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Grundstückseigentümerin in Rückersdorf frustriert:
"Schneiden vom Dach 50 Zentimeter weg"

Mandy Pinkawa: "Zuerst sollte eine Ecke der Dachkante weg, jetzt bekommen wir eine Mauer ganz knapp vor die Nase." Dabei sollte die Straße eigentlich mit genügend Abstand gebaut werden. Doch die Planungen von 2013 (kleines Foto) sind über den Haufen geworfen worden.
Mandy Pinkawa: "Zuerst sollte eine Ecke der Dachkante weg, jetzt bekommen wir eine Mauer ganz knapp vor die Nase." Dabei sollte die Straße eigentlich mit genügend Abstand gebaut werden. Doch die Planungen von 2013 (kleines Foto) sind über den Haufen geworfen worden. FOTO: Frank Claus/Fotomontage: DB Projektbau
Rückersdorf. Im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Berlin-Dresden auf Tempo 200 müssen in Rückersdorf drei Bahnübergänge geschlossen und dafür neue Brücken gebaut werden. Die Zeit drängt. Frank Claus

Am 10. Dezember sollen die Züge nach fast einjähriger Sperrpause wieder rollen. Auch die neuen Schienenüberführungen samt Anfahrtstraßen müssen dann befahrbar sein.

In Rückersdorf-Süd entsteht ein gewaltiges Monstrum. Für Mandy Pinkawa ist die neue Brücke, die samt Anfahrtrampen einem Omega gleicht, längst ein Albtraum. "Bei mir liegen die Nerven blank", sagt sie. Dabei sollte sie mit ihrem Gebrauchtmöbel-Geschäft nach Fertigstellung der Bauarbeiten eigentlich kaum beeinträchtigt werden. Jedenfalls nicht, wenn das umgesetzt worden wäre, was die DB Projektbau im Sommer 2013 den Anwohnern samt Fotomontage vorgestellt hatte (siehe kleines Foto). Die Straße wäre mit genügend Abstand hinauf zur Brücke verlaufen. Für einen Geh- und Radweg ist da noch eine Unterführung geplant gewesen.

Später ist alles über den Haufen geworfen worden. Geh- und Radweg sind nun in die Brücke integriert. Problem: Nun reicht am Möbelhaus die Fläche nicht mehr aus. Straße und Gehweg führen haarscharf am Gebäude vorbei, machen sogar Einschnitte erforderlich. "Wir müssen vom Dachüberstand 50 Zentimeter wegschneiden, haben mir die Planer der Bahn dann erklärt", so Mandy Pinkawa. Erst als sie heftig protestiert, kommt Bewegung in die Sache. Zunächst hatten Mandy und Axel Pinkawa vorgeschlagen, das Grundstück samt Gebäude ganz herzugeben. Ihren Preisvorstellungen wollte die Bahn nicht folgen. Dann unterbreitet die wiederum den Vorschlag, einen Teil des Gebäudes abzureißen und an anderer Stelle des Objektes anzubauen. Als der Kostenvoranschlag kommt, der sich wegen damit einhergehender Asbestdachsanierung auf mehr als 100 000 Euro beläuft, macht die Bahn einen Rückzieher. Maximal 9000 Euro, so Mandy Pinkawa, wollte sie dazugeben.

Und schließlich will die Bahn nun anderweitig aus der Nummer rauskommen. "Zur Vermeidung von Eingriffen am Dachüberstand der Familie Pinkawa wird die Winkelstützwand des Gehweges etwas versetzt", erklärt Hans-Jürgen Kieke, Projektleiter Großprojekte im Regionalbereich Ost, und ergänzt, dass die Straßenüberführung trotz der Korrektur "innerhalb der geplanten Baugrenzen auf Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses" gebaut werde. Problem: Nun wird die Straße nicht nur etwa 50 Zentimeter am Haus vorbeiführen, Familie Pinkawa bekommt samt Winkelstützelementen und Geländer nun eine fast drei Meter hohe "Mauer" vor die Nase gesetzt. Hans- Jürgen Kieke, erklärt, dass die Straße nicht noch weiter versetzt werden könne, da in der übrigen Fläche noch eine Zufahrt für einen Garagenkomplex und ein Regenwasserauffangbecken entstehe.

Andrea Madel, Sachgebietsleiterin Bau im Amt Elsterland, kennt das Problem und hat im Zuge der drei Brückenbauten "schon fast 100 volle Ordner", wie sie sagt.

Bauen mit der Bahn sei nicht einfach, weiß sie und nennt als Beispiel noch immer ungelöste Straßenanbindungen an der Brücke Bad Erna. Die Auseinandersetzung der Familie Pinkawa mit der Bahn sei jedoch "privatrechtlicher Natur". Das Amt könne die Familie nur unterstützen, wenn es um öffentlich einsehbare Planunterlagen gehe.

Die jetzigen Lösungen müsse die Familie wegen des "Gemeinwohls" des Gesamtprojektes doch akzeptieren, bekommen die Pinkawas von der Bahnseite immer wieder zu hören.

"Aber, das entwertet unser Grundstück doch total", sagt Mandy Pinkawa und fragt sich, ob das alles überhaupt noch rechtens ist. Sie schaltet einen Anwalt ein. Rainer Daniel von der Kanzlei Daniel & Kollegen aus Vetschau bestätigt, dass er von Experten gerade prüfen lasse, ob die erteilte Baugenehmigung den jetzigen Sachstand überhaupt noch decke. Dass die Bahn für das Geschäft eine neue Werbetafel finanzieren wolle und auch einen Verlustausgleich für durch die lange Bauphase erlittene Umsatzausfälle prüfe, tröstet Mandy Pinkawa jedenfalls nicht.