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| 17:32 Uhr

50 Jahre Mondlandung
Lausitzer Tischler schwört auf Mondholz

  Bäume leiden weniger, wenn sie in der richtigen Mondphase gefällt werden. Wer in Betten aus ihrem Holz schläft, wird ruhig und gesund werden? Mondholz soll  fester und widerstandsfähiger sein, wird behauptet. Was ist dran? 
Bäume leiden weniger, wenn sie in der richtigen Mondphase gefällt werden. Wer in Betten aus ihrem Holz schläft, wird ruhig und gesund werden? Mondholz soll  fester und widerstandsfähiger sein, wird behauptet. Was ist dran?  FOTO: dpa / Harald Tittel
Schönheide. Wer in der richtigen Mondphase Bäume fällt, erhält besondere Holzeigenschaften. Darauf setzt Hausbauer Dirk Ibbeken. Er baut mit uraltem Wissen ein Geschäft auf. Von Torsten Richter-Zippack

Der Mond beeinflusst die Erde in nicht unerheblichem Maß. Er stabilisiert die Erdachse. Ebenso werden durch ihn die Gezeiten der Meere hervorgerufen. Da­rüber hinaus soll der Erdtrabant das Wachstum der Bäume mitgestalten, Stichwort Mondholz. Werden Gehölze in bestimmten Mondphasen gefällt, besitze deren Holz besondere Eigenschaften. Das sagt Tischler Dirk Ibbeken aus dem Spremberger Ortsteil Schönheide. „Holz, das während der winterlichen Saftruhe bei abnehmendem Mond geschlagen wird, gilt als besonders stabil, feuerbeständig, schädlingsresistent und damit länger haltbar“, erklärt der 55-Jährige. Er verweist auf die Alpen. Dort gebe es auf manchen Bauernhäusern Schornsteine aus Lärchenholz, die zwar verkohlt sind, aber nie selbst gebrannt haben.

Den Angaben von Dirk Ibbeken zufolge existieren in Japan Tempel aus Holz, die bereits seit rund 1600 Jahren bestehen. „Schon die Mönche jener Zeit nutzten dieses Wissen. Es ist also uralt“, sagt der Tischler. Genauso war es bei den Römern. Im Schiffbau setzten sie ausschließlich Mondholz ein.

Ibbeken, der ursprünglich aus Nordwestdeutschland stammt, kennt auch die Ursachen für die veränderten Holzeigenschaften: „Die Bäume lagern bei abnehmendem Mond das Wasser direkt in ihren Holzzellen ein, nicht wie sonst in den Zellzwischenräumen. Dadurch ändert sich die Dichte des Materials. Es wird beständiger.“

Warum dies ausgerechnet bei abnehmendem Mond so ist, sei bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt. „Die Mondanziehung spielt dabei keine Rolle. Möglicherweise liegt es an der kosmischen Strahlung“, vermutet Ibbeken. Bekannt ist hingegen, dass vor rund 20 Jahren der Schweizer Forscher Ernst Zürcher belegt hat, dass diese besonderen Eigenschaften des Mondholzes tatsächlich nachweisbar seien. Der österreichische Holzunternehmer Erwin Thoma hat seine Firma bereits vor Jahrzehnten auf die Verwendung von Mondholz umgestellt. Von ihm bezieht Dirk Ibbeken dasjenige Mondholz, meist Fichte und Tanne, das der Wahl-Lausitzer zum Errichten seiner Holzhäuser benötigt.

In Cottbus hat der Schönheider bereits zwei Mondholz-Häuser aufgebaut, in Forst und in Doberlug-Kirchhain jeweils eines. In Weißwasser befindet sich ein Gebäude in Bau, in Spremberg soll im kommenden Jahr eins entstehen, Tendenz steigend. „Die Leute setzen in erster Linie wegen der Nachhaltigkeit und wegen des Gesundheitsaspektes auf Mondholz“, weiß Ibbeken aus Erfahrung. Seine Konstruktionen enthalten keine Klebstoffe, sondern werden mit Holzdübeln zusammengehalten.

Christoph Mertzig ist Forstmann und Unternehmer aus Doberlug-Kirchhain. Er schwört ebenfalls auf Mondholz. „Die meisten Förster sagen zwar noch immer, das sei alles Humbug. Tatsächlich aber handelt es sich um Insiderwissen“, erklärt der Fachmann. Er hat sich mit Dirk Ibbeken zusammengetan, um bei abnehmendem Mond geschlagenes Holz aus märkischen Kiefern entsprechend zu vermarkten. „Damit könnten wir uns die Transportkosten aus Österreich und Süddeutschland sparen. Somit wird das Holz noch nachhaltiger“, erklärt Mertzig.

Indes gibt es auch Stimmen, die dem Mondholz skeptisch gegenüberstehen. So merkt Prof. Claus-Thomas Bues vom Institut für Forstnutzung und Forsttechnik der TU Dresden an, das Beweise für die Einhaltung bestimmter Einschlagtermine nicht vorlägen. Darüber hinaus wecke die Werbung mit den vermeintlichen Vorteilen von Mondholz bestimmte Erwartungen. Würden diese nicht erfüllt, könnte der gesamte Rohstoff Holz einen Imageschaden erleiden. Dennoch plädiert Bues für weitere Forschungen an Mondholz. Der Wissenschaftler fügt an, dass diese nicht von vornherein als „esoterisch“ abgetan werden sollten.

 Hier präsentiert Dirk Ibbeken einen Quader aus echtem Buchen-Mondholz. Die einzelnen Schichten sind nicht verleimt, sondern werden mit Holzdübeln fest zusammengehalten.
Hier präsentiert Dirk Ibbeken einen Quader aus echtem Buchen-Mondholz. Die einzelnen Schichten sind nicht verleimt, sondern werden mit Holzdübeln fest zusammengehalten. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
  Bäume leiden weniger, wenn sie in der richtigen Mondphase gefällt werden. Wer in Betten aus ihrem Holz schläft, wird ruhig und gesund?Mondholz soll trockener, fester und widerstandsfähiger sein, wird behauptet. Was ist dran? 
Bäume leiden weniger, wenn sie in der richtigen Mondphase gefällt werden. Wer in Betten aus ihrem Holz schläft, wird ruhig und gesund?Mondholz soll trockener, fester und widerstandsfähiger sein, wird behauptet. Was ist dran?  FOTO: dpa / Harald Tittel
 Hier präsentiert Dirk Ibbeken einen Quader aus echtem Buchen-Mondholz. Die einzelnen Schichten sind nicht verleimt, sondern werden mit Holzdübeln fest zusammengehalten.
Hier präsentiert Dirk Ibbeken einen Quader aus echtem Buchen-Mondholz. Die einzelnen Schichten sind nicht verleimt, sondern werden mit Holzdübeln fest zusammengehalten. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack