt umher. Wenige Minuten später rollen zwei Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Kirchhain auf den Markt. Schaulustige sind auch schon da. Doch zum Glück ist alles nur eine große Übung.

Was sich der DRK-Ortsverband Doberlug-Kirchhain für einen sommerlichen Jugendrotkreuz-Dienstabend ausgedacht hat, ist gar nicht so fern der Realität. Erst vor wenigen Wochen waren Doberlug-Kirchhainer Feuerwehrleute mit ihrer Technik bei einem Unfall zwischen Dübrichen und Werenzhain im Einsatz, um Verletzte aus dem Auto zu befreien.

Für das Szenario auf dem Markt schlüpfen Jugendrotkreuzler in die Statistenrollen. Hans-Jürgen Barthel sorgt mit Schminke für die realistische Notfalldarstellung. Die Platz- und Schürfwunden sehen echt aus. Er lässt "Blut" die Stirn herunter laufen.

Lars Prudlo setzt sich mit einer dicken Platzwunde auf der Stirn samt Glassplitter auf den Fahrersitz, legt den Kopf auf das Lenkrad und "sinkt in die Bewusstlosigkeit". Tim Katzbach als Beifahrer ist nicht ansprechbar. Auf der Rückbank rufen Sandra Moewes und Celine Rietz aufgeregt um Hilfe. Kim Katzbach macht auf dem Markt in ihrem Schockzustand den Kameraden der Feuerwehr schwer zu schaffen, weil sie hysterisch um Hilfe für die verletzte Radfahrerin Sabrina Harnisch bittet. Sehr realitätsnah, was die Statisten da spielen.

Mit 13 Kameraden ist der Kirchhainer Ortswehrführer Tobias Haberkern angerückt. Heino Friedrich setzt die hydraulische Schere an der Beifahrertür an. Das Glas zerspringt. Die Splitter fangen sich in einer Decke. Es dauert nur Minuten, bis drei Verletzte gerettet sind. Für Celine, die mit Beinbruch auf dem Rücksitz schon vom Sanitäter versorgt wird, muss das komplette Autodach ab. Auch das dauert nicht lange und das Auto steht oben ohne da. "Das Schrottauto haben wir kostenlos von der Autoverwertung Schulze bekommen", sagt Silke Prudlo, Jugendrotkreuz-Chefin. Sie hat sich gemeinsam mit Robert Wagner, stellvertretender Bereitschaftsleiter beim Katastrophenschutz des DRK Doberlug-Kirchhain, das Schreckensszenario ausgedacht. Geschäfte am Markt, wie die Bäckerei Bubner oder Fleischerei Weiland, haben sie bei der Vorbereitung unterstützt.

Dirk Gronauer verfolgt mit zwei Söhnen wie andere Schaulustige jeden Schritt der Retter und kommentiert jeden Handgriff beim Zerlegen des Autos. Er arbeitet in einer Autowerkstatt und ist selbst Mitglied im DRK. Der achtjährige Florian findet alles einfach nur spannend. Sohn Sascha gehört zum Jugendrotkreuz und ist vielleicht bei der nächsten Übung auch Statist. Dirk Gronauer ist kritisch: "Mir hat ein bisschen die Ernsthaftigkeit gefehlt. Als das DRK noch nicht vor Ort war, hätten sich die Feuerwehrleute mehr um die Verletzten kümmern müssen."

Auch den Einsatzleitern, Robert Wagner und Tobias Haberkern, ist nicht entgangen, dass nicht jeder Handgriff perfekt war. Aber dafür sind Übungen da.