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| 02:34 Uhr

Schönborn hat den jüngsten Gastwirt

Dominik Jentsch ist der neue Inhaber vom Landgasthof in Schönborn.
Dominik Jentsch ist der neue Inhaber vom Landgasthof in Schönborn. FOTO: Heike Lehmann
Schönborn. Der Landgasthof in Schönborns Dorfmitte hat eine Zukunft. Eine ganz junge noch dazu. Dominik Jentsch aus Sonnewalde ist der neue Inhaber. Er ist erst 21 Jahre alt. Am Dienstag war Neueröffnung. Heike Lehmann

Um die 40 Gäste sind am Tag der Neueröffnung in den "Landgasthof Jentsch" eingekehrt. "Und das, obwohl wir kaum Werbung gemacht hatten", sagt Dietmar Jentsch, der die organisatorischen Fäden für seinen Sohn fest in der Hand hält. Lediglich beim ortseigenen Kanal habe es eine Information gegeben. Und die Internetseite ist fertig.

Dominik selbst atmet am Tag danach noch tief durch. "Es waren alle zufrieden. Und ich habe es einigermaßen geschafft, dass niemand zu lange auf sein Essen warten musste", sagt er und zeigt seine erste Speisekarte mit fünf Hauptgängen, Vorspeisen und Desserts.

Der gelernte Koch ist erst 21 Jahre alt. Als er die Ausbildung zum Fleischer aus gesundheitlichen Gründen nicht fortsetzen konnte, hat er umgeschwenkt und eine Kochlehre begonnen. Nach zwei verschiedenen Ausbildungsbetrieben in der Region bekam er die Chance, sein berufliches Rüstzeug im renommierten Finsterwalder Restaurant "Zum Goldenen Hahn" bei Gourmetkoch Frank Schreiber zu erlernen. Seine Ausbildung dort hat er am 13. Juni 2016 beendet. "Abschluss mit Zwei plus", sagt er stolz.

Seitdem hat sich Dominik nach einem "eigenen Haus" umgesehen. Wichtigste Bedingung: In der Region sollte es sein, denn der Sonnewalder will hier bleiben. Eine Option war Kunaths Landgasthof in Schönborn. "Schon beim ersten Ansehen sind bei uns Ideen gereift", sagt Dietmar Jentsch.

Für das Gasthaus ist es ein nahtloser Übergang. Und für das Dorf vielleicht ein Glücksfall, hofft Bürgermeister Daniel Mende. Das zentral gelegene Grundstück kann auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, wie aus den Kirchenbüchern des Ortes zu entnehmen ist. Im Trauregister von 1808 wird der Töpfermeister Johann Gottlieb Richter erwähnt, der das auf dem Grundstück seit Generationen ausgeübte Töpferhandwerk weiterführte.

Als Gründer von Richters Gasthof ist Friedrich August Richter anzusehen. Der Stellmacher wird im Kirchenbuch 1876 zum ersten Mal als Gastwirt betitelt. Die Eröffnung der Gaststätte Richter am Gemeindeplatz und die spätere Erweiterung mit einem Tanzsaal stehen sicher im Zusammenhang mit dem Schönborner Bergwerk, der Grube "Pauline", die Ende der 1880er-Jahre expandierte.

Nach diversen Besitzerwechseln wurde Richters Gasthof im Jahr 1982 vom Glaswerk Schönborn gekauft, vom damaligen Betriebsdirektor Lothar Hampel modernisiert, mit neuem Ambiente versehen und als "Bleikristallkrug" wiedereröffnet.

Nach der Wende hat Ursula Kunath den "Bleikristallkrug" von der Treuhandanstalt erworben und bis jetzt als Kunath's Landgasthof geführt.

Jetzt ist Dominik der Herr an den Töpfen und im ganzen Haus. Er hat den Landgasthof inklusive 7000 Quadratmeter großem Grundstück von Ursula Kunath gekauft. Die Sparkasse Elbe-Elster hat einen entsprechenden Kredit gewährt. "Ich war schon immer gern mein eigener Herr", macht er keinen Hehl daraus, dass ihm ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Regionale und gutbürgerliche Küche möchte er seinen Gästen bieten. Frisch zubereitet, keine Tiefkühlware. Dafür wird mit Erzeugern der Region zusammengearbeitet, mit der Fleischerei, dem Bäcker sowie der Gärtnerei aus dem Ort. Auch zur Teichwirtschaft Hammermühle will man den Kontakt suchen. Vater Dietmar schwebt außerdem vor, dass das Gemüse für die Küche - Möhren, Kartoffeln, Sellerie, Kohlrabi und Co. - künftig auf dem Grundstück angebaut und geerntet wird. An dieser Stelle werden Kerstin Pach und Manuela Pieper von der Agentur für Arbeit, mit denen gerade über das noch benötigte Personal gesprochen wird, hellhörig. "Da brauchen Sie ja noch mehr Leute", sagt Manuela Pieper. Und auch das: "Hut ab vor dem Mut, den Sie aufbringen." Vorerst gehen Vater und Sohn Jentsch von sechs Arbeitsplätzen aus, inklusive Chefkoch und Inhaber Dominik. Mutter Sieglinde hilft, wo sie kann, vor allem in der Küche und beim Saubermachen.

Was den Saal angeht, will Familie Jentsch mit der Dorfgemeinschaft was aufbauen. Tanzabende für Rentner und Singles, Trödelmärkte drin und draußen, Fastnacht und Vereinsveranstaltungen sollen stattfinden. Als Gaststätte will man sich auch bei den Höhepunkten auf der Schönborner Waldbühne einklinken.

Und nicht zuletzt bekommt das Dorf neue Einwohner. "Wir wollen hierher ziehen", sagt Dominik. Das aber ist beim Rückzugstrend in Schönborn gar nicht so leicht.

www.landgasthof-jentsch.de