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| 17:54 Uhr

Schönborner fühlen sich überfahren

Ein wenige Zentimeter großer Pfahl markiert die Stelle, wo ein 180 Meter hohes Windrad nahe Schönborn errichtet werden soll.
Ein wenige Zentimeter großer Pfahl markiert die Stelle, wo ein 180 Meter hohes Windrad nahe Schönborn errichtet werden soll. FOTO: Heike Lehmann
Schönborn. Vielleicht haben sich die Schönborner zu sehr in Sicherheit gewogen. Um so größer ist jetzt die Aufregung darüber, dass ein Investor mit Bauvorbereitungen für ein 180 Meter hohes Windrad unweit der Ortschaft begonnen hat. Die Angst vor weiteren drei Riesentürmen ist groß. Heike Lehmann

Etwa 700 Meter von den ersten Schönborner Wohnhäusern entfernt markiert ein kleiner gelber Pfahl einen Punkt. Leicht zu übersehen ist er. Das Windrad, das hier vermutlich bis zum Herbst stehen wird, wird alles andere als zu übersehen sein. 180 Meter weit soll es in den Himmel ragen. Seit wenigen Tagen werden die Zuwegung und ein Stellplatz für den Kran vorbereitet. Sehr zur Überraschung der Einwohner.

Der Standort zwischen Schönborn und Doberlug-Kirchhain war 2008 ins Blickfeld von Investoren geraten. Neben drei bestehenden Anlagen - 120 Meter hoch, eine ist mittlerweile zurückgebaut - plante ein Büro von der Ostseeküste vier wesentlich größere Windräder. Nabenhöhe 130 Meter, Gesamthöhe 180 Meter. Was vor fünf Jahren Kommunalpolitiker, Naturschützer und Denkmalpfleger zu öffentlicher Kritik bewog. Hoffnungen knüpfte man an die Gegenargumente, dass der Schwarzstorch im nahen Buchwald nistet, den Arten- und Landschaftschutz im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft an sich sowie das Kloster- und Schlossareal Doberlug-Kirchhain auf Sichtweite.

Die Gemeinde und das Amt Elsterland ärgerte vor allem die Wohnortnähe. Bis auf 690 Meter nah an die ersten Wohnhäuser - auch die gut angenommene Kita liegt dort - wollte man das erste Windrad setzen.

Ausgerechnet das soll jetzt gebaut werden. Seit 2011 liegen immissionsschutzrechtliche und Baugenehmigung vom damaligen Brandenburger Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vor. Erteilt zu einer Zeit, als die 1000 Meter Mindestabstand zur Wohnbebauung zwar als Richtwert galten, aber nicht festgeschrieben waren.

Am Reportertelefon hat eine Leserin (Name ist der Redaktion bekannt) beschrieben, wie sie schon die kleineren Windanlagen spürt. Sie hat in der Hauptstraße von April bis Juni Schlagschatten im Schlafzimmer, sagt sie. "Die Leute werden sich wundern, wie sehr die großen Windräder zu spüren sind", glaubt sie. Mit anderen Schönbornern suchte sie deshalb Hilfe beim Bürgermeister Daniel Mende (BVB/Freie Wähler Schönborn).

Auch Mende fühlt sich überfahren. Freilich wusste er um die Genehmigung für eine Anlage. Aber er sagt: "Es hat einfach keiner mehr damit gerechnet."

Die drei anderen Anlagen, beantragt 2012, sind im Frühjahr 2013 abgelehnt worden. Von einem "schwebenden Verfahren", spricht in diesem Zusammenhang Timo Krey auf RUNDSCHAU-Nachfrage am Dienstag. Er hatte die Anträge für die Wind Schönborn GmbH seinerzeit gestellt und Widerspruch gegen die Ablehnungen eingereicht. Die Firma sei aber inzwischen verkauft, sagt er.

Der Schönborner Bürgermeister bezeichnet den Baustart jetzt als "Überfalltaktik". Mende ist sich sicher, dass "Probleme mit der Ruhestörung vorprogrammiert sind. Das Windrad wird auf einem Stahlgittermast errichtet, wo der Wind ordentlich durchpfeift." Das Fazit werde sein, dass es immer öfter zu bestimmten Zeiten abgestellt wird und eh keinen Sinn macht.

Er kritisiert, dass der Bauherr mit der Gemeinde keinen Kontakt aufgenommen hat. Selbst beim Landkreis Elbe-Elster habe keine Bauvoranzeige vorgelegen. Dort habe man sich von der Genehmigungsbehörde jetzt die Unterlagen eingefordert, sagt Mende, der auch im Kreistag sitzt.

Zum Thema:
Im neuen Entwurf des Teilregionalplans Windenergienutzung der regionalen Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald ist Schönborn als Windnutzungsgebiet nicht mehr ausgewiesen, weil es relativ kleinräumig und siedlungsnah ist. Die Regionalplaner hoffen, dass die Satzung im Mai 2015 beschlossen und mehr Rechtssicherheit beim Bau von Windkraftanlagen bringen wird.